„Außerhalb der Alpen findet man diese Pflanzen nur am Arber“. – Dies war eine der Kernsätze, die die 20 Teilnehmer einer Naturparkführung unter der Leitung von Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer kürzlich bei einem zweistündigen Rundgang um das Arbergipfelplateau hörten. Warum der Arbergipfel heute – trotz seiner Verbauungen, Pisten und den weit über eine Million Besuchern pro Jahr – Dank der Bemühungen des Naturschutzes – zu den wichtigsten Naturschätzen Bayerns zählt, verdeutlichte die Gebietsbetreuerin bereits zu Beginn der Exkursion: Bis weit in die 90er Jahre war das Gipfelplateau beinahe kahlgetrampelt. Viele der einstigen Pflanzen, darunter einige geschützte, waren verschollen oder bedroht. Daher entschloss man sich zu einem festen Wegesystem. Balkenabsperrungen wurden errichtet, ab dem Jahr 2000 herrscht im gesamten Gipfelbereich das Wegegebot.

Seit dieser Zeit erholte sich der Bestand vieler besonders geschützter Pflanzen – viele von ihnen sogenannte „Eiszeitrelikte“, also Pflanzen, die seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren das Arbergebiet besiedeln. „Auffallend viele von ihnen“, so die Gebietsbetreuerin, „tragen den Zusatz „Alpen“ in ihrem