Über 50 Interessierte konnten Elke Ohland vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. und Caroline Stautner vom Naturpark Oberer Bayerischer Wald e.V. gemeinsam mit dem Naturkundlichen Kreis Bayer. Wald zur geologischen Sonderveranstaltung am Großen Arber begrüßen. Unter dem Titel "Der Arber, Zeuge der Eiszeit" vermittelte der Referent Fritz Pfaffl einen interessanten Blick zurück in längst vergangene Zeiten. Zu Beginn stellte Fritz Pfaffl klar, dass die Eiszeitforschung keine genauen Aussagen ermöglicht, man also auf Mutmaßungen angewiesen ist. Die Eiszeitforschung sei, wie nach dem Ende eines Theaterstückes auf die Bühne zu kommen und aus den zurückgelassenen Requisiten das Stück nachvollziehen zu wollen. "Es kann so sein, muss aber nicht". Dass es auf dem Arber zu Gletscherbildungen gekommen ist, ist aber unbestritten. Vermutlich war die letzte Eiszeit ( Ende vor ca. 10.000 Jahren), die Würm - Eiszeit, verantwortlich für das heutige Aussehen des Arbers. Gerade ebene Gipfelrücken wie das Arberplateau waren Nährgebiete für Gletscher. Dort sorgten schneereiche Westwinde im Windschatten der hohen Berggipfel für außerordentliche Schneehöhen. Ab einer Höhe von ca. 1300 m konnte der gefallene Schnee (z.T. mehrere 100 m mächtig) zu Firnschnee und dann zu Firneis gepresst werden. Eine Neigung von etwa 20° brachte das Eis in Form eines Gletschers zum Fließen. Durch die Kraft der Gletscher wurden auch die Becken der drei Arberseen in den harten Gneis geschliffen. Der Kleine Arbersee, der Große Arbersee und der See am "Bänkel". Dieser letzte Arbersee ist mittlerweile nur noch als ebene, baumfreie Fläche zu erkennen und wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt. Auch Pflanzen- und Tierarten, die am Arber vorkommen deuten auf die eisige Vergangenheit hin. Beispiele dafür sind die dreispaltige "Gamsbart" - Binse, der Rollfarn oder das Felsstraußgras, die unter den heutigen Klimabedingungen nur mehr auf "frostigen" Kälteinseln, wie der Arber eine ist, konkurrenzfähig sind. Dass sich auch seltene Vogelarten wie der Bergpieper am Arber wohlfühlen konnte die Gruppe selbst feststellen. Diese Vogelart, die im Bayerischen Wald nur am Arber brütet, hat sich mit ihrer Brutzeit an die kurze Vegetationszeit angepasst. Auch zahlreiche Flechten (134 Flechtensippen) und Moose (151 Moosarten) sind das raue Arber - Klima gewöhnt. Nach der zweistündigen Wanderung nutzten viele Teilnehmer noch die Gelegenheit, sich von den bei der Wanderung „eiszeitlich“ anmutenden Temperaturen im Arbergasthaus zu „erholen“.


