Ursprüngliche Natur fasziniert heute mehr denn je. Sie bietet einen Kontrast zum oft hektischen Alltag und lehrt uns das Staunen, selbst, wenn es sich nicht um fremde, ferne Landschaftsräume, sondern um die Natur „vor der Haustür“ handelt. Viele Orte im Bayerischen Wald erkennen immer mehr auch das touristische Potential, dass eine besonders ursprüngliche Natur bieten kann. Ein Stück „echten Urwalds“, also ein Gebiet, in dem in vielen Bereichen nie Forstwirtschaft betrieben wurde, ist das Naturschutzgebiet und Naturwaldreservat „Rißloch“ mit seinen höchsten Wasserfällen des Bayerischen Waldes. Kürzlich folgten 16 Wanderer, darunter sowohl einheimische Arberkenner als auch Gäste, der Einladung des Naturparks Bayerischer Wald, gemeinsam mit Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer die Rißlochschlucht auf den Spuren des „Kreislauf des Lebens“ und der „Kraft der Natur“ zu durchwandern.

Welche Kraft das „Lebenselixier“ Wasser hat, wurde den Teilnehmern – trotz der zu Zeit eher geringen Wasserführung des Rißbachs - bereits zu Beginn des Rundgangs bewusst: Glatt geschliffene Felsen im Bachbett, aber auch die Steilheit und Tiefe der Schlucht zeigen besonders eindrucksvoll, dass zwar eine Schwachstelle in der Erdkruste dafür entscheidend war, dass die Schlucht ausgerechnet an dieser Stelle entstehen konnte, dass es jedoch das Wasser und nicht andere Naturkräfte waren, die dieses Gebiet entscheidend prägten.

Da in der feuchten Schlucht Verwitterungsprozesse besonders schnell ablaufen, lässt sich in diesem Naturwaldreservat der „Kreislauf des Lebens“ eindrucksvoll beobachten, wie die Gebietsbetreuerin an einigen „Baumbeispielen“ verdeutlichte: Noch vor wenigen Jahren war ein etwa zwei Meter hohe Totholzstamm bei Rißlochführungen ein besonders beliebter Ort, um etwas über die naturschutzfachliche Bedeutung von totholzreichen Mischwäldern zu erzählen. Innere Fäulnis führte dazu, dass der Stamm vor einiger Zeit umkippte und nun immer schneller zu Holzmehl verrottet, das wiederum Grundlage für neues Leben ist. Besonders beeindruckte die Teilnehmer jedoch ein über einem Felsen schräg aufliegender Totholzstamm, auf dem sich bereits Fichtenkeimlinge angesiedelt haben. Da diese Keimlinge bei ausreichender Größe mit ihren Wurzeln festen Boden erreichen wollen, ihr „Keimbett“ durch die Schrägauflage des Stammes auf dem Felsen jedoch quasi in der „Luft hängt“, bleibt abzuwarten, wie die Natur in ein paar Jahren dieses Problem lösen wird. Die Natur ist also und bleibt spannend, besonders, wenn man sie – wie im „Naturwaldreservat Rißloch“ sich weitestgehend selbst überlässt.

Zurück