Ritterschlag für den Grenzbahnhof

Auszeichnung „Bahnhof des Jahres 2017“ wurde mit Festakt am Sonntag gefeiert

Christina Hackl 

Bayer. Eisenstein. Mit einer Anzeige in der Süddeutschen Zeitung fing 2006 alles an: Naturpark-Vorsitzender Heinrich Schmidt erfuhr beim Lesen der Annonce, dass der Grenzbahnhof in Bayerisch Eisenstein verkauft werden soll. Gemeinsam mit Geschäftsführer Hartwig Löfflmann setzte er sich dafür ein, dass der Naturpark das historische Gebäude kaufte. 7,3 Millionen Euro sind seither in den Umbau zu einem modernen Umweltbildungs- und Informationszentrum geflossen. Im Sommer hat die „Allianz pro Schiene“ dem Grenzbahnhof den Titel „Bahnhof des Jahres 2017“ verliehen. Am Sonntag wurde diese Auszeichnung im Rahmen eines Festaktes gefeiert.

Im Restaurant des Bahnhofs, einst der Wartesaal für die Reisenden der 1. Klasse, konnte Heinrich Schmidt eine ganze Reihe von Ehrengästen begrüßen, darunter Staatsminister Helmut Brunner, MdL Max Gibis, Landrat Michael Adam sowie Vertreter der „Allianz pro Schiene“ und der Deutschen Bahn. „Unser Ziel war es, dass der Grenzbahnhof in öffentlicher Hand bleibt und einen Beitrag zur Regionalentwicklung leistet“, sagte Schmidt im Rückblick auf die vergangenen Jahre.

Er dankte allen, die am Kauf und am Umbau des Gebäudes beteiligt waren. „Es war ein Gewaltakt, aber wir haben es geschafft und wir haben diesen Schritt auch nie bereut“, betonte der Naturpark-Vorsitzende. Die Auszeichnung zum schönsten Tourismus-Bahnhof des Jahres sei eine große Freude für ihn und sein Team – verbunden mit der Hoffnung, dass bald noch mehr Besucher als bisher den Grenzbahnhof ansteuern werden.

„Die Auszeichnung ‘Bahnhof des Jahres’ ist ein Ritterschlag für alle, die sich seit Jahren für die Sanierung des Grenzbahnhofes eingesetzt haben und ein Impuls für die Bemühungen, Bayern und Tschechien über die Schiene noch stärker zu verbinden“, betonte Staatsminister Helmut Brunner bei seiner Festrede.

Bayern sei Bahnland, so Brunner. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft bestelle und finanziere Verkehrsleistungen auf 6 000 Streckenkilometern, das entspreche der Strecke von Paris bis New York. Alleine die bayerischen Regionalzüge und S-Bahnen würden täglich mehr als 330 000 Kilometer zurücklegen und damit theoretisch achtmal am Tag die Erde umrunden. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn sei man auf einem guten Weg, die fast 1100 Bahnhöfe und Haltepunkte in Bayern zu modernisieren und barrierefrei auszubauen.

„Die Sanierung des Grenzbahnhofs Eisenstein ist dem Naturpark Bayerischer Wald mit seinem Vorsitzenden Heinrich Schmidt und Geschäftsführer Hartwig Löfflmann zu verdanken“, betonte Brunner und fügte hinzu: „Das war eine kluge und auch eine sehr mutige Entscheidung, die dazu geführt hat, dass der Grenzbahnhof heute ein Leuchtturm für die ganze Region ist“. Die Auszeichnung „Bahnhof des Jahres“ sei ein guter Anlass, allen, die diese Gemeinschaftsleistung ermöglicht haben, zu danken.

„Der Grenzbahnhof ist mehr als ein historisches Gebäude. Mitten durch diesen Bahnhof verlief im Kalten Krieg die Grenze zwischen Ost und West. Hier feierten am 2. Juni 1991 tausende Menschen mit Bundeskanzler Helmut Kohl den Fall des Eisernen Vorhangs und die Wiedereröffnung des grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehrs. Heute ist der Grenzbahnhof ein Symbol für das Zusammenwachsen Europas“, stellte Brunner fest. Der Bayerische Wald biete viele attraktive Reiseziele und Brunner appellierte an Einheimische und Touristen: „Nutzen Sie die Möglichkeiten der Wald bahn!“

