Die Führungen durch die Arberseewand zählten in den letzten Jahren zu den bestbesuchten Exkursionen des Naturparks Bayerischer Wald. Mitte Juli diesen Jahres wurde jedoch bei einer Ortsbegehung mit der Regierung von Niederbayern, der Unteren Naturschutzbehörde, dem Naturpark und dem Forstbetrieb Bodenmais beschlossen, dass der Forstbetrieb im Bereich der Seewand aus der Wegesicherungspflicht entbunden wird. Die wegen des verstärkten Borkenkäferbefalls eigentlich notwendigen Forstarbeiten können in der steil aufragenden Seewand nur unter Lebensgefahr durchgeführt werden. Sie sind somit nicht mehr zu verantworten. Für alle, die den Wandersteig durch die Seewand hinauf gehen möchten und auch für jeden Exkursionsleiter bedeutet das, dass das Begehen auf eigene Gefahr zwar erlaubt ist, dass bei Unfallen jedoch der jeweilige Wanderführer für Personenschäden verantwortlich gemacht wird. Der Naturpark Bayer. Wald e.V. hatte deshalb beschlossen, anstelle der eigentlich im Jahresprogramm für den vergangenen Sonntag festgesetzte Seewandführung auf die sichere Route, den Fernwanderweg E6, den Goldsteig, auszuweichen. Um den 27 Exkursionsteilnehmern auch auf dieser bekannteren Route Einblicke in den „geheimen Arber“ bieten zu können, hatte Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer in ihrem Rucksack „Arberschätze“ mitgebracht, die sie der Gruppe nach und nach vorstellte. Wenn man sich auf dem Goldsteig dem hinteren Teil des Großen Arbersees nähert, kann man zwei typische Seewandgeräusche deutlich wahrnehmen: Vogelgezwitscher und das Rauschen kleiner Bäche. Da im Arbergebiet das bedrohte und daher streng geschützte Auerhuhn lebt, hatte die Gebietsbetreuerin den Gipsabdruck eines Auerhuhnfußes ebenso wie den Fußabdrucks eines seiner natürlichen Fressfeinde, des Wildschweins, dabei. Anhand von mitgebrachtem Auerhahnkot zeigte sie, weswegen Wanderer sich im Winter an die Wege halten sollten, um keine Auerhühner aufzuschrecken: Auerhühner ernähren sich im Winter von Nadeln, die auch in der Losung noch deutlich zu erkennen sind. Da sie sehr nährstoffarm sind, verbrauchen Auerhühner bei plötzlichen Fluchtmanövern mehr Energie, als sie von den Nadeln erhalten können. Jede plötzliche Flucht kann deshalb tödlich sein. Aber auch von einem anderen heimlichen Bewohner des Grenzkamms, dem Luchs, wusste Isabelle Auer einiges Interessantes zu berichten. Obwohl inzwischen fast alle botanischen Besonderheiten verblüht sind, konnte die Gebietsbetreuerin anhand der am Wegesrand noch zu findenden Pflanzeneste einige Eiszeitrelikte „in natura“ zeigen. Mit Hilfe von Baumscheiben einer in Tallage gewachsener Fichte und einer Bergfichtenwald-Fichte zeigte sie, wie extrem klimatische Gegebenheiten und der Boden das Wachstum von Pflanzen bestimmen. Bäume, die im Tal gewachsen sind, besitzen um einiges breitere und häufig gleichmäßigere Jahresringe als in Hochlagen gewachsene Bäume. Da im Gebiet des Geigenbachs Klimabedingungen vorherrschen, die Bäume besonders gleichmäßig wachsen lassen, wächst hier wertvolles Klangholz. Nach zwei Stunden hatten die Exkursionsteilnehmer viel Interessantes über den „König des Bayerischen Waldes“ und seine Bewohner erfahren. Auch auf scheinbar bekannteren Routen zum Arbergipfel gibt es immer wieder Neues zu entdecken.

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