September 2006


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. bot auch in diesem Jahr die „Woche der Erdgeschichte“ mit Exkursionen, einem Vortrag und einer Ausstellung an. Ziel der Exkursionen am „Tag des Geotops“ war das einmalige Phänomen Pfahl. Der Bayerische Pfahl durchquert als uralter Riss das Grundgebirge des Bayerischen Waldes. Die nahezu 150 km lange, bundesweit einmalige Bruchlinie wurde in diesem Jahr in die Liste der 77 schönsten Geotope Deutschlands aufgenommen. Dieser mit Quarz- und Schiefergestein gefüllte Riss im Gebirgsgrund zeigt sich im Bayerischen Wald mit vielerlei Gesichtern: Spektakulär sind seine hoch aufragenden, weiß schimmernden Quarzriffe wie in Viechtach und Regen oder die dunklen, braungrünen Pfahlschiefertürme wie in der Wildbachklamm „Buchberger Leite“ zwischen Freyung und Ringelai. Die Exkursionen im Naturschutzgebiet „Großer Pfahl“ bei Viechtach und in der „Buchberger Leite“ bei Freyung waren gut besucht. Vor-Ort konnten sich Naturliebhaber über diese beeindruckenden Naturdenkmäler informieren und den besonderen Reiz der herbstlichen Wanderzeit erleben.

In der Viechtacher Pfahl-Infostelle hielt Diplom Mineraloge Thomas Sperling einen bildreichen Vortrag über heimische Gesteine und Mineralien. Nach dem Motto „Wenn Steine Reden könnten“ ging der Referent auf die Entstehung der Urgesteine Granit und Gneis ein. Gneise sind u.a. aus bis zu einer Milliarde Jahre alten Meeresablagerungen entstanden. Augenfällig ist ihr gebändertes Aussehen. Die wesentlich jüngeren ca. 300 Millionen Jahre alten Granite sind ehemals glutflüssige Gesteinsschmelzen, die in dieses „Gneisdach“ des Urgebirges eindrangen und weit unter der Erdoberfläche erstarrten. „Der Bayerische Wald war in früheren Zeiten ein Hochgebirge vergleichbar den Alpen“ – erklärte Referent Thomas Sperling. Durch Verwitterung und Abtragung kam nicht nur das Tiefengestein Granit an die Erdoberfläche. Der „Zahn der Zeit“ trugt kilometerdicke Gesteinspartien ab. Auf diese Weise formte sich die heutige Mittelgebirgslandschaft im Bayerischen Wald.
„Feldspat, Quarz und Glimmer – die drei, vergess´ ich nimmer“. In der naturkundlichen Volksweisheit werden die typischen Mineralien der Granite und Gneise beschrieben. In der bewegten Erdgeschichte des Waldgebirges sind noch eine Vielzahl weiterer Mineralien entstanden – wie der rosa schimmernde Rosenquarz, der schwarze Rauchquarz oder der violette Amethyst. Diese sind in der im Anschluss an den Vortrag eröffneten Ausstellung „Gesteine und Mineralien im Bayerischen Wald“ zu sehen. Die Mineraliensammler Michael Haimerl und Josef Penzkofer vom Mineralogischen Kreis Bayerischer Wald e.V. stellen hier ca. 80 Ausstellungsstücke aus.

In der Pfahl-Infostelle im Alten Rathaus am Viechtacher Stadtplatz ist diese Ausstellung bis August nächsten Jahres zu besichtigen. Daneben lädt die Dauerausstellung „Der Pfahl im Bayerischen Wald“ zum Informieren und Erkunden ein.


Die Stadt Bogen hat von der Deutschen Bahn den Bahnhof Bogen erworben. Bahnhof und Außenanlagen wurden komplett saniert und zusätzlich ein neuer Busbahnhof sowie Park&Ride - Anlagen geschaffen. Im Erdgeschoss wurden eine Gaststätte und Funktionsräume geschaffen. Im Obergeschoss erhielt der Naturpark Bayerischer Wald e.V. die Möglichkeit, eine Naturpark-Infostelle mit Dauerausstellung zu den Themen Donau, Donaurandbruch und Bogenberg einzurichten.