Der Bahnhof sei nicht nur ein Sprungbrett für Ausflügler, er sei selbst zum lohnenden Ausflugsziel geworden, ergänzte Karl-Peter Naumann, Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender und Jury-Mitglied bei der Auszeichnung „Bahnhof des Jahres“. Diverse Musen im Bahnhof, eine spannende Bahnhofsallee, Gastronomie auf deutscher und tschechischer Seite – „mehr Bahnhof geht eigentlich nicht“, meinte Naumann.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Finken-Preisträger Anderl Schmid. Einige Naturpark-Mitarbeiter und Bahnfreunde waren zudem in historischen Kostümen dabei, um an das Jubiläumsjahr der Bayerischen Waldbahn zu erinnern, denn vor genau 140 Jahren wurde der Bahnbetrieb zwischen Plattling und Eisenstein aufgenommen.


Alternativen zu Benzin und Diesel

Hubert Maierhofer spricht über nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum

Viechtach. Durch den Dieselskandal sind viele Menschen verunsichert und fragen sich: Was für ein Auto kann man noch kaufen? Alternativen zum Verbrennungsmotor sind nun gefragt.

Im Rahmen des Klimanetzwerkes veranstaltete die „Umweltstation Viechtach“ des Naturparks Bayerischer Wald und der Agenda 21 Arbeitskreis „Energie und Verkehr“ dazu einen Vortragsabend mit Diplom-Ingenieur Hubert Maierhofer, tätig im Bereich Biokraftstoffe und Mobilität beim Verein C.A.R.M.E.N. im Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe in Straubing zum Thema „Nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum - Alternativen zum Verbrennungsmotor“.

Nach einer kurzen Vorstellung des Kompetenzzentrums fasste Maierhofer die Vor- und Nachteile des Verbrennungsmotors zusammen. Der Motor hat sich millionenfach bewährt, ist ausgereift und kann mit einer funktionierenden Infrastruktur überall betrieben werden. Allerdings ist er sehr komplex und von daher wartungsintensiv, macht Lärm und emittiert klimaschädliche Abgase. Maierhofer, der selbst mit Zug und einem mitgeführten Klapprad von Straubing anreiste, machte auf Alternativen aufmerksam. 50 Prozent der Bürger haben einen Weg zur Arbeit von weniger als zehn Kilometern. Die Fahrt mit dem Fahrrad schont die Umwelt, entlastet den Verkehr und ist zudem noch gesund. Elektro-Fahrräder erleichtern die Fahrt im bergigen Gelände und bei Gegenwind. Wo es möglich ist, empfiehlt er die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Als Alternativen zum Verbrennungsmotor stellte er Hybrid- und Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge sowie reine Elektroautos vor. Bei einem Hybrid-Fahrzeug ist ein Elektroantrieb mit einer relativ kleinen Batterie und einem Benzin-Verbrennungsmotor kombiniert. Bremsenergie wird in Strom gewandelt und in der Batterie gespeichert. Mit dieser Energie unterstützt der Elektromotor den Verbrennungsmotor beim Anfahren und Beschleunigen und hilft so, Sprit zu sparen. Im Stadtverkehr führt das zu Energieeinsparungen bis zu 30 Prozent, während auf Autobahnstrecken kaum Einsparung entsteht.

Ein Plug-In-Hybrid verfügt über eine größere Batterie (derzeit etwa acht kWh), die auch über eine Steckdose geladen werden kann. Mit einem Plug-In-Hybrid kann eine Strecke von etwa 50 Kilometern sogar rein elektrisch gefahren werden. Plug-In-Hybrid Fahrzeuge sind technisch sehr aufwendig. Ein Elektroauto hingegen besteht aus weniger Komponenten, ist wartungsfreundlich und verfügt über eine relativ große Batterie (meist an die 30kWh), was Reichweiten bis etwa 200 Kilometer erlaubt. Derzeitige Forschung konzentriert sich auf Batteriespeicher, um die Speicherkapazitäten zu erhöhen und um das Gewicht zu reduzieren.

Auch stellte Maierhofer die verschiedenen Ladetechniken und die Ladeinfrastruktur vor. Mit Blick auf den derzeitigen Strommix bestehend aus etwa 30 Prozent Erneuerbare Energie und 70 Prozent Atom- und Fossilstrom entlastet ein E-Auto im Vergleich zu einem sparsamen Fahrzeug mit Verbrennungsmotor nur bedingt die Umwelt. Der Anteil der Erneuerbaren Energien muss noch deutlich steigen. Optimal ist, wenn Sonnenstrom direkt aus einer PV-Anlage zu Hause oder bei der Arbeitsstelle zur Verfügung steht.

