Zeitzeugen erinnern sich an die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs zwischen Bayern und Tschechien

Christina Hackl 

Bayer. Eisenstein. Bundeskanzler Helmut Kohl musste nur noch auf das symbolische Knöpfchen drücken, um am 2. Juni 1991 den Schienenverkehr zwischen Bayern und Böhmen wieder freizugeben. Die harte Arbeit im Vorfeld, die haben andere geleistet – allen voran der ehemalige Eisensteiner Bürgermeister Josef Gabriel und der damalige MdB Ernst Hinsken.

Bei einem Zeitzeugengespräch haben sich die beiden jetzt gemeinsam mit Weggefährten an den Tag vor 25 Jahren erinnert, als sich 20 000 Menschen auf dem Bahnhofsgelände versammelten, um diesen historischen Moment mitzuerleben. Beim offiziellen Festakt vergangene Woche war Hinsken terminlich in Brüssel gebunden und Josef Gabriel hatte – aus unerklärlichen Gründen, wie es hieß – keine Einladung bekommen.

„Der Weg zur Öffnung des Grenzbahnhofs war lang und beschwerlich“, sagte Gabriel. Er sei schon immer fasziniert gewesen von der bewegten Geschichte des Grenzbahnhofs. 1982 habe dann der Verwaltungsrat der Bundesbahndirektion Nürnberg beschlossen, den Schienenverkehr nach Eisenstein einzustellen und stattdessen Busse einzusetzen. „Das wäre der Todesstoß für den Urlaubsort Eisenstein gewesen“, so Gabriel, deshalb habe er sich an Ministerpräsident Franz Josef Strauß und Verkehrsminister Werner Dollinger gewandt mit der Bitte, die Umsetzung dieses Beschlusses zu verhindern.

„Mir war von Anfang an klar, dass das nur auf dem politischen Weg zu erreichen ist“, erzählte Gabriel. In MdB Ernst Hinsken habe er einen „zähen und unermüdlichen“ Mitstreiter gefunden. Ihr gemeinsames Ziel: der Erhalt der Strecke und die Öffnung des Grenzbahnhofs.

Die Bundesbahndirektion habe das Vorhaben über Jahre torpediert, sagte Gabriel, der auch nicht verschwieg, wie angespannt deswegen sein Verhältnis zu Bahn-Präsident Horst Weigelt war. „Wir haben kein Interesse an der Öffnung des Bahnhofs“, soll Weigelt zu hochrangigen Vertretern der tschechischen Staatsbahn ČSD gesagt haben.

„Nach einem Telefongespräch, bei dem in meinem Büro die Wände gewackelt haben, aber musste sich Weigelt dem politischen Druck doch beugen“, berichtete Ernst Hinsken. Franz Josef Strauß persönlich habe die Öffnung des Grenzbahnhofs veranlasst. Ohne den Einsatz von Josef Gabriel aber wäre dieser Erfolg nicht denkbar gewesen, so Hinsken. Dem MdB war es mit der ihm eigenen Beharrlichkeit schließlich sogar gelungen, Bundeskanzler Kohl zur Wiedereröffnung zu gewinnen. Fast wäre der Termin aber geplatzt: „Kohls Büroleiterin hatte mir abgesagt. Da bin ich bei einer Plenarsitzung zum Kanzler hingegangen und habe ihn gefragt, wer bei ihm eigentlich das Sagen hat, er oder seine Büroleiterin“, erinnerte sich Hinsken. Und Kohl kam. Und war begeistert, als er in Eisenstein von 20 000 Menschen mit „Hel-mut-, Helmut-Rufen“ begeistert gefeiert wurde. „Der wollte gar nicht mehr weg aus Eisenstein“, so Hinsken.

„Der 2. Juni 1991 war ein Freudentag für mich“, sagte Josef Gabriel und Ernst Hinsken stimmte ihm nickend zu. Beide dankten den politischen Mitstreitern an ihrer Seite, darunter auch dem ehemaligen Landrat Heinz Wölfl und dem damaligen Bezirksrat und heutigen Vize-Landrat Willi Killinger.

„Die Öffnung des Grenzbahnhofs ist ein Beweis dafür, was man erreichen kann, wenn man es nur will und bereit ist, mit vollem Einsatz dafür zu kämpfen“, lobte Landrat Michael Adam. Willi Killinger wünschte sich, dass man in Zukunft auch bei aktuellen grenzübergreifenden Verkehrsprojekten solche Erfolge feiern wird können. „Wir brauchen Leute wie Hinsken und Gabriel, die bei der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit so anschieben“, meinte auch Bürgermeister Michal Šnebergr aus Železná Ruda. Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmer auch in ihrem Dank an den Naturpark, der dem Grenzbahnhof wieder neues Leben einhauche.

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