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hat zusammen mit dem LBV, dem BN und dem Katholischen Kreisbildungswerk Freyung-Grafenau zu einer gemeinsamen Exkursion nach Haunstein im Gemeindegebiet von Schöfweg geladen. Der Referent Karel Kleyn führte die Gruppe auf die LBV-eigenen Flächen und auf andere extensiv genutzte Wiesen im östlichen Bereich des Brotjackelriegelgebietes. Seinen Angaben zufolge ist dieses Areal, mit einer derart hohen Dichte an extensiv genutzten Bergwiesen, mittlerweile Deutschlandweit eine Einmaligkeit. Die bisherigen Gesetze und Naturschutzprogramme sehen den Schutz von Mager- und Trockenstandorten sowie von klassischen Feuchtwiesen vor. Die früher als produktiv eingestuften Heuwiesen, die man heute mehr als „mäßig intensiv gedüngt“ einstufen würde, fallen aber durch alle Raster bei den Vorschriften. Ihr Schutz unterbleibt derzeit. Für diese blumenreichen Wiesen wird in den kommenden Jahren ein vernünftiges Konzept erforderlich sein. Das Problem wird sein, wie man die Düngeintensität kontrollieren kann. Die Pflanzenzusammensetzung dieser früher typischen Heuwiesen wurde anhand einer Fläche etwas näher untersucht. Arten wie der Frauenmantel, die Sterngrasniere, die rundblättrige Glockenblume, Arnika und Katzenpfötchen sowie einige typische Seggen - Arten kommen dort vor. Es ist aber nicht nur die Botanik interessant, sehr viele Schmetterlingsarten kommen zum Beispiel auf dem Kleinen Wiesenknopf vor oder an den verschiedenen Distelarten. Früher war das Blühen dieser Wiesen, bedingt durch den Arbeitsfortschritt beim Heuen, kein Problem. Man konnte keine allzu großen Flächen bearbeiten, so dass immer irgendwo etwas Gras stehen blieb, die Blumen und Kräuter absamen konnten und auch für Brutvögel genügend Platz blieb. Ein zentral organisierter, früher Siloschnitt heutzutage „räumt“ oft ganze Gemeindegebiet bereits im Mai innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Selbst Landwirte die nicht mitmachen wollen, haben aus wirtschaftlichen Gründen keine Chance. Ein weiteres Problem besteht darin, dass man heute seinen Viehbestand auf derartiges Heu aus Extensivwiesen ausrichten muss. Das erfordert eine gewisse Programmsicherheit bei den Förderprogrammen, weil man hier sehr langfristig denken muss. Eine Schwierigkeit besteht auch bei abgeholzten Fichtenmonokulturen, weil dort zunächst nur eine Beweidung möglich ist. Für die Beweidung sehen die Naturschutz-Förderprogramme aber derzeit eine wesentlich schlechtere finanzielle Unterstützung vor, als für Mähwiesen. Ungerecht ist, dass zum Erhalt der Almen in Oberbayern jährlich einige Millionen Euro staatlicher Fördergelder ausgegeben werden, während für den Bayerischen Wald nichts vergleichbares existiert. Gerade die extensiven Heuwiesen bieten aber auch für den Tourismus ein interessantes und abwechslungsreiches Angebot das ganze Jahr hindurch. Wenn einige Arten verblüht haben, kommen wieder andere wie zum Beispiel der Teufelsabbiß oder das Heidekraut. Außerdem ist zahlreichen Tierarten wie dem Neuntöter oder in Gewässernähe dem Fischotter und auch dem Schwarzstorch geholfen. Ein zweiter Exkursionspunkt widmete sich den früher sehr weit verbreiteten Wässerwiesen. Diese sind heute verschwunden, obwohl früher Schätzungsweise ein Drittel der Freiflächen mit dieser Art der Wiesenbewässerung bewirtschaftet wurden. Das Einleiten von Quellwasser oder auch das Ausleiten von kleinen Wiesenbächen und die sich daran anschließende Überflutung von Wiesenflächen bewirkte ein frühes ausapern des Schnees und brachte Nährstoffe auf die Fläche. Die Dünger waren früher sehr rar, mit dem Wasser konnte die Fruchtbarkeit der Wiesen deutlich gesteigert werden. Meist wurde dann nach dem ersten Schnitt das Ausbrennen durch eine oft folgende Trockenheit mit der Wiesenbewässerung abgemildert. Etwa zwei bis drei Tage vor dem Mähen wurde mit der Wiesenbewässerung