Von den Kosten her ist elektrisches Fahren derzeit noch teurer als Benzin oder Diesel, was vor allem den hohen Anschaffungskosten für E-Autos zuzuschreiben ist. Es ist aber absehbar, dass in Zukunft Elektrofahrzeuge wirtschaftlicher fahren als herkömmliche Fahrzeuge – die reinen Betriebskosten sind jetzt schon günstiger.

Wenn auch das Auto das Rückgrat der Mobilität bleiben wird, werden sich künftig Carsharing-Modelle etablieren. Ansätze zeigen sich nicht nur in den Städten sondern auch in ländlichen Bereichen, wie das E-Wald Projekt zeigt. Eine bessere Auslastung der Fahrzeuge durch Vernetzen und Teilen wird den Verkehrsfluss verbessern und das Fahren wirtschaftlicher machen. Autonomes Fahren wird der Zugang für Alle zur Mobilität werden.

Mathias Rohrbacher von der Umweltstation führte nach dem Vortrag durch eine interessante Diskussion und bedankte sich bei dem Referenten für die sehr informativen Ausführungen. vbb 


Wasserwacht erkundet Naturparkwelten

Vereinsausflug zum Bahnhof des Jahres 2017

Zwiesel. Ein lohnendes Ziel, nämlich den mit dem Titel „Bahnhof des Jahres 2017“ ausgezeichneten Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein, suchten sich die Teilnehmer des Vereinsausfluges der BRK-Wasserwacht aus. Mit der Waldbahn ging es vom Bahnhof Zwiesel nach Bayerisch Eisenstein, wo die 20 Mitfahrer von Hartwig Löffelmann vom NaturparkBayerischer Wald in historischer Bahnuniform begrüßt wurden.

Bei der Führung durch die Naturparkwelten erfuhren die Teilnehmer auf fünf verschiedenen Ausstellungsebenen, informativ und eindrucksvoll veranschaulicht, viel Wissenswertes über den König des Bayerischen Waldes, den Arber, die Fledermaus, den Eisenbahnbau und den Skisport.

Besonders beeindruckt waren die Wasserwachtler von der Sonderausstellung „Kalter Krieg“, wo man umfassende Informationen sowohl zu den weltweiten als auch zu den lokalen Entwicklungen in der Zeit des Eisernen Vorhangs erhielt. Manch einem wurde da erst bewusst, welch umfangreiche Grenzsicherungsmaßnahmen jenseits der Grenze installiert waren und wie viel militärisches Potenzial entlang des damaligen Eisernen Vorhangs von unseren Nachbarn vorgehalten wurde.

Im Obergeschoss des frisch renovierten Bahnhofsgebäudes informierten sich die Teilnehmer über die Geschichte des Skilaufs und im Kellergewölbe erhielten alle einen Einblick in das interessante Leben der Fledermaus. Natürlich testete so manch einer auch den Simulator für Skiabfahrten und so mancher Sturz wäre in der Natur sicher nicht so glimpflich verlaufen.

Zum Abschluss der Führung durfte ein Gang durch die im Dachgeschoss im Aufbau begriffene Modelleisenbahn nicht fehlen Hier konnte man man auch den Grenzbahnhof in Miniatur bewundern.

Nach der Führung zeigten sich die Wasserwachtler beeindruckt von der Vielfalt des Naturparks. Vorsitzender Michael Urmann lobte insbesondere „die gelungene Renovierung des historischen Bahnhofgebäudes und die sehenswerten Einrichtungen in diesen Räumlichkeiten direkt vor unserer Haustür“.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Wirtshaus im historischen Wartesaal erkundete man noch das Lokalbahnmuseum, ehe es am späten Nachmittag mit der Waldbahn zurück nach Zwiesel ging. scj 


Wasserwelten: 1. Preis für die Mittelschule

Fotowettbewerb der Umweltstation Viechtach – Naturpark-Vorsitzender Schmidt lobt Engagement der Jugendlichen

Viechtach. Zwei Klassen der Mittelschule Viechtach haben letztes Schuljahr an dem Fotowettbewerb „Wasserwelten im Regental“ teilgenommen. Die Umweltstation Viechtach des Naturparks Bayerischer Wald hatte die Fotorallye veranstaltet. Die vielen Bilder sind jetzt ausgewertet. Der erste Preis geht an zwei Klassen der Mittelschule Viechtach.

