Das nicht sehr einladende Wetter mit Temperaturen unter 10 Grad konnte 27 Naturinteressierte nicht abschrecken, die sich am Sonntag auf den Weg zu den Bodenmaiser Weideschachten machten. Die Kreisgruppe Regen des Landesbund für Vogelschutz, die Kreisgruppe Deggendorf des Bund Naturschutz und der Naturpark Bayer. Wald e.V. boten diese geführte Wanderung gemeinsam an und so kamen Wanderer nicht nur aus dem Landkreis Regen, sondern auch aus Deggendorf und Cham angereist.

Die Bodenmaiser Schachten sind neben ihren Kollegen im Zwieseler Winkel, die ehemaligen Naturschutzgebiete Ruckowitzschachten und Filze und Hochschachten im jetzigen Nationalpark, weit weniger bekannt.

Vom Bretterschachten aus wurde zunächst das Mittagsplatzl angesteuert. Auf dem Weg dorthin konnte Alois Hofmann vom Naturpark einige interessante Pflanzen vorstellen, darunter den Europäischen Siebenstern, den Alpenbrandlattich und den Krönchenlattich, die gerade in voller Blüte zu sehen waren. Am Mittagsplatzl wurde Rast gemacht und dabei das in der Seewand jährlich brütende Wanderfalkenpaar zusammen mit einem Jungvogel über dem Großen Arbersee kreisend beobachtet.

Der weitere Weg führte kurz zum Bodenmaiser Riegel am Großen Arber, wo der sogenannte Richard-Wagner-Kopf vom Landesamt für Umwelt zum Gestein des Jahres 2015 ausgewiesen wurde.

Rosmarie Wagenstaller vom LBV stellte den Wanderern die verschiedenen Schutzgebiete in diesem Raum vor und erläuterte auf dem Weg durch Wald und Windwurfflächen die verschiedenen Lebensraumansprüche des hier vorkommenden Auerhuhns. So können zum Beispiel die vielfältigen Nahrungspflanzen, die das Auerhuhn im Jahresverlauf benötigt, hier eng nebeneinander vorgefunden werden. Wenn sich dann auch die Besucher an die Wege halten und die Hunde anleinen, kann der momentane Aufwärtstrend bei dieser störempfindlichen Tierart hoffentlich anhalten.

Über die Schachten Bodenmaiser Mulde und Arberhüttenschachten ging es weiter zum Diensthüttenschachten, wo die Rinder von Weiderechtler Ludwig Fritz gerade aufgetrieben wurden. Herr Fritz konnte den Wanderern viel Interessantes über die historischen Weiderechte erzählen. So wurde das Weiderecht, das mit einer Urkunde aus dem Jahr 1522 belegt ist, durchgehend immer ausgeübt, denn nach 10 Jahren Ruhe wäre es unwiederbringlich erloschen. Allerdings sind es inzwischen nur noch 3 Rechtler, die dieses mit dem poetischen Namen „Blumbesuch“ umschriebene Recht mit insgesamt 21 Rindern auf 7 Schachtenflächen tatsächlich noch ausüben.

Nach Meinung der Naturschützer ist dies nicht nur historisch bedeutsam, sondern auch aus Gründen der Landschaftspflege und des Artenschutzes, denn die Schachten wurden künstlich durch Rodung als Weideflächen geschaffen und können auch nur durch Pflege erhalten werden. Andernfalls würde sich der Wald diese Flächen umgehend zurückholen. Da ohnehin nur noch Reste dieser ehemals zahlreichen Flächen existieren, sollen diese unbedingt erhalten bleiben. Dies wird vom Grundstücksbesitzer, den Bayer. Staatsforsten, inzwischen ebenfalls so gesehen. Mit staatlichen Förderprogrammen, wie dem Vertragsnaturschutzprogramm, wird die Beweidung ebenfalls finanziell unterstützt. Am Schluss wurde noch der idyllische Hochzellschachten besucht, wo die Arbeit der Rinder von Ludwig Fritz bereits abgeschlossen war.

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