Soleg-Geschäftsführer Josef Weindl referierte beim Klimanetzwerk


Viechtach. „Strom erzeugen und selbst nutzen“ – das Thema kommt an, denn bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn füllte sich der große Saal im Blossersberger Keller. Zur Freude von Dr. Wolfgang Schlüter, Leiter des Arbeitskreises Energie und Verkehr, der die Teilnehmer im Namen des Klimanetzwerkes begrüßte, einem Zusammenschluss des Arbeitskreises mit der Umweltstation Viechtach (Naturpark Bayerischer Wald), die durch Matthias Rohrbacher vertreten war. Es referierte Josef Weindl, ein Pionier in Sachen Sonnenenergie und Geschäftsführer der Soleg GmbH.


Der Klimawandel, so der Vortragende, zwingt uns umgehend, einen Beitrag zur Verminderung der Treibhausgase zu leisten. Um das Zwei-Grad-Ziel nicht zu überschreiten, hat die Menschheit nur noch ein „Guthaben“ von etwa 750 Gigatonnen CO2, das die Atmosphäre aufnehmen kann. Im Jahr 2015 wurden davon alleine schon 35,7 Gigatonnen ausgestoßen. Ginge das so weiter, wäre in neun Jahren das Guthaben aufgebraucht, und die Begrenzung auf einen wahrscheinlich noch kalkulierbaren Klimawandel wäre vertan.


Während die Politik noch pokert, können Bürger schon zielgerichtete Beiträge leisten. Sonnenenergie, mit Photovoltaik zu Strom oder mit Solarthermie-Anlagen in Wärme zu verwandeln, liefert einen signifikanten Beitrag. Weindl rechnet für eine private PV-Anlage auch einen wirtschaftlichen Nutzen vor. Die Stromgestehungskosten, berücksichtigt man Anschaffungskosten, Betriebskosten und eine Laufzeit von 25 Jahren, liegen bei etwa 10ct/kWh. Unter der Annahme, dass eine kWh aus dem Stromnetz 23ct kostet, ergibt sich eine Rendite von über fünf Prozent. An Beispielen zeigte er auch, wie hoch die Eigenversorgung mit Strom sein kann. Dabei legt er einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Strombedarf von 4000 kWh/Jahr zugrunde, der über eine Solaranlage mit 8kWp verfügt. Mit so einer Anlage generiert man über 8000 kWh Strom im Jahr. Also mehr Strom als gebraucht wird. Davon lassen sich 21 Prozent selbst nutzen, der überwiegende Anteil fließt ins Netz. Diese Eigenmenge bezogen auf den Jahresstromverbrauch ergibt einen Autarkiegrad von über 40 Prozent. Mit einer eigenen Batterie von 5kWh Kapazität kann zusätzlich der Strom, der sonst ins Netz fließt, gespeichert werden. Nachts, wenn die PV-Anlage nichts liefert, versorgt die Batterie den Haushalt. Das erhöht den Autarkiegrad auf bis zu 70 Prozent. Weindl betont, dass der Speicher nicht zu klein, aber auch nicht zu groß sein sollte. Eine optimale Größe kann unter der Berücksichtigung des Verbrauchs und der Größe der PV-Anlage mit einem im Internet frei verfügbaren „Unabhängigkeitsrechner“ der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin berechnet werden. Die Eigenstromnutzung lässt sich individuell weiter erhöhen, wenn die Heizung zum Beispiel mit einer Wärmepumpe unterstützt wird oder ein Elektroauto mit Strom versorgt werden soll.

Ein intelligentes Energiemanagementsystem unterstützt die Stromverteilung. Die Autobatterie kann dabei Strom wieder dem Haushalt zur Verfügung stellen oder sogar ins Netz speisen. Ziel jeder Anlagenplanung sollte es sein, in allen Bereichen, wie Strom, Wärme und Mobilität eine möglichst hohe Deckungsrate zu erzielen. Die abschließende, ausführliche Diskussion zeigte nochmal das große Interesse vieler Zuhörer.

Die nächsten Veranstaltungen zu diesem Thema stehen bereits fest: Vom 14. Februar bis zum 7. März 2017 sind „Klimawochen im Landkreis Regen“ organisiert, Es wird im Pfarrsaal der katholischen Kirchengemeinde Viechtach die Ausstellung „Klimafaktor Mensch“ gezeigt und Vorträge zur Elektromobilität und zum Klimawandel mit globalem und regionalem Bezug angeboten.vbb 

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