Die Schüler können sich über einen freien Eintritt in die NaturparkWelten im Grenzbahnhof Eisenstein mit Verzehrgutschein im historischen Bahnhofsrestaurant freuen. Heinrich Schmidt, Vorsitzender des Naturparkvereins und Leiter der Umweltstation Viechtach, bedankte sich bei den Referenten, Schülern und Lehrern für ihr Engagement und die gute Zusammenarbeit mit der Mittelschule Viechtach: „Schüler für die heimische Natur zu begeistern und die wunderschöne Bahnstrecke im Regental näher kennenzulernen, sind wichtige Ziele dieses Fotowettbewerbs.“ Zahlreiche faszinierende Bilder entstanden bei dieser Fotorallye im Regental, die bereits im Sommer stattfand. Einen ersten Eindruck des wildromantischen Flusstals zeigte sich den Schülern bei der Zugfahrt entlang einer der schönsten Bahnstrecken Bayerns. Nahe dem Bahnhaltepunkt Gumpenried fanden sich einige landschaftlich sehr reizvolle Stellen, die den Schülern beste Fotomotive boten. Die Fotorallye führte zu Wasserstrudeln, Felsen und Schluchtwäldern. Auf der Suche nach den besten Schnappschüssen wanderten die Schüler unter fachkundiger Anleitung mit dem Fotographen Klaus-Dieter Neumann und der Naturführerin Dorothea Haas.

Neben Tiermotiven wie Fröschen, Libellen oder Schmetterlingen wurden Felsen, Bäume und Blumen fotografiert. Faszinierende Bilder der Natur und Landschaft am Wasser sind das Resultat. „Die vielen tollen Bilder können auch zukünftig in Ausstellungen oder Flyern über das Regental einfließen“, freut sich Matthias Rohrbacher, Mitarbeiter der Umweltstation, der die Idee zu diesem Fotowettbewerb hatte. ro 


140 Jahre Grenzbahnhof

Auszeichnung „Bahnhof des Jahres 2017“ wird überreicht

Bayer. Eisenstein. Vor 140 Jahren, im November 1877, erreichte der erste Zug aus Plattling den Grenzbahnhof Eisenstein. An dieses Ereignis möchte der Naturpark Bayerischer Wald am Sonntag, 15. Oktober, mit Feierlichkeiten erinnern.

Zunächst gibt es um 11 Uhr einen Festakt für geladene Gäste. Der Grenzbahnhof wurde von der „Allianz pro Schiene“ in der Kategorie Tourismus als „Bahnhof des Jahres 2017“ aus 5400 Stationen bundesweit ausgezeichnet. Im Beisein von Staatsminister Helmut Brunner und der Jury wird nach dem Festakt eine am Bahnhof angebrachte Messingtafel enthüllt.

Im Bahnhof wird das gebührend gefeiert, für alle Besucher gibt es ermäßigten Eintritt in die NaturparkWelten von 9.30 bis 16.30 Uhr. Um 14 Uhr gibt es eine Sonderführung von Hartwig Löfflmann, die auch auf die historische Bahnhofsnutzung näher eingeht und um 15.30 Uhr einen Vortrag des Eisenbahnhistorikers Bernhard Hager zur Geschichte des Grenzbahnhofes.

Auch für musikalische Umrahmung ist gesorgt. Es spielt der Gewinner des Zwieseler Jugendfinks, Andreas Schmid. Die Anreise zur Veranstaltung ist aus Richtung Plattling bequem mit der Waldbahn möglich. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Die NaturparkWelten sind im Oktober und bis einschließlich der Herbstferien am 5. November noch täglich geöffnet.löf 


Ökolandbau – Was ist das?