aufgehört, damit es nicht zu feucht zum Bearbeiten war. An diesen Feuchtflächen hingen auch viele Nebennutzungen wie z.B. die Kräuternutzung, das holen von Brunnenkresse im Frühjahr oder aber auch die Nutzung der Froschschenkel, was heute aus Tierschutzgründen verboten ist. In den 50er und 60er Jahren des letzen Jahrhunderts wurden dann viele Wässerwiesen aufgegeben. Dies hatte mehrere Gründe. Es trat eine Umstrukturierung der Landwirtschaft ein, weil nicht mehr drei Generationen am Hof wirtschafteten. Mit den aufkommenden Traktoren konnten etliche Flächen gar nicht befahren werden, für Sensenmahd und heraustragen fehlten die Arbeitskräfte. Der allmähliche Einsatz von handelsüblichen Düngern tat sein übriges dazu. Viele Standorte hagerten aber nach dem Auflassen der Wässerwiesen aus und wurden danach als Grenzertragsböden aufgeforstet. Sehr viele Flächen wurden auch melioriert und aufgedüngt. Experten zufolge hat sich seit den 50er Jahren des letzen Jahrhunderts fast alles komplett geändert. Die Meinung, dass sich bei uns noch nicht so viel getan hat, stimmt nicht. Ein Teil der heutigen Hochwasserproblematik an den Flüssen geht aber sicherlich darauf zurück, dass das Wasser nicht mehr breit auf der Fläche verteilt wird und viele Gräben und Bäche zugeschüttet und verrohrt wurden. Die ganze Landschaft an den Flussoberläufen dient teilweise wie ein Trichter dem schnellen Wasserabfluss nach Regen- oder Gewitterereignissen. Die katastrophalen Zustände versucht man dann an den Flussunterläufen mit einem Aufschütten der Dämme und allen möglichen Hochwasserverbauungsmaßnahmen für teures Geld in den Griff zu bekommen. Hier müsste ein Umdenken wieder helfen, die Ursachen zu beseitigen und nicht an den „Symptomen zu kurieren“. Dabei muss künftig ein ressortübergreifender Dialog zwischen Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz Platz greifen, zum Nutzen für alle. Nach dieser interessanten und abwechslungsreichen Exkursion bedankte sich Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. unter der Dorflinde von Haunstein beim Referenten und bei allen Teilnehmern sowie den Feriengästen.


Der Pfahl ist eines der beeindruckendsten Naturdenkmäler im Bayerischen Wald. Wie ein Riss im Gebirgsgrund zieht er sich über nahezu 150 km vom Naabtal in der Oberpfalz bis Nahe Linz in Oberösterreich. Entlang dieser Linie wurde vor ca. 275 Millionen Jahren das Gebirgsmassiv des Bayerischen Waldes von einem einschneidenden Ereignis geprägt. Aus dem Erdinnern drangen heiße Quarzlösungen in diese Schwächezone der Erdkruste ein und bildeten den Pfahlquarz. Abtragung und Verwitterung haben diese sehr harte Gestein im Laufe der Jahrmillionen freigelegt. Als landschaftliches Wahrzeichen zeigt sich der Pfahl in den weißen Felsenriffen aus Pfahlquarz, wie sie in den Naturschutzgebieten „Großer Pfahl“ oder „Pfahl bei Weißenstein“ zu sehen sind. In der Sagenwelt wird der Pfahl als der Kamm eines Drachen beschrieben, der im Erdinneren ruht. Einige seltene Tiere und Pflanzen besiedeln diesen „Extremstandort“. Der „Ameisenlöwe“ wartet in seinem Fangtrichter am Felsenfuß auf seine Beute. Fledermäuse haben in den Felsritzen ihre Tagesquartiere. Zauneidechsen und Schlingnattern sonnen sich auf den Felsvorsprüngen. Um diese einzigartige Naturschöpfung dem Besucher näher zu bringen, bietet der Naturpark Bayerischer Wald e.V. regelmäßig naturkundliche Wanderungen in der Pfahlregion an. Von Juni bis September können Interessierte jeden Mittwoch an einem Rundgang durch das Naturschutzgebiet „Großer Pfahl“ teilnehmen. „Von Drachenkamm, Ameisenlöwe und Pfahlkiefer“ – so lautet der Titel dieser naturkundlichen Wanderung für Jung und Alt. Treffpunkt ist jeweils um 15.00 Uhr am Parkplatz „Großer Pfahl“ an der B85 – Brücke bei Viechtach. Der Rundgang dauert ca. 1,5 Stunden und ist kostenfrei. Anmeldungen bitte unter der Telefonnummer 09942-90 48 64 bis zum Vortag an.