Ein Ziel des Naturpark Bayerischer Wald e.V. ist es, in jedem der Mitgliedslandkreise wenigstens eine Anlaufstelle zu errichten. Im Jahr 2005 fiel die Entscheidung zugunsten des Bahnhofs Bogen.

Am Kreuzungspunkt zweier interessanter Radwege, nämlich dem Donauradweg und dem Donau-Regen-Radweg und am Endpunkt der Bahnlinie Neufahrn - Straubing – Bogen sollen nun künftig neben touristischen Informationen auch Informationen zur Natur am Bogenberg und zum Donaurandbruch sowie dem Donautal präsentiert werden.

Auf etwa 60 m² Ausstellungsfläche können sich Gäste und Einheimische informieren, es können aber auch kleinere Veranstaltungen und Vorträge zu Natur- und Kulturthemen stattfinden.

Der Naturpark Bayerischer Wald wurde am 18. Mai 1967 in Zwiesel gegründet und umfasst die 4 Bayerwald-Landkreise Regen, Freyung-Grafenau sowie Deggendorf und Straubing-Bogen nördlich der Donau. Insgesamt 89 Mitgliedsgemeinden, etwa 250 Privatmitglieder und 70 Verbände und Vereine sind Mitglied im Naturpark. Dort hat man sich zum Ziel gesetzt, die Kulturlandschaft des Bayerischen Waldes zu erhalten und für Erholungszwecke aufzubereiten sowie die Natur zu schützen und die Landschaft zu pflegen. Ein wichtiger Faktor ist die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Mit der Naturpark-Infostelle Bahnhof Bogen entsteht die 5. Infostelle im Naturparkgebiet. Damit wird das Informationsangebot abgerundet. Neben der Dauerausstellung kann man sich Faltblätter und Broschüren zu Wissenswertem holen.

Am Eröffnungswochenende, Samstag, 14. und Sonntag, 15. Oktober 2006, pendeln Dampfzüge zwischen Straubing und Bogen, verbunden mit einem verkaufsoffenen Sonntag. Der Festakt findet am Samstag, 14.10.2006, um 15:00 Uhr am Bahnhof Bogen mit Wirtschaftsminister Erwin Huber statt. Gaststätte und Naturpark – Infostelle sind dann an sieben Tagen in der Woche geöffnet. Die Kosten für die Naturpark – Infostelle betrugen ca. 60.000.- €. Sie wurden zu 50 % aus dem europäischen Förderprogramm EFRE, zu 15 % aus dem Allgemeinen Umweltfonds des Freistaates Bayern, zu 25 % von der Stadt Bogen und zu 10 % vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. getragen.


Am vergangenen Mittwoch fand eine Familienwanderung zum Großen Arber unter dem Motto „Auf den Arber mit Groß und Klein“ statt, die von den beiden Naturparken Bayerischer Wald und Oberer Bayerischer Wald organisiert wurde. Am Brennesparkplatz traf sich Gebietsbetreuer Arnold Multerer mit den Familien zum dreistündigen Aufstieg. Dank des schönen sonnigen Wetters fanden sich über 50 Teilnehmer ein, um die Natur- und Pflanzenwelt beim Großen Arber näher kennen zu lernen.