Vortrag im Naturpark-Informationshaus

Zwiesel. „Ökolandbau – Was ist das?“, so ist der Vortrag betitelt, der am Donnerstag, 12. Oktober, im Rahmen des Naturpark-Bildungsprogramms im Naturpark-Informationshaus an der B 11, Abfahrt Zwiesel-Süd stattfindet. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Referent ist Thomas Lehner, Ökolandbauberater des Amtes für Landwirtschaft und Ernährung in Deggendorf. Es geht vorrangig um um Strukturen, Haltungsbedingungen und Verfahrensvergleiche. Die Zielgruppe sind Rinder- und Milchviehhalter, aber auch interessierte Verbraucher. Bei dem bebilderten Vortrag wird es auch eine Verkostung geben, und zwar Butterbrezen; dabei stammt die Butter einmal aus dem Billigpreissegment, einmal aus dem Hochpreissegment und einmal aus Bioerzeugung. Lehner stellt dazu die Frage, ob eine Zuordnung möglich ist.

Ziel der Veranstaltung ist es, dass sich Erzeuger mit der Frage der Umstellung ihrer Landwirtschaft hin zum ökologischen Landbau beschäftigen. Bei Verbrauchern soll das Bewusstsein geschärft werden, dass man mit qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln aus der Region sich und der Umwelt etwas Gutes tun kann. Der Eintritt ist frei.löf 


Wandern von Fall zu Fall

Bodenmais. Eine Wanderung von Fall zu Fall, so lautet das Thema der nächsten Exkursion im Arbergebiet am Sonntag, 8. Oktober. Unter Leitung des Gebietsbetreuers für die Arberregion, Johannes Matt vom Naturpark, werden die beiden höchsten Wasserfälle des Bayerischen Waldes – das Naturschutzgebiet Rissloch und das Naturdenkmal Hochfall bei Bodenmais – erkundet. Auf einer etwa fünfstündigen Wanderung wird von der Risslochschlucht über die Schweiklruhe und der Hofstelle „Steigenfels“ zum Hochfall gewandert.

Am Sonntag ist Treffpunkt um 10 Uhr am Wanderparkplatz Rissloch in Bodenmais. Eine Einkehrmöglichkeit besteht nicht. Die Führung wird gemeinsam mit der Touristinfo Bodenmais veranstaltet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.bb 


Der Bayerische Pfahl als Nationales Geotop

Freude beim Naturpark über die deutschlandweite Würdigung der Bedeutung des Pfahls

Viechtach. Der Bayerische Pfahl mit seinen weißen Quarzriffen und dunklen Schieferfelsen ist seit jeher eines der bekanntesten Naturdenkmäler Ostbayerns. Wie berichtet, wurde in diesem Jahr die Auszeichnung „Nationales Geotop“ für den Bayerischen Pfahl wieder für weitere fünf Jahre verlängert.

Die Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien in Hannover zeichnete die 77 schönsten und interessantesten Geotope Deutschlands aus. Geotope sind beispielsweise bizarre Felsen, geheimnisvolle Höhlen oder Fundstellen seltener Mineralien. Diese „Meisterwerke der Erde“ sind herausragende erdgeschichtliche Naturdenkmäler. Heinrich Schmidt, der Vorsitzende des Naturparks Bayerischer Wald, freut sich über die wieder verlängerte Auszeichnung: „Damit wird die überregionale Bedeutung des Pfahls als Wahrzeichen für Viechtach gewürdigt und darüber hinaus nicht nur ein touristischer Werbeeffekt erzielt, sondern es ist auch ein Ansporn für weitere Projekte.“

Der Naturpark hat gemeinsam mit den Kommunen und Landkreisen in den letzten Jahren viele Projekte in der Pfahlregion umgesetzt: Lehrpfade wurden in Viechtach, Regen und Freyung angelegt, eine Pfahl-Infostelle mit Dauerausstellung konzipiert, Flächen in den Naturschutzgebieten auch mit Fördermitteln der Ländlichen Entwicklung erworben und viele Felsen freigestellt. Aktuell wird vor allem die laufende Pflege – wie Mahden und Entbuschungen der Felsen und Heiden am Pfahl – organisiert, die sich überwiegend mit Fördermitteln des Naturparks finanzieren. „Viele Vereine und Verbände wie Bergwacht Zwiesel, Burgverein Weißenstein oder BRK Tagwerk Regen sind neben Landwirten und Forstbetrieben in der Pflege der Pfahl-Flächen aktiv“, freut sich Naturpark-Gebietsbetreuer Matthias Rohrbacher über diese Gemeinschaftsaktion.