Am Dienstag, 25.03.2003 wird Regierungspräsident Dr. Walter Zitzelsberger im Würzingerhaus in Außernzell eine neue Naturpark-Infostelle für den Landkreis Deggendorf eröffnen. Eine Zielsetzung der Bildungsarbeit im Naturpark Bayerischer Wald e.V. war, dass für jeden der vier Mitgliedslandkreise eine Anlaufstelle für Gäste und Einheimische geschaffen wird. Das Würzingerhaus in Außernzell, gegründet vom Kloster Niederalteich aus, wurde bereits um das Jahr 1000 erwähnt und hatte sich als Wirtschaftshof und Gastwirtschaft mit Metzgerei über Generationen hinweg einen Namen gemacht. Die Gemeinde hatte dann, das nach dem Zweiten Weltkrieg verkommene Anwesen im Ortskern erworben und restauriert. Mit Bürgerhaus, Dorfladen, Gaststätte, Gemeindebücherei und Gemeindeverwaltung war ein neuer Dorfmittelpunkt entstanden. Im Dachgeschoss des Würzingerhauses wird nun eine Naturpark-Infostelle eröffnet. Die Ausstellung zum Kulturlandschaftserhalt, die mit dem Bau des neuen Naturpark-Informationshauses nun frei geworden war, wird präsentiert. Sie wurde erweitert, um das Thema Forchenhügel und um die Aufgabenschwerpunkte bei Außernzell. Der Forchenhügel bei Außernzell stellt eine naturräumliche Besonderheit dar. Rund um Außernzell gibt es aufgrund der geologischen Ausgangsvoraussetzungen relativ arme Kiefern-Wälder mit einer besonderen Tier- und Pflanzenausstattung. Die Artenzusammensetzung ist anders als im übrigen Bayerischen Wald üblich. Das Aufgabenspektrum von Naturparken kennt heute vier große Aufgabenbereiche: 1. Erholung und Besucherlenkung 2. Naturschutz und Landschaftspflege 3. Bildungsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit 4. Unterstützung der regionalen Entwicklung Mit der Naturpark-Infostelle können wesentliche Teile dieses Aufgabenspektrums abgedeckt werden. Neben der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Schutz dieser einmaligen Landschaft kann auch die Regionalentwicklung in Außernzell unterstützt werden. Außerdem stellt die Infostelle eine touristische Attraktion für den „Sonnenwaldbereich“ rund um den Brotjacklriegel dar. Durch die Kombination mit der Gaststätte sind auch regelmäßige Abendöffnungszeiten gewährleistet. Die Naturpark-Infostelle Würzingerhaus ist die einzige Infostelle im Naturparkgebiet, die von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils von 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr, also zehn Stunden am Tag geöffnet sein wird. Danach bleibt immer noch die Möglichkeit zur Einkehr in der historischen Gastwirtschaft. Der Eröffnungsabend am 25. März ist nur für geladene Gäste reserviert, ab dem 26. März ist dann für die Allgemeinbevölkerung geöffnet, der Eintritt ist frei. Der Ausstellungsraum im historischen Gebäude kann künftig auch für Veranstaltungen, Vorträge, kulturelle Veranstaltungen usw. genutzt werden, da er mit einer speziellen Heizung auch in der kalten Jahreszeit auf „Kirchentemperatur“ gebracht werden kann.