Schon nach einigen Metern erklärte der Ranger den Kindern und Eltern die unterschiedlichen Merkmale von Sträuchern und Bäumen, die typisch für den Bayerischen Wald sind. Während der gesamten Wanderung wurde öfters halt gemacht und die Natur spielerisch begreifbar gemacht. Anhand von Rätseln bei denen charakteristische Merkmale von den im Naturpark ansässigen Tieren beschrieben wurden, errieten die Kinder die Lösungen. Leicht war noch das Eichhörnchen mit seinem markanten buschigen Schwanz zur erraten. Schwieriger wurde es beim Luchs oder Auerhahn.
Beim Fledermausspiel orteten die jungen Teilnehmer blind ihre Beute und konnte die „piepsenden Insekten“ mit einem Wasserstrahl fangen. Dies sorgte gleich für die nötige Erfrischung bei der Wärme. Erfühlt und ertastet wurden typische Waldgegenstände die vorher von den Teilnehmern gesammelt wurden. Während der Wanderung erklärte der Gebietsbetreuer am vorhandenen Beispiel den technischen Fortschritt der Baumernte und erzählte die Sage um das Gold der Zwerge, das die Kinder in kleinen Höhlen finden konnten.
Aber nicht nur die Kleinen durften spielend die Natur erleben, auch die Großen mussten bei den ein oder anderen Spiel mit herhalten. Beim Menschenstapeln wurde deutlich wie viel Druck auf den unteren Schichten der Erdkruste ruhte und so die „Skelette der Urzeit zu Stein“ gepresst wurden.

Nach Verlassen des Hauptweges zum Gipfel, der „Arberautobahn“ wie ihn Arnold Multerer auch nennt, schlug die Gruppe den früheren Weg der Schmuggler ein und wanderte über Stock und Stein weiter Richtung Gipfel. Auf diesen Weg waren herrliche Naturbilder zu sehen wie z.B. der Blick auf den Kleinen Arbersee mit den „schwimmenden Inseln“. An Hand einer Aufnahme vom Vorjahr verglich die Teilnehmergruppe die Lage der Inseln, die sich je nach Wind und Wetter ändert.
Bei den Rastpunkten bekamen die Kinder Geschichten über den Arber erzählt. Eine Sage berichtet von einem Fischer, der einem gefangenen Fisch ein rotes Band umband und ihn wieder in den Kleinen Arbersee ausgesetzte. Denselben fing er kurze Zeit später im Großen Arbersee. Somit nahm er an das beide Seen unterirdisch verbunden sein müssten.
Oben am Gipfel angekommen entdeckte die Gruppe unterschiedliche Motive in den Felsen. Sehr gespenstig wirkte die „alte Hexe“, auch genannt der Richard-Wagner-Kopf auf die Kinder. Am Gipfel wurde dann eine lange Brotzeit gemacht und viele Familien verweilten bei Sonnenschein bis in die späten Nachmittagsstunden am Gipfelplateau.


Im Rahmen des Bildungsprogramms 2006 hatte der Naturpark Bayerischer Wald e.V. und der Naturkundliche Kreis Bayerischer Wald e.V. zu einer gemeinsamen Wanderung an den Pfennighügel bei Saldenburg eingeladen. Mehr als 50 Interessierte ließen sich vom Referenten Gotthard Grimbs auf sehr sachkundige aber auch anschauliche Art und Weise in das „Reich der Pilze“ verführen. Als sehr gute Pilzkennerin, nicht nur bei den Speisepilzen, erwies sich auch die Schlagersängerin Barbara Clear, die sich ganz unauffällig unter die Teilnehmer gemischt hatte.

Bei der kleinen Wanderung in dem gemischten und stufig aufgebauten Wald konnte man etwa hundert verschiedene Arten an Pilzen, bis hin zu den Baumpilzen auffinden.
Die meisten Arten fand man unmittelbar an den Wegen. Bereits zu Beginn hatte man vereinbart von jeder Art immer nur ein Exemplar mitzunehmen.