Der Pfahl durchzieht den Bayerischen Wald auf einer Länge von nahezu 150 Kilometern vom Naabtal in der Oberpfalz bis nach Neureichenau nahe der österreichischen Grenze. Lichte Geländewälle, wilde Bachtobel oder bizarre Felsformationen prägen seinen Verlauf. Die Felsentürme sind nicht nur landschaftlich sehr reizvoll, sondern beflügeln schon lange die Fantasie der Menschen. Nach alten Sagen sind die Felsenzüge der oberirdische Kamm eines tief im Erdinneren ruhenden Drachens.

Tatsächlich ist der Pfahl ein uralter Riss im Grundgebirge des Bayerischen Waldes. Entlang dieser Bruchlinie wurde der gesamte Vordere Bayerische Wald um mehrere hundert Meter gegenüber dem Inneren Bayerischen Wald angehoben. Die Urgesteine veränderten sich dabei unter enormem Druck und hoher Temperatur und wandelten sich in eine neue Gesteinsart um. Die Bayerwaldgesteine wurden gleichsam wie zwischen Mühlsteinen in feinste Mineralkörner zerrieben, erläutert Rohrbacher. Aus grobkörnigen, hellen Gneisen und Graniten entstanden so die feinkörnigen, dunklen Pfahlschiefer.

Die Pfahlschiefer-Felsen sind besonders massiv und reizvoll in der Wildbachklamm „Buchberger Leite“ zwischen Freyung und Ringelai sowie am Pfahlfelsen am Michelbach in Neureichenau ausgeprägt. Gegen Ende des Erdaltertums drangen heiße wässrige Quarzlösungen in die Spalten und Hohlräume der Bruchlinie ein und erstarrten in einer Tiefe von bis zu fünf Kilometern zum weißen Quarzgestein. Im Laufe der Jahrmillionen wurde das umliegende weichere Gestein verwittert und abgetragen. Der sehr harte Pfahlquarz widerstand bis heute dem Zahn der Zeit. Besonders eindrucksvoll zeigt er sich in den weißen Felsenriffen am Großen Pfahl bei Viechtach und in Weißenstein bei Regen.

Der Pfahl ist ein wichtiger Lebensraum für seltene, wärme- und trockenheitsliebende Tier- und Pflanzenarten. Die freien, gut besonnten Felsgratbereiche und die südseitigen, lichten Heiden und Wälder sind Wärmeinseln im eher rauen Klima des Bayerischen Waldes. An den Pfahl-Felsen finden sich beispielsweise einundzwanzig verschiedene Ameisenarten, wovon einige normalerweise in trockenwarmen Weinbaugebieten beheimatet sind. Wie Bonsaibäumchen wachsen die bis zu 200 Jahre alten „Pfahlkiefern“ fast auf dem nackten Fels. Die nachtaktiven Fledermäuse übertagen in den Felsenspalten. In „Wochenstuben“ bringen sie hier ihre Jungen zur Welt.

Am wenig bewachsenen Felsenfuß wartet der Ameisenlöwe in einem Fangtrichter auf seine Beute: In seine kleine Erdhöhle verirren sich meist Ameisen und Spinnen. Auf der Südseite des Pfahlrückens wachsen von Natur aus lichte und zwergstrauchreiche Eichen-, Birken- und Kiefernwälder. Jahrhundertelang wurden viele dieser steinreichen, mageren Haine als gemeinschaftliche Weideflächen genutzt. Der von Weidetieren nicht verbissene Wacholder zeugt noch von dieser alten Nutzungsform. Auf den felsigen Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden wachsen neben dem rosa blühenden Heidekraut, die gelb blühende Blutwurz oder auch die seltene Heide- und Pechnelke. Sonnenhungrige Reptilien wie die prächtig schimmernde Zauneidechse oder die schlanke, völlig ungiftige Schlingnatter finden hier einen Lebensraum.

Die markanten Felsentürme des Pfahls üben auf den Menschen bereits seit Langem eine besondere Anziehung und Faszination aus. Kapellen, Kreuzwege oder Kalvarienberge sind eng mit vielen Pfahlbereichen verbunden. Rohrbacher nennt als Beispiel Moosbach mit seinem Kreuzweg mit auf einem Felsvorsprung versteckten Heiligenfiguren und beeindruckendem Rundblick.

Manche der höchsten Erhebungen des Pfahls dienen als erhabene Warten für Burgen und Schlösser. Noch heute sind im Schloss Thierlstein bei Cham die Zimmerwände bis in den zweiten Stock teilweise in den blanken Fels gehauen. Seinen höchsten Punkt erreicht der Pfahl mit mehr als 750 Metern bei den Burgmauern in Weißenstein bei Regen. Hier bietet sich dem Besucher ein einmaliger Rundblick auf die Gebirgszüge des Bayer- und Böhmerwaldes. Ein überregionaler Pfahl-Wanderweg führt vom Schloss Thierlstein zur Burgruine Weißenstein. Das Schloss Wolfstein in Freyung errichtete der Passauer Fürstbischof Anfang des 13. Jahrhunderts auf einem Pfahlfelsen.

Ende des 19. Jahrunderts begann für den Pfahl eine unruhige Zeit. Der harte, sehr tragfähige Quarz war als Straßenschotter in den Zeiten der Motorisierung und Industrialisierung hochbegehrt. Viele malerische Felspartien fielen dem Abbau zum Opfer und sind unter manchen Bayerwaldstraßen begraben. Weitsichtige Persönlichkeiten wie der Viechtacher Altbürgermeister Karl Gareis oder der Weißensteiner Dichter Siegfried von Vegesack erkannten, dass der Pfahl nicht nur als Schotter, sondern auch als landschaftliches Wahrzeichen der Heimat eine wichtige Bedeutung hat. Der Widerstand gegen den Abbau führte letztendlich dazu, dass seit Mitte des 20. Jahrhunderts die wichtigsten Pfahlpartien in Moosbach, Viechtach und Weißenstein in Naturschutzgebieten bewahrt werden. Heute sind diese in das Natura 2000 Netz der Europäischen Union aufgenommen. In heute noch aktiven Steinbrüchen wird der Quarz vorwiegend als Rohstoff für die Siliziumherstellung abgebaut.

Nähere Informationen zum Pfahl bietet die Pfahl-Infostelle des Naturparks im „Alten Rathaus“ am Viechtacher Stadtplatz mit der erlebnisreichen Dauerausstellung mit dem Thema „Der Pfahl im Bayerischen Wald“. Von der Umweltstation Viechtach werden Führungen in der Ausstellung und am Großen Pfahl angeboten. Rückfragen unter  09942/904864 oder im Internet unter www.umweltstation-viechtach.de. ro 


Verschwundener Böhmerwald: Neue Episoden

Filmvorführung am 3. Oktober im Bahnhof

Bayer. Eisenstein. Am Tag der Deutschen Einheit, Dienstag, 3. Oktober, lädt der Naturpark Bayerischer Wald wieder zu einer besonderen Filmvorführung zur deutsch-tschechischen Geschichte in den Grenzbahnhof Eisenstein ein.

Es wird um 18.30 Uhr im Naturpark-Wirtshaus der Film „Verschwundener Böhmerwald“ gezeigt. Nach der sehr erfolgreichen Filmvorführung im letzten Jahr werden an diesen Abend neue Kurzepisoden präsentiert. Sowohl der Regisseur Jan Fischer als auch der Erzähler – die „Böhmerwald-Legende“ Emil Kintzl – werden anwesend sein und persönlich berichten.

„Verschwundener Böhmerwald“ ist keine nostalgische Erzählung aus längst vergangenen Zeiten, sondern es sind fesselnde und anschauliche Geschichten, die das harte und urwüchsige Leben in dieser rauen, aber wunderschönen Landschaft schildern. Es werden Geschichten erzählt von Orten, die auf der heutigen Landkarte des Böhmerwaldes nicht mehr zu finden sind.

Die neuen Episoden werden im Rahmen dieser Veranstaltung erstmalig auf Deutsch öffentlich gezeigt. Im tschechischen Fernsehen hat es diese Filmreihe inzwischen mit mehr als drei Millionen Zuschauern zu einem hohen Bekanntheitsgrad gebracht. Auch ein Buch in Deutsch und Tschechisch ist dazu erschienen, das man am Abend kaufen kann. Die Filmvorführung findet als Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Verein Über d‘ Grenz statt.

An- und Abreise zur Veranstaltung sind aus Richtung Plattling bequem mit der Waldbahn möglich (Ankunft: 18.13 Uhr, Rückfahrt 21.40 Uhr). Alle Interessierten sind willkommen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei. Für die Bewirtung mit Getränken ist gesorgt, Speisen gibt es aber nicht.löf