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2003 bietet der Naturpark Bayer. Wald e.V. zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz, dem Bund Naturschutz und dem Katholischen Kreisbildungswerk eine Botanik - Exkursion in der Gemeinde Schöfweg im Landkreis Freyung-Grafenau an. Treffpunkt ist am Sonntag, 15.06.2003 um 14:00 Uhr an der Linde in der Ortsmitte von Haunstein. Von dort weg geht es zu Fuß weiter. Karel Kleyn wird die Exkursion leiten. Auf den Wiesen findet man eine reiche Blumenflora und verschiedene Orchideen. Es kommen Zahlreiche Schmetterlings- und Insektenarten vor. Geplant sind noch größere Wiedervernässungen und das Offenlegen einer Fläche durch Rodung von etwa zwei Hektar Aufforstungen. Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt und dauert etwa zwei Stunden. Wetterfeste Kleidung und gutes, wasserfestes Schuhwerk sind erforderlich. Anmeldung ist nicht notwendig. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.


Mit einer wald- und vogelkundlichen Abendwanderung im Schlosspark von Mitterfels hatte der Naturpark Bayerischer Wald e.V. den von Europarc Federation ausgerufenen Tag der europäischen Parke begangen. Der Tag der europäischen Parke wird alljährlich von allen Großschutzgebieten in 35 Ländern Europas in Erinnerung an die Gründung der ersten neun europäischen Nationalparke im Jahr 1909 in Schweden gefeiert. Der Referent Peter Zach referierte dabei auch im Rahmen der forstlichen Öffentlichkeitsarbeit der Bayerischen Staatsforstverwaltung und des Forstamtes Mitterfels über Zusammenhänge in naturnahen Wäldern und speziell über die Ornithologie. In naturnahen Wäldern kann ein bemessener Anteil Totholz erhalten bleiben. Damit stehen vielen höhlenbrütenden Vogelarten Nist- und Versteckmöglichkeiten zur Verfügung. Für das Belassen von Höhlenbäumen gibt es in Privatwäldern auch Fördermöglichkeiten. Der oft vorkommende Efeubewuchs an Bäumen schadet den Bäumen nicht. Dagegen dienen die weißen Beeren genauso wie zum Beispiel Misteln- oder Liguster-Beeren den Vögeln als Winternahrung. Interessant ist der Orientierungsmechanismus von Zugvögeln. Es gibt Arten, wie das Rotkehlchen, das sich am Magnetfeld der Erde, mittels eines sogenannten Magnetkompasses orientiert. Viele Tagzieher, wie beispielsweise der Star, nutzen den Sonnenkompass. Andere Arten dagegen nutzen den Sternenhimmel und die Stellung des Mondes. Diese unterschiedlichen Fernnavigationssysteme sind angeboren. Bei der Orientierung vor Ort ist dann die Erinnerung wichtig. Es können beispielsweise bei den Schwalben sogar die gleichen Stallungen wieder aufgefunden werden. Vielfach orientieren sich die Tiere auch noch an Gerüchen. Die Rauchschwalbe ist stark im Abnehmen begriffen, da sie von aktiver Landwirtschaft abhängig ist. Auch die Mehlschwalbe ist stark im Rückgang begriffen. Leider werden viele Nester heute vom Menschen nicht mehr geduldet. Teilweise mit fadenscheinigen Ausreden, wie z.B. wegen des „Drecks über dem Eingang oder des Störens von Balkonblumen“. Das Verhalten der Menschen steht hier oft im Widerspruch. Im Winter werden Vögel gefüttert, weil man ihnen helfen will, gleichzeitig entzieht man ihnen aber teilweise aus Unkenntnis, den Lebensraum. Auffällig ist, dass manche Zugvögel heute bereits zehn Tage früher bei uns eintreffen als noch vor 30 Jahren. Ein Langzeitmonitoring über 30 Jahre deutet hier auf eine Klimaveränderung mit Trend zum Wärmerwerden hin. Viele Kurzstreckenzieher die nur bis zum Bodensee oder nach Südfrankreich ausweichen, kehren früher zurück. Einige versuchen sogar hier zu überwintern. Die Mönchsgrasmücke kommt bei uns in Laubmischwäldern vor, kann aber in reinen Fichtenmonokulturen nicht überleben. Dagegen sind andere Arten wie Tannenmeise oder Haubenmeise