Wasserfälle sind als eindrucksvolle Naturschauspiele und spritzige Besuchermagneten bekannt. Doch wie lässt sich eine solch geräuschvolle Erfahrung mit Fledermäusen, den kleinen flugfähigen Säugetieren, in Zusammenhang bringen, deren Töne unser menschliches Gehör nicht einmal wahrnehmen kann?

Die Antwort auf diese Frage erläuterte die Arber-Gebietsbetreuerin Dr. Isabelle kürzlich ungefähr 40 Interessierten, die dem Angebot des Naturparks Bayerischer Wald gefolgt waren, an einer fünfstündigen Wanderung unter dem Motto „Der (be)rauschende Arber: Vom Rißloch zum Hochfall“ teilzunehmen. Berauschend, strahlend hell und erfrischend zeigte sich der Arber dann tatsächlich während der naturthematischen Führung zu den beiden höchsten Wasserfällen des Bayerischen Waldes an diesem herrlichen Altweibersommertag. Unterstützt wurde die Gebietsbetreuerin durch den Wanderführer Peter Letz sowie dem begeisterten „Arbergeher“ Ludwig Drexler, die sich in dem Gebiet ebenfalls bestens auskennen.

Nach einer kurzen Vorstellungs- und Einleitungsrunde erreichte die Gruppe das Naturschutzgebiet Rißloch und die Wanderung begann mit dem Aufstieg entlang des Rißbachs. Isabelle Auer verglich das geschützte Gebiet mit einem „Mini-Nationalpark im Naturpark“, da es – leider unter dem damals propagandistisch ausgenutzten Gedanken der „Heimatliebe“, der im 1. Reichsnaturschutzgesetz aus dem Jahr 1935 seinen Ausdruck fand - bereits 1939 ausgewiesen wurde und seitdem forstwirtschaftliche Eingriffe des Menschen ausblieben. Daher entstanden im Gegensatz zu vielen anderen Regionen des Bayerischen Waldes keine Fichtenmonokulturen, in denen die berüchtigten Borkenkäfer riesige Baumbestände befielen. Weil das Rißloch seit vielen Jahrzehnten unter Schutz steht, gibt es im Naturschutzgebiet Rißloch Urwald-Bestände, in denen es noch einen einen hohen Anteil an Tot- und Altholzanteil gibt. Dieses ist, so machte Dr. Auer deutlich, für einige Arten als Lebensraum oder Versteck und Unterschlupf lebensnotwendig: Zahllose Insekten, Vögel wie Spechte und mit der Fledermaus sogar Säugetiere sind darauf angewiesen. Im Bayerischen Wald kommen 21 verschiedene Fledermausarten vor, die sich tagsüber zum Schlafen gerne in den schmalen Ritzen zwischen Stamm und abplatzender Rinde verstecken: Bei abgestorbenen Bäumen besteht keine Gefahr mehr, dass Fell und Haut der Tiere durch Harz verkleben. Auf diese Weise profitieren auch die Fledermäuse von der Besonderheit der Rißlochfälle und der damit verbundenen Unterschutzstellung der Schlucht. Weiterhin wies die Gebietsbetreuerin auf andere, in der Schlucht lebende Arten wie Wasseramsel und Wanderfalken hin.

Im Laufe der Führung erklärte Auer die vorhandenen Gesteine, sowie die Entstehung der Wasserfälle in der Eiszeit. Nach einer Brotzeit am sonnigen Südhang des Großen Arber und interessanten Erzählungen über die wirtschaftlichen Hintergründe des umliegenden Buchenwalds gelangte die Gruppe mit dem Naturdenkmal Hochfall schließlich zum zweiten Höhepunkt des Tages. Mit vielfältigen Eindrücken von Flora und Fauna, tosenden Gewässern und Gesteinen ging die Gruppe anschließend bergab durch die Gemeinde Bodenmais wieder zum Rißlochwanderparkplatz, dem Ausgangspunkt der Wanderung.

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