Stadtpfarrer Dr. Werner Konrad und Naturwissenschaftler Dr. Bernhard Widmann referieren über Bewahrung der Schöpfung

Edwin Schedlbauer 

Viechtach. Bewahrung der Schöpfung lautete das Thema, zu dem am Donnerstagabend im katholischen Pfarrsaal zwei fachkundige Referenten gewonnen werden konnten. So stellte Stadtpfarrer Dr. Werner Konrad als erster Vortragender die Enzyklika „Laudatio Si“ vor, in der sich Papst Franziskus zur Umweltdebatte äußert, während der Leiter des Technologie- und Förderzentrums im Straubinger Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe Dr. Bernhard Widmann die Frage stellte, ob erneuerbare Energien die Lösung energ-ethischer Probleme sein könnten.

Die Vorträge waren vom Agenda-21-Arbeitskreis „Energie und Verkehr“ in Kooperation mit der Umweltstation Viechtach des Naturparks Bayerischer Wald, der katholischen Pfarrgemeinde und der Katholischen Erwachsenenbildung gemeinsam organisiert worden. Einführung und Begrüßung übernahm Dr. Wolfgang Schlüter, der sich über das große Interesse sichtlich freute. Dass sich auch der Papst an der Umweltdiskussion beteilige und zu dem Themenabend 150 Zuhörer gekommen seien, mache Mut, so Schlüter erfreut.

Auch wenn Umweltthemen zurzeit wegen des großen Flüchtlingsstromes in den Hintergrund träten, habe die Bewahrung der Schöpfung etwas mit dem sozialen Frieden in der Welt gemein. Mit dieser Feststellung leitete Stadtpfarrer Dr. Werner Konrad seinen Vortrag ein und bezeichnete sich selbst als „der Grüne“ im Priesterseminar, der seine Kommilitonen zum Mülltrennen animieren musste, was diese so gar nicht eingesehen hätten. Trotz des wissenschaftlichen Hintergrundes gebe es auch einen kirchlich-religiösen Anspruch, den der Papst in seiner Enzyklika deutlich herausstelle. Konrad ging mit der Rolle der Kirche durchaus auch kritisch um, die im frühen 19. Jahrhundert die These vertrat, dass von Gott nur der geliebt würde, der Wohlstand angesammelt hätte.

So habe das kapitalistische Wachstumsdenken durchaus auch christliche Wurzeln. Der Falschauslegung des ersten Schöpfungsberichtes, in dem Gott den Menschen den Auftrag gibt, die Erde zu beherrschen, sei längst die Erkenntnis gewichen, dass der Mensch als Abbild Gottes alles erhalten müsse, was Gott aus Liebe geschaffen habe. Traurig mache es ihn, so Konrad, dass die Menschen nicht mehr wahrnähmen, wenn Tierarten aussterben oder Pflanzen verschwinden, im Gegensatz aber darüber sofort informiert wären, wenn ein neues I-Phone auf den Markt käme.

Er rief dazu auf, dass die Politik auf globaler Ebene die Wirtschaft kontrollieren muss und nicht von ihr bestimmt werden soll, da der wirtschaftliche Egoismus und eine nimmer endende Gier einer bestimmten Klasse zu noch mehr Elend in der Welt führen würde. Konrad zeichnete auch Lösungswege auf und nannte als Beispiele die Macht der Verbraucher durch Boykottmaßnahmen, kleine alltägliche Handlungen wie Müllvermeidung und Wiederverwertung, Ressourcenschonung im Hinblick auf Wasser und Energie sowie die Umwelterziehung der nachwachsenden Generation, die sich mehr in künstlichen Räumen bewegen würde, als in der Natur.

Der Geistliche schloss mit dem Appell, dass Umweltschutz keinen Sinn hätte, wenn er nur auf der moralischen und praktischen Ebene bliebe, sondern auch auf Rückwendung zu Gott basieren müsste.

