Zum Tag der Artenvielfalt gab es viel Information und Erlebnis auf dem Buchhüttenschachten – Zwei Naturparke luden ein

Bodenmais. Zum internationalen Tag der Biodiversität hat auch die Arberregion ihre die besondere Artenvielfalt präsentiert. Dazu fanden sich 65 Erwachsene und zudem einige Kinder auf dem Buchhüttenschachten ein. Dieser wurde ganz bewusst ausgewählt, denn die Beweidung der Bodenmaiser Schachten leistet einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

Nach der Begrüßung durch Heinrich Schmidt, 1. Vorsitzender des Naturparks Bayerischer Wald, hob Landrätin Rita Röhrl die Notwendigkeit und die Bedeutung der Bewahrung der Biodiversität hervor. Bürgermeister Joachim Haller betonte die dafür notwendige enge Zusammenarbeit von Forstwirtschaft, Tourismus, Naturschutz und Traditionen. Nur so könne eine artenreiche Natur erhalten werden.

Exemplarisch für eine solche Zusammenarbeit war diese Veranstaltung. Neben den Gebietsbetreuern Anette Lafaire und Johannes Matt von den Naturparken Oberer Bayerischer Wald und Bayerischer Wald als Ideengeber waren die Naturschutzbehörden und die Landratsämter aus Regen und Cham einbezogen. Außerdem beteiligten sich der Staatsforstbetrieb Bodenmais und die Landwirtschaftsämter Regen und Landau, Waldkönigin Johanna Gierl, der Nationalpark mit seinen Junior-Rangern, die BUND- Kreisgruppen, die LBV-Kreisgruppen von Regen und Cham, das „Grüne Herz Europas“, der Markt Bodenmais und die Bodenmaiser Weiderechtler.

Der Gebietsbetreuer für die Arberregion, Johannes Matt, veranschaulichte anhand einiger Zahlen, die Dramatik des globalen Artensterbens. So verschwinden weltweit etwa 130 Arten tagtäglich. Viele ohne dass sie der Mensch je entdeckt oder bestimmt hätte. Wenn aber beispielsweise die Masse an Insekten fehlt, fehlen die notwendige Bestäubungsleistung für die Nahrungsmittel und die Nahrungsgrundlage von Vögeln und Fledermäusen.

Ludwig Fritz, einer der drei verbliebenen Weiderechtlern, schilderte die Geschichte und Tradition des „Blumbesuchs“, der den Rechtlern per Freiheitsbrief aus dem Jahre 1522 zugestanden wurde. Nahezu ununterbrochen wird das Recht auf Waldweide bis zum heutigen Tag ausgeübt. Wie fleißig das Fleckvieh Landschaftspflege betreibt, konnte bei den bereits vom Weiderechtler Karl Probst hochgetriebenen junge Stiere beobachtet werden.

Für den traditionellen Sterz samt Kraut und gestockter Milch sowie für die Getränke sorgte der Markt Bodenmais. Die Besucher ließen es sich rund um das Lagerfeuer schmecken. Mitarbeiter des LIFE+-Projektes des Nationalparks informierten über die Wiederbeweidung des Ruckowitzschachtens. Klaus Urban von AELF Landau führte die kleinen Besucher in die Welt des „Zauberbaums“. Rosemarie Wagenstaller von der Unteren Naturschutzbehörde, Wolfgang Lorenz von der Höheren Naturschutzbehörde und Gerhard Nagl vom „Grünen Herz“ stellten die Vegetation der Bodenmaiser Schachten vor. Dort hat sich mit dem „montanen Silikatmagerrasen“ ein prioritärer Lebensraum ausgebildet. Diese Pflanzengesellschaft setzt sich hauptsächlich aus Sauergräsern, wie dem Borstgras, auch Bürstling genannt, zusammen. Neben Schwarzer Segge, Kleinem Sauerampfer und Blutwurz profitieren auch seltene Arten wie Arnika oder Ungarischer Enzian von der stets niedrigen Grasnarbe und den durch Viehtritt entstehenden offenen Bodenpartien.

In das Thema „Luchs in der Arberregion“ führte der Biologe Markus Schwaiger vom WWF Deutschland ein. Der Luchs, Grenzgänger sowohl zwischen Offenland und Wald als auch zwischen Bayern, Tschechien und Österreich, findet hier in der Arberregion einen bestens geeigneten Lebensraum vor. Über das jahrelange Monitoring des Luchses ist bekannt, dass im Bereich des Buchhüttenschachtens mehrere Luchsreviere aneinander grenzen.

Jürgen Völkl, Forstbetriebsleiter, erläuterte zusammen mit Dr. Stefan Schaffner vom AELF Regen den Einklang von nachhaltiger forstwirtschaftlicher Nutzung und Waldnaturschutz. Außerdem präsentierten Völkl und Matt ein neues Projekt zum Habichtskauz. Dazu werden im Sommer Nistkästen aufgehängt, die der drittgrößten Eulenart zu Gute kommen sollen. Der Habichtskauz als auch die anderen Kauzarten profitieren von den Schachten, da sie auf diesen offenen Bereichen auf Mäusejagd gehen.

Die beiden Gebietsbetreuer Anette Lafaire und Johannes Matt gingen auf das Thema „Auerhuhn in der Arberregion“ ein. Das immer noch vom Aussterben bedrohte Auerhuhn findet hier einen seiner letzten Rückzugsräume in Bayern. Bemerkenswerterweise fiel die größte Verbreitung des Auerhuhns mit dem Höhepunkt der Waldweide im Bayer- und Böhmerwald zusammen. Die lichten Waldbereiche, die niedrigere Grasnarbe und die größere Verfügbarkeit von eiweißreicher Nahrung wie Ameisen und weiteren Insekten kommen dem Auerhuhn auch durch die heutige Beweidung zu Gute.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass es dem großen Engagement der Bodenmaiser Weiderechtler zu verdanken ist, dass sich die Arberregion noch mit einem so großen Artenreichtum auszeichnet. bb 

Zurück