Anschließend traf man sich im Gasthaus Klessinger in Hundsruck, um auf einen großen Tisch die gefundenen Pilze zu sortieren und genauer zu bestimmen. Zunächst ging Gotthard Grimbs in seinen Erläuterungen auf die Unterscheidung von giftigen Arten ein. Der weiße Knollenblätterpilz schärfte den meisten Respekt ein. Man soll ihn gar nicht anfassen, denn auch bereits die Sporen sind giftig. Auch der Fliegenpilz gehört zu den Knollenblätterpilzen. Er ist aber nicht ganz so giftig. Von Eigenversuchen mit Pilzen riet Gotthard Krims gründlich ab. Da hat es schon manche böse Überraschung gegeben. Durch den Niederschlagsreichen August mit 70% mehr Niederschläge als sonst gab es Pilzarten zu sehen, die man seit Jahren nicht finden konnte. Für Pilzsammler war dieser Sommer ohnehin eine hervorragende Saison. Die Teilnehmer waren mit großem Eifer bei der Sache, fragten und diskutierten. Erst am frühen Abend trennte sich dann die Gruppe, erfreut über den kurzweiligen Nachmittag.

Für Kinder war das Feuer machen mit Pyrit und Feuerstein ein Höhepunkt. Der Feuerstein ist hart, der Pyrit liefert die Funken. Am besten lassen sich diese Funken im Zunder des an der Buche wachsenden Zunderschwammes auffangen. Dort glimmen Funken schnell weiter und lassen sich mit trockenem Gras oder trockenen Blättern zu Feuer entzünden. Mit großem Interesse wurde auch die Erläuterung der früher üblichen Herstellung von Hüten oder Taschen aus Zunderschwamm aufgenommen. Die Frau des Referenten präsentierte Hut und Handtasche, wie sie heute leider nur noch in Osteuropa hergestellt werden.


Naturpark Bayerischer Wald e.V. und die LBV-Kreisgruppe Regen hatten zu einer Veranstaltung anlässlich der europäischen Fledermausnacht ins Infozentrum Grenzbahnhof Eisenstein eingeladen. Etwa 30 interessierte Teilnehmer, darunter zahlreiche Kinder waren zur Veranstaltung gekommen. Diese zehnte europäische Fledermausnacht wurde europaweit begangen, um über Fledermäuse zu informieren und auf Gefährdungen und Schutzmaßnahmen hinzuweisen. Die Diplom Biologin Susanne Morgenroth ist seit etwa 15 Jahren für den Naturpark Bayerischer Wald e.V. in Sachen Fledermäuse tätig. 19 verschiedene Fledermausarten gibt es im Bayerischen Wald. Im Rahmen eines bebilderten Vortrages stellte Susanne Morgenroth die wichtigsten Arten und ihre Lebensweise vor. Ganz besonders bedeutsam ist der nahegelegene Silberberg bei Bodenmais für Mopsfledermäuse. Das Stollensystem des ehemaligen Erzbergwerkes beherbergt europaweit das größte Mopsfledermausvorkommen. Mopsfledermäuse sind sehr selten und in Nordbayern und Norddeutschland bereits ausgestorben.
Der Einsatz jeglicher Gifte in Gärten, in der Landwirtschaft aber auch das Nachstellen durch Katzen stellen für Fledermäuse eine große Gefahr dar. Fledermäuse brauchen strukturreiche Lebensräume an Waldrändern und an Gewässern. Sie fangen nächtlich fliegende Insekten und Falter und vertilgen große Mengen dieser Insekten im Flug. Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hat ein ehrenamtliches Betreuersystem aufgebaut. Fledermäuse verstecken sich tagsüber oft in Holzverkleidungen, hinter Fensterläden, Rollläden oder in Holzstößen. Hinweise zu Fledermausvorkommen nimmt der Naturpark Bayerischer Wald unter der Telefonnummer 09922 / 80 24 80 gerne entgegen.
Im Anschluss an den bebilderten Vortrag wurde ein neuer Film über Fledermäuse und Fledermausschutz in Bayern gezeigt. Danach begab man sich auf eine kleine Exkursion durch Bayerisch Eisenstein. Der Weg führte zur Kirche, an einer Obstwiese vorbei und zurück über die Wasserfläche am Wanderpark zum Grenzbahnhof. Trotz der kühlen Witterung konnte man mit einem Fledermausdetektor eine ganze Reihe von Zwergfledermäusen hören und ihre Balzaktivitäten verfolgen.