Keinen Gegensatz in der religiösen, katholischen Betrachtung auf der einen Seite und der wissenschaftlichen Sicht auf der anderen Seite der Themen Energiewende und Bewahrung der Schöpfung sieht Dr. Bernhard Widmann als zweiter Referent des Abends. Er habe die Enzyklika des Papstes gelesen und empfehle diese auch allen, die guten Willens sind, so der Wissenschaftler, der den Schöpfungsgedanken, sich die Erde untertan zu machen, mit dem Bild eines Erntedankaltares darstellte.

An die Begriffe Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit hätte man sich längst gewöhnt, kritisierte Widmann und zeigte die „erschreckende Entwicklung“ des Weltenergieverbrauches der vergangenen 150 Jahre auf. Die Temperaturveränderung auf der Nordhalbkugel der Erde wirke sich dramatisch auf das Klima aus und wer glaube, dass sich das wieder legen würde, dem „gnade Gott“, konstatierte der Leiter des Technologie- und Förderzentrums für Nachwachsende Rohstoffe, der die Erdgasgewinnung durch Fracking als die „Schaumkrone unserer fossilen Arroganz“ bezeichnete.

Die Menschheit lebe 1 zu 500 000 über ihre Verhältnisse und müsse den Energiebedarf bei uns senken und nicht in Bangladesch, so Widmann, der als Lösungswege eine deutliche Energieeinsparung, eine Steigerung der Effizienz sowie den vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energieträgern sieht. Es werde ressourcenbedingte Wanderungen aus Afrika und Südspanien geben, sagte der Wissenschaftler voraus.

Als einen Blumenstrauß an Herausforderungen bezeichnete Widmann die Aufgaben, vor denen besonders die wirtschaftlich stabilen Länder wie Deutschland stünden. Dazu gehöre der Einsatz von Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und nachwachsenden Rohstoffen. Als bedeutendsten Energieträger der Zukunft bezeichnete Widmann die Biomasse. Leider weiter eine unbedeutende Rolle misst er der Elektromobilität zu und kritisierte gleichzeitig das Mobilitätsverhalten der heutigen Gesellschaft.

Als Fachmann für nachwachsende Rohstoffe warb Widmann besonders für den modernen Einsatz erneuerbarer Energie. Die verbreitete Meinung, dass Menschen wegen der Biokraftstoffproduktion nicht mehr genügend Nahrung zur Verfügung hätten, ließ er auf keinen Fall gelten. Vielmehr seien Diktaturen, mangelnde Infrastrukturen sowie das Fernhalten von Fachwissen Schuld an den Hungersnöten in der Welt.

Nahrung und Energie auf landwirtschaftlichen Flächen zu produzieren, sei nicht verwerflich, meinte Widmann, der sich gegen eine „Romantisierung der Landwirtschaft“ aussprach. Dass sich die Kulturlandschaft verändere, müsse man zulassen, wenn man einen Veränderungsprozess wolle.

Die Menschen müssten nach Meinung Widmanns offener mit den Veränderungsprozessen umgehen und nannte als Beispiele den Einsatz von Windrädern oder den Anbau von energieeffizientem Mais. Das ethische Problem bei der Energiewende sei der Mensch, der in Deutschland pro Tag 100 Hektar Ackerfläche versiegele, täglich 30 Millionen Kilogramm Lebensmittel wegwerfe und sich aus der verbleibenden Menge mehr Kalorien als nötig zuführe.

Dazu gebe es zwei Millionen Geländewagen, mit denen dann ins Fitnessstudio gefahren würde, um sich die Pfunde bei Neonbeleuchtung auf einem elektrisch betriebenen Laufband wieder abzutrainieren, ging Widmann mit der Gesellschaft hart ins Gericht und rief dazu auf, über Flächenkonkurrenz, den Hunger in der Welt und die Nachhaltigkeit differenzierter zu diskutieren. „Unsere Kinder sollen wieder verstehen, auf welchem Baum das Schnitzel wächst.“

Mit einem kräftigen Applaus und je einem Buchgeschenk , die Pfarrgemeinderatsmitglied Brigitta Schlüter überreichte, wurde den beiden Referenten gedankt.

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