auf Nadelwälder spezialisiert. Die Mönchsgrasmücke ist bei uns nicht bedroht. Eine besondere Verantwortung kommt aber auf Deutschland zu, da der Bestand auf Zentraleuropa beschränkt ist. Wir sind also für das Hauptvorkommen verantwortlich, genauso wie bei den Baumarten bei der Buche. Viele Insekten- und Vogelarten sind an Buchenbestände gewöhnt und angepasst. Selbst mit dem Sturz eines großen Baumriesen sind Komplexe ökologische Zusammenhänge verbunden. Es entstehen nicht nur Nist- und Brutmöglichkeiten, sondern in der Lücke entsteht auch Bodenflora, die eine eigene Insektenwelt nach sich zieht. Wer sich mit Vogelstimmen und Vogelgesang befassen will, muss früh aufstehen. Denn Vögel grenzen am Morgen nach dem Aufwachen mit dem Gesang ihr Revier ab. Das Gleiche geschieht abends vor der Nachtruhe. Die Revierabgrenzung erfolgt hauptsächlich über die Männchen. Mit dem Gesang werden darüber hinaus Weibchen angelockt oder das Brutgeschäft synchronisiert. Relativ verlässlich ist zum Beispiel auch der Regenruf beim Buchfinken. Er kündigt relativ zuverlässig das Wetter in den Folgetagen an. In Mastjahren der Buche kann man sehr oft auch die finnischen Bergfinken beobachten, die zu Hunderttausenden in großen Buchenbeständen überwintern und die Bucheckern als Nahrung nutzen. Bei den Vögeln sind die Weibchen eher unscheinbar gefärbt. Mit der besseren Tarnung ist ein Schutz beim Brutgeschäft verbunden. Nisthilfen sollte man einmal im Herbst reinigen, sie sollten aber stets nur als künstliche Hilfsmittel der Menschen gesehen werdeb. Während des Brutgeschäftes darf man nicht in die Nisthilfen schauen. Generell gilt, dass man der Natur mehr Freiraum lassen muss, sie ist über Jahrtausende hinweg ohne den Menschen zurechtgekommen. Der Rückweg der Exkursion ging am Perlbach entlang. Dort in dem schnellfließenden sauerstoffreichen Wasser kann auch die Gebirgsstelze vorkommen, auch die Wasseramsel kann man beobachten. Derzeit läuft bayernweit in den Staatswäldern ein Langzeit – Vogel - Monitoring. Auf zwei Kilometer langen Strecken wird seit etwa fünf Jahren alle hundert Meter in gleichen Abständen nach einer standardisierten Methode das Vorkommen von verschiedenen Vogelarten erfasst. Eventuelle Veränderungen können so festgestellt werden. Sicher ist, dass eine naturnahe Wirtschaft mit entsprechendem Strukturreichtum nie durch künstliche Nisthilfen ersetzt werden kann. Jeder ist dazu aufgerufen seinen Beitrag notfalls auch im eigenen, naturnahen Garten zu leisten. Am Schloss angekommen, dankte dann Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. den Teilnehmern und vor allem dem Referenten und lud zu den weiteren Bildungsveranstaltungen des Naturparks im laufenden Jahr ein.


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2003 bietet der Naturpark Bayer. Wald e.V. eine wald- und vogelkundliche Abendwanderung im Schlosspark Mitterfels im Landkreis Straubing – Bogen an. Treffpunkt ist am Freitag, 23.05.2003 um 19:30 Uhr vor dem Rathaus Mitterfels im Schloss. Referent ist Peter Zach von der Forstdienststelle Konzell. Auf einem kleinen Rundweg durch die relativ naturnahen Waldbereiche im Schlosspark gibt es Erläuterungen zur Vogelwelt aber auch zum Ökosystem Wald. Die Veranstaltung findet auch anlässlich des Europäischen Tags der Parke statt. Im Rahmen dieser europaweit begangenen Aktivität von Naturparken, Biosphärenreservaten und Nationalparken wird an die Gründung der ersten neun europäischen Nationalparke am 24.05.1909 in Schweden erinnert. Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt und dauert etwa zwei Stunden. Wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk sind erforderlich. Anmeldung ist nicht notwendig. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Bitte Fernglas mitbringen.


