OÖN-Redakteur Edmund Brandner berichtet von seinem Selbstversuch, den CO2-Ausstoß zu reduzieren

Franz Hackl 

Viechtach. Am Ende gab es tosenden Beifall der annähernd 150 Besucher, und die Veranstalter strahlten mit dem Referenten um die Wette: Mit einem mitreißenden Vortrag des österreichischen Journalisten Edmund Brandner sind am Dienstagabend im Viechtacher Pfarrsaal die diesjährigen „Klimawochen im Landkreis Regen“ eröffnet worden. Über eine Stunde lang fesselte der Lokalredakteur der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) aus Gmunden am Traunsee das Publikum damit, wie er in seinem Privatleben den CO2-Ausstoß reduzierte und dabei aufzeigte, wie jeder Einzelne seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.

Die Klimawochen 2018 werden wieder vom Agenda 21 Arbeitskreis Energie & Verkehr unter Federführung von Dr. Wolfgang Schlüter (Viechtach) veranstaltet, der dabei von vielen weiteren Organisationen und Vereinen unterstützt wird. Bis zum 25. März gibt es im ganzen Landkreis Regen insgesamt elf Termine mit Vorträgen und Filmabenden, ein Höhepunkt wird am Sonntag der Energietag im Landwirtschaftsmuseum in Regen sein.

Zur Eröffnung der Klimawochen dankte Vorsitzender Heinrich Schmidt vom mitveranstaltenden Naturpark Bayerischer Wald den Organisatoren für die umfangreiche Planung und Vorarbeit, im besonderen Dr. Wolfgang Schlüter und Geschäftsführer Josef Niedermeier vom Arbeitskreis Energie & Verkehr sowie Matthias Rohrbacher von der Umweltstation Viechtach. Mit seinen Schwerpunkten Energieeinsparung und Umweltfreundliche Mobilität sei der Arbeitskreis führend in Niederbayern, sagte Schmidt, und das nächste Ziel sei der Dauerbetrieb der wiedereröffneten Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell.

„Wir müssen den Klimawandel ernst nehmen, auch wenn wir ihn erst in 20 oder 30 Jahren zu spüren bekommen“, meinte Arbeitskreis-Vorsitzender Dr. Wolfgang Schlüter, und deshalb sei es wichtig, dass „wir jetzt handeln“, um „eine bessere Welt zu schaffen“.

Auch die Ehrengäste betonten in ihren Grußworten die Notwendigkeit, auch im privaten Bereich auf den Klimaschutz zu achten. Landrätin Rita Röhrl, die Schirmherrin der Klimawochen, erinnerte an Dinge aus der Kinder- und Jugendzeit, an deren Verschwinden wir uns längst gewöhnt hätten. Diese Entwicklung müsse gestoppt werden, jeder Einzelne könne beitragen. Großen Beifall erhielt die Landrätin für ihre Ankündigung, sich mit Nachdruck für den Dauerbetrieb der Waldbahnstrecke einzusetzen.

Der Umweltbeauftragte der Stadt Viechtach, Stadtrat Alois Pinzl, stellte sein aktuelles Schulprojekt „Erde – Kugel des Lebens“ vor und meinte, dass man schon von klein auf die Gefahren für Planet und Menschen kennenlernen müsse. Die Klimawochen seien eine wichtige Veranstaltung, um das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen zu schärfen. Stadtpfarrer Dr. Werner Konrad sagte, schon der Respekt vor der Schöpfung gebiete es, Natur und Lebensraum zu schützen und zu erhalten; Klimaschutz sei somit „ein Kernthema eines religiösen Menschen“.


Ein fulminantes Einstiegsreferat in die Klimawochen 2018 lieferte dann der OÖN-Lokalredakteur Edmund Brandner, der als „Klimamönch aus dem Salzkammergut“ bekannt geworden ist. Der 45-jährige Journalist hat 2010 ganzjährig im Selbstversuch getestet, wie weit durch ein geändertes Verhalten bei Ernährung, Mobilität, Konsum und Freiheit der persönliche CO2-Ausstoß zu verringern ist. Denn CO2 ist das natürliche Treibhausgas, das seit Beginn der fossilen Verbrennung vor rund 200 Jahren explosionsartig zunahm und die Klimaerwärmung befeuert.

In herrlich authentischem Dialekt schilderte der „Mundl“ seine Erfahrungen und Erkenntnisse und verschwieg auch nicht das gelegentliche Kopfschütteln, das sein „neues Leben“ bei Kollegen, Familie und Nachbarn auslöste. Ergebnis des einjährigen Versuchs: Knapp fünf Tonnen weniger selbst produziertes CO2, der Durchschnittswert liegt in Mitteleuropa bei elf Tonnen pro Person und Jahr.

Fünf Schwerpunkte stellte Edmund Brandner heraus, die seine persönliche CO2-Bilanz wesentlich verbesserten: Einschränkung des Autofahrens, Verzicht auf Flugreisen, Einsparungen bei Hausbau und Heizung, weitgehender Verzicht auf Fleisch und eingeschränkter Konsum. So schilderte er, wie er gleich zu Beginn des Testjahres das Auto verkaufte (die Gattin durfte ihres natürlich noch behalten), täglich die fünf Kilometer von der Wohnung zur Redaktion radelte und auch weitere Fahrten mit dem Rad zurücklegte. „6000 Kilometer Radeln brachten 1600 Kilogramm CO2-Ersparnis“ rechnete er vor.

Vollkommen gestrichen sind für die Familie Brandner seit 2010 die Flugreisen, dafür nutzt man jetzt die Bahn (bis nach Schottland) oder „radelt nach Bayern und Berlin“. Bei einem Flug von München nach Gran Canaria würden pro Kopf 1680 Kilogramm CO2 in die Atmosphäre geblasen, und bei einem Trip nach Australien seien es gar 13 Tonnen. „Man versäumt deshalb nicht die Welt – und Sehnsucht ist ja auch was Schönes“, folgerte der Klimamönch.

Auch beim Essen habe sich die Familie umgestellt, „a Surbratl gibt’s jetz hoit bloß no an Sonn- und Feiertagen wie früher bei den Bauern“, erzählte Brandner. Und eine eindringliche Mahnung richtete er an alle in Sachen Konsumverhalten: „Es gibt so viele Dinge, die man wirklich nicht braucht“ und trotzdem werde man durch die Werbung immer wieder verführt, sie doch zu kaufen. Als Beispiel nannte er „den Wahnsinn mit den Handys“, da sei es wesentlich sinnvoller, auf dem Bauernmarkt regionale Produkte zu kaufen.

Jede Woche hat Brandner über den Selbstversuch in den OÖN berichtet und ein Buch geschrieben. Am Anfang habe er gedacht, „was muss das für ein hundsmiserables Leben werden, wenn ich auf so viel Gewohntes verzichten muss“, aber die Erfahrung habe ihn etwas Anderes gelehrt: Das Leben ist nicht vorbei, es gewinnt aber an Qualität bei Familie, Freizeit und Genuss.

„Und jetz gfrei i mi no af a Bier“, schloss der Klimamönch unter anhaltendem Beifall, während Pianist Sven Ochsenbauer zum anregenden Nachklatsch überleitete.

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