Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. bot auch in diesem Jahr die „Woche der Erdgeschichte“ mit Exkursionen, einem Vortrag und einer Ausstellung an. Ziel der Exkursionen am „Tag des Geotops“ war das einmalige Phänomen Pfahl. Der Bayerische Pfahl durchquert als uralter Riss das Grundgebirge des Bayerischen Waldes. Die nahezu 150 km lange, bundesweit einmalige Bruchlinie wurde in diesem Jahr in die Liste der 77 schönsten Geotope Deutschlands aufgenommen. Dieser mit Quarz- und Schiefergestein gefüllte Riss im Gebirgsgrund zeigt sich im Bayerischen Wald mit vielerlei Gesichtern: Spektakulär sind seine hoch aufragenden, weiß schimmernden Quarzriffe wie in Viechtach und Regen oder die dunklen, braungrünen Pfahlschiefertürme wie in der Wildbachklamm „Buchberger Leite“ zwischen Freyung und Ringelai. Die Exkursionen im Naturschutzgebiet „Großer Pfahl“ bei Viechtach und in der „Buchberger Leite“ bei Freyung waren gut besucht. Vor-Ort konnten sich Naturliebhaber über diese beeindruckenden Naturdenkmäler informieren und den besonderen Reiz der herbstlichen Wanderzeit erleben.

In der Viechtacher Pfahl-Infostelle hielt Diplom Mineraloge Thomas Sperling einen bildreichen Vortrag über heimische Gesteine und Mineralien. Nach dem Motto „Wenn Steine Reden könnten“ ging der Referent auf die Entstehung der Urgesteine Granit und Gneis ein. Gneise sind u.a. aus bis zu einer Milliarde Jahre alten Meeresablagerungen entstanden. Augenfällig ist ihr gebändertes Aussehen. Die wesentlich jüngeren ca. 300 Millionen Jahre alten Granite sind ehemals glutflüssige Gesteinsschmelzen, die in dieses „Gneisdach“ des Urgebirges eindrangen und weit unter der Erdoberfläche erstarrten. „Der Bayerische Wald war in früheren Zeiten ein Hochgebirge vergleichbar den Alpen“ – erklärte Referent Thomas Sperling. Durch Verwitterung und Abtragung kam nicht nur das Tiefengestein Granit an die Erdoberfläche. Der „Zahn der Zeit“ trugt kilometerdicke Gesteinspartien ab. Auf diese Weise formte sich die heutige Mittelgebirgslandschaft im Bayerischen Wald.
„Feldspat, Quarz und Glimmer – die drei, vergess´ ich nimmer“. In der naturkundlichen Volksweisheit werden die typischen Mineralien der Granite und Gneise beschrieben. In der bewegten Erdgeschichte des Waldgebirges sind noch eine Vielzahl weiterer Mineralien entstanden – wie der rosa schimmernde Rosenquarz, der schwarze Rauchquarz oder der violette Amethyst. Diese sind in der im Anschluss an den Vortrag eröffneten Ausstellung „Gesteine und Mineralien im Bayerischen Wald“ zu sehen. Die Mineraliensammler Michael Haimerl und Josef Penzkofer vom Mineralogischen Kreis Bayerischer Wald e.V. stellen hier ca. 80 Ausstellungsstücke aus.

In der Pfahl-Infostelle im Alten Rathaus am Viechtacher Stadtplatz ist diese Ausstellung bis August nächsten Jahres zu besichtigen. Daneben lädt die Dauerausstellung „Der Pfahl im Bayerischen Wald“ zum Informieren und Erkunden ein.

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