Zur gemeinsamen Exkursion von Naturpark Bayerischer Wald e.V. und Landschaftspflegeverband Straubing-Bogen konnte Bildungsreferent Hartwig Löfflmann neben dem Referenten Heribert Kemmer vom Landschaftspflegeverband eine Reihe botanisch interessierter Teilnehmer begrüßen. Die Exkursion führte von der Donaufähre in Mariaposching aus den Donaudamm entlang aufwärts. In der Donauaue gibt es nicht nur feuchte Standorte, sondern stets auch trockene. Früher waren diese an den Sand- und Kiesbänken gegeben. Heute findet man sie eher am Donaudamm selbst. Damit zählen die Dämme zu den Ersatzlebensräumen. Bedingt durch die große Trockenheit im Frühjahr war das Pflanzen- und Gräserwachstum heuer sehr stark begrenzt. Die Donau fließt im Bereich von Mariaposching noch relativ frei, auch wenn über Jahrhunderte dort die Menschen gesiedelt hatten und den Fluss entsprechend verändert hatten. Heribert Kemmer erläuterte die Pflanzenarten der Wirtschaftswiesen genauso, wie die speziellen Besonderheiten zum Beispiel den Doldigen Milchstern. Dieser stellte ein „highlight“ dieser Exkursion dar. Er ist für Bayern Rote-Liste-Art. Für die Teilnehmer war es interessant zu hören, dass die gelbe Blume, die jeder als „Löwenzahn“ kennt eigentlich „Kuhblume“ heißt, die Verwirrung aber eigentlich erst durch die deutschen Pflanzennamen entsteht, die stark regional geprägt sind. Wirklich eindeutigen Aufschluss über Pflanzenarten gibt die exakte wissenschaftliche Bezeichnung im Lateinischen. Höhepunkt der Exkursion war das Erreichen des Inselbereiches. Dort kann man den Aufbau einer Auenlandschaft noch am ehesten nachvollziehen. Unmittelbar an die Gewässerbereiche schließen sich die Strauchweidengebüsche an. Die typischen Weidenarten dort sind Mandelweiden, Bruchweiden und Korbweiden. Danach folgt die Weichholzaue mit den verschiedenen Pappelarten, zum Beispiel der Silberpappel und mit Silberweiden. Die Hartholzaue, die überwiegend aus Eschen, Eichen und Edellaubholzarten besteht, ist an der Donau durch die Landwirtschaft bis auf wenige Relikte zurückgedrängt worden. Eine große Besonderheit stellen die Schlammlingsfluren in den Wechselwasserbereichen dar. Mit einem Staustufenbau würden diese teilweise überfluteten, teilweise frei zugänglichen Uferbereiche ganz verschwinden. Dort leben Pflanzen wie Schlammlinge und Wasserkressen, die innerhalb kürzester Zeit sich entwickeln können. Die Samen sind sehr lange keimungsfähig bis ein niedrig Wasserstand vorliegt. Interessante Lebensräume sind auch die Kiesbänke an die sich landwärts wieder Strauchweidensäume anschließen. Eine Besonderheit für die Donauauen ist auch die Kratzbeere. Während die verwandte Art, die Brombeere bekannt ist, kennt man die Kratzbeere an dem grau überzogenen Stängel.


