März 2002


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2002 bietet der Naturpark Bayer. Wald e.V. im neuen Informationshaus eine Führung für die Kreisgruppen Regen und Freyung – Grafenau des Landesbundes für Vogelschutz an. Aber auch die Gesamtbevölkerung ist herzlich dazu eingeladen. Treffpunkt ist am Samstag, 09.03.2002 um 14:00 Uhr im neuen Naturpark - - Informationshaus in Zwiesel an der B11 – Abfahrt Zwiesel Süd. Nach einer kurzen Einführung gibt es einen Rundgang durch das Gebäude und anschließend die Gelegenheit, den Film über den Bauablauf anzuschauen oder sich selbst mit der interaktiven Gebäude – CD oder anderweitig zu informieren.


Zur zweiten Veranstaltung im Rahmen des Jahresbildungsprogramms 2002 des Naturparks Bayerischer Wald e.V. im Infozentrum Grenzbahnhof konnte Bildungsreferent Hartwig Löfflmann die Biologin Zuzanna Maskova von der Nationalparkverwaltung Sumava begrüßen. Die Nationalparkmitarbeiterin aus Kasperske Hory brachte einen Deutschlehrer als Dolmetscher mit. Die zweisprachige Veranstaltung begeisterte etwa 30 Zuhörer mit Besonderheiten und Raritäten des Böhmerwaldes. Maskova ging zunächst auf die Böhmerwaldwiesen und die darauf vorkommenden ersten Frühlingsboten ein. Allgemeine Arten wie Pestwurz, Schlüsselblume oder auch braune Haselwurz wurden dabei vorgestellt. Die Haselwurz wurde früher getrocknet und gedürrt und bei reichen Leuten zur schnelleren Verdauung verwendet. Da sie mäßig giftig ist wurde sie aber auch als Rattengift eingesetzt. Danach ging die Diplom – Biologin auf die 25 Orchideen - Arten, die im Böhmerwald vorkommen ein. All diese Arten sind nahe verwandt mit den Orchideen aus den Tropen. Mit zu den bekanntesten Arten zählt das Holunderknabenkraut. Alle Orchideenarten sind sehr selten und streng geschützt, da sie vom Aussterben bedroht sind. All diese störungsempfindlichen Orchideenarten leiden unter der heutigen Agrarwirtschaft. Der abwechslungsreiche Diavortrag befasste sich danach auch mit kurzhalmigen Bergwiesen und einem prominenten Vertreter, dem ungarischen Enzian. In den Karen der Böhmerwald – Seen in der Umgebung des Plöckensteins und auf den Hochebenen des Böhmerwaldes kommt der im vergangenen Jahrhundert fast ausgerottete Böhmische Enzian vor. Auf der bayerischen Seite ist diese Art praktisch ausgestorben. Zu etlichen Arten gab es auch Informationen über ihre medizinale Anwendung, wie beispielsweise beim Arnika, der aber auch durch Agrarwirtschaft und Stickstoffeinträge aus der Luft stark im Rückgang begriffen ist. Danach widmete man sich den weichen Wiesen und den Talpflanzen. Interessant war, dass die sibirische Schwertlilie, die sehr häufig im Moldautal vorkommt auch eine Albino – Variante mit weißen Blüten aufweisen kann. Genetisch sind aber beide identisch. Danach wurden die Uferbestände mit der Österreichischen Gemswurz näher beleuchtet. Interessante Informationen gab es auch zum blauen Eisenhut, der im Volksmund auch Wolfsgift heißt. Er zählt zu den giftigsten Pflanzen in Europa und kann die gleiche Wirkung entfalten wie das Pfeilgift der Indianer, das Kurare. Wenige Gramm aus dem Wurzelbereich oder wenige Milligramm des Alkaloides können zu einem schnellen Herzstillstand und zu einem sehr schnellen Tod führen. Die Slawen hatten früher Füchse und Wölfe damit vergiftet. Deswegen entstand auch der Name Wolfsgift für den blauen Eisenhut. Nach den Arten der Talauen wurden die Filze und Moorgebiete, also die sehr typischen Standorte des Böhmerwaldes näher vorgestellt. Vom scheidigen Wollgras über die Alpenhaarsimse bis hin zur Rosmarinheide und zur Moosbeere reichten die Fotos. Die Moorheidelbeere oder sogenannte Rauschbeere wird manchmal mit den Heidelbeeren verwechselt. Die Rauschbeere hat aber hellere Blätter. Größere Mengen der Beeren rufen mäßige Vergiftungen hervor, die die gleichen Symptome wie beim Trinken von Alkohol haben. Es wird die Funktion der Augen und der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt. Die mäßigen Vergiftungen kommen aber nicht jedes Mal vor. Die Pflanzen wurden schon oft untersucht, bis heute weiß man aber nicht, welcher Stoff die Vergiftungen verursacht. Bekannt ist nur, dass eine Pilzart, die in Symbiose mit der Pflanze bzw. mit der Beere lebt im Herbst nach den ersten Frösten die Pflanze befällt und die Wirkung auslöst. Eine Besonderheit der Moore sind auch die fleischfressenden Pflanzen wie zum Beispiel der Rundblättrige oder der sehr viel seltenere, Langblättrige Sonnentau. Auf gestörten Oberflächen kommt auch das Fettkraut vor, das ähnlich wie der Sonnentau Insekten verdauen kann. Früher wurde auch dieses als Heilkraut gepflückt und in die Milch gegebenen, um daraus Quark werden zu lassen. Nach diesem bunten Mosaik von Böhmerwaldpflanzen, die vielfach sehr große Raritäten darstellen, schloss Zuzanna Maskova ihren Vortrag. Vladimir Mares von der Nationalparkverwaltung Sumava hatte passend zum Weltfrauentag und zur Botanik eine Blume beschafft und der Referentin mit entsprechendem Dank übergeben. Daraufhin schloss Beildungsreferent Hartwig Löfflmann die Veranstaltung und lud zu den weiteren Vorträgen und Eröffnungen im Bayerisch – Böhmischen Informationszentrum für National- und Naturparke ein.