• Naturpark Bayerischer Wald : 
  • Mythos See – Mythos Berg: Das Buch der Schöpfung lesen Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer zeigte 15 Teilnehmern einer Naturpark-Exkursion, dass Naturwissenschaft und Naturmythologie sich ergänzen


Der Große Arbersee ist neben dem Arbergipfel eines der meistbesuchten Ausflugsziele im Bayerischen Wald. Daher ähnelt er während der Hauptsaison häufig mehr einem Rummelplatz als einem streng geschützten Naturschutzgebiet. Erst abends, wenn am See wieder Stille einkehrt, wird dem Spaziergänger die Schönheit des Sees wieder bewusst. Letzten Samstag Abend stellte Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald diesen „Hauch von Urzeit“, wie der Filmemacher Jürgen Eichinger diese abendliche Stimmung am Großen Arbersee einmal nannte, in den Mittelpunkt einer Führung rund um den Großen Arbersee. Dass diese mythologisch-religiös angehauchte Naturauffassung konfessionsübergreifend ist und dass sie nicht im Gegensatz zur Naturwissenschaft stehen muss, erfuhren die 15 Teilnehmer anhand von Bibelzitaten, Gedichten sowie der Rede des Häuptlings Seattles aus dem Jahre 1855 bei einem zweistündigen Rundgang um den See. Berge spielen in der Bibel eine sehr wichtige Rolle: Moses erhielt die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten auf einem Berg, auch die wohl berühmteste Rede Jesu Christi, die Bergpredigt, wurde auf einem Berg gehalten. Viele Psalmen rühmen die Schöpfung als Werk Gottes. Sie betonen aber auch, dass man in der Natur, speziell auf einem Berg Gott näher ist, wie z.B. im Psalm 121: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Naturschutz ist auch Menschenschutz. Ohne Natur kann es keine Kultur geben. Das verdeutlichte Isabelle Auer am Beispiel einer heute aktueller denn je erscheinenden Rede des Indianerhäuptlings Seattle aus dem Jahre 1855. Bereits damals ermahnte er den „Weißen Mann“: Lehrt Eure Kinder, was wir unseren Kindern lehren: Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Wenn die Menschen die Erde bespucken, bespeien sie sich selbst. Am Schluss des meditativen Rundgangs um den Großen Arbersee fasste die Arbergebietsbetreuerin zusammen: Naturkunde und Naturmeditation stehen keinesfalls im Widerspruch. Will man die Natur – auch und gerade naturwissenschaftlich – begreifen, muss nur lernen, in größeren Zeitspannen zu denken. Natürliche Prozesse laufen manchmal sehr langsam ab. Wenn sie nicht gestört werden, verlaufen sie häufig kreisförmig. Diesen ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen lässt sich z.B. am Totholz zeigen, das als Keimbett Grundlage für neues Leben darstellt. Ziel des Naturschutzes ist es speziell in Naturschutzgebieten, diesen natürlichen Kreislauf möglichst zu unterstützen. Naturschutz bedeutet für viele Naturschützer mehr als einen Beruf oder ein Hobby. Manche sehen – religiös ausgedrückt – als „Berufung“ zur Bewahrung der Schöpfung.

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