Der Naturpark Bayer. Wald e.V. startete für alle Interessierten eine ornithologische Wanderung in die Isarauen. Referent war Frater Ludwig Schwingenschlögl von der Abtei Niederaltaich, der seit 26 Jahren ein guter Kenner der dortigen Verhältnisse ist. Bekannt sind die Isarauen im Isarmündungsgebiet durch reichhaltige Vorkommen von Pflanzen- und Tierarten, vor allem aber durch das Vorkommen verschiedenster Vogelarten. Von der Bundesrepublik Deutschland wurden der Bereich als "Gebiet von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung" gefördert. Innerhalb kurzer Zeit konnte man an die dreißig Vogelarten sehen und hören. Ein heller Silberreiher zog im Flug seine Kreise. Immer wieder beeindruckend ist der nur etwa 9 Gramm schwere Zaunkönig mit seiner sehr lauten Stimme beim Gesang. Einen "Gehörtest" für Ornithologen, so Frater Ludwig, liefern immer wieder Winter und Sommergoldhähnchen, die mit ihrer extrem leisen Stimme das Klangspektrum abrunden. Der auffällig gelb- und bunt gefärbte Pirol lässt sich aber in den meisten Fällen nicht sehen. Man konnte ihn auch diesmal nur hören. Sonnenstrahlen, die sich auf einem Blätterdach leicht spiegeln, verschaffen ihm trotz seiner auffälligen Färbung die perfekte Tarnung im Unterholz. Hören konnte man auch den Halsbandschnäpper. Er ist mit einer größeren Population in den Isarauen vertreten. Der LBV hat extra für ihn Nisthilfen aufgehängt. Die große Besonderheit besteht darin, dass man die Öffnungen bis etwa Anfang Mai zumachen muss, bis er zurückkehrt, damit nicht von anderen „Allerweltsarten“ die Brutmöglichkeiten bei seiner Ankunft schon besetzt sind. Eine Reihe von anderen Akteuren, wie z.B. Graugänse im Überflug, das Nest eines Höckerschwanes, Gänsesäger beim Tauchen oder fünf Graureiher beim Fischen auf einer Kiesbank rundeten das Bild ab. Häufig zu hören war auch der Teichrohrsänger. Ein großes Problem dagegen ergibt sich für den Drosselrohrsänger, der nicht mehr vorkommt. Bedingt durch die Eutrophierung der Gewässer ist das Schilf zu schwach und zu wenig tragfähig. Der relativ große Drosselrohrsänger kann dort nicht mehr leben. Problem hat auch der Brachvogel durch den Grünlandumbruch mit Intensivierung der Landwirtschaft. Die früher sehr häufige Feldlerche ist über diesen grünen Talauen mittlerweile auch sehr selten geworden. Trotz vieler Anstrengungen in den letzten Jahren bleibt also auch in Zukunft einiges zu tun, um eine artenreiche Lebensraumgesellschaft im Donautal zu erhalten und zu stabilisieren.


Auch in diesem Jahr bieten die beiden Naturparke Bayerischer Wald e.V. (Geschäftstelle Zwiesel) und Oberer Bayerischer Wald e.V. (Geschäftstelle Cham) wieder ein gemeinsames, abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm rund um den Großen Arber an. Auf insgesamt 13 Exkursionen werden unter dem Motto „Auf Spurensuche“ schwerpunktmäßig Flora und Fauna des Arbergebiets vorgestellt. So stehen. neben Exkursionen wie z.B. „Der Luchs im Arbergebiet“ und „Wo sich Eidechsen und Schlangen wohlfühlen“ auch eine geologische Wanderung rund um den Arbergipfel und eine botanische Wanderung um den Arbersee auf dem Programm. Auch ein musikalisch-literarischer Gipfelspaziergang mit dem Titel „Landschaft draußen – Landschaft drinnen“ wird wieder angeboten. Den Auftakt in die „Arbersaison“ bildet am Sonntag, den 18.05.03 eine vogelkundliche Wanderung in die Arberseewand unter Leitung von Fritz Reiter. Treffpunkt ist um 08.00 Uhr bei den Infotafeln am Großen Arbersee. Die ca. 2 - stündige Veranstaltung endet auch wieder am See. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Bitte bringen Sie nach Möglichkeit ein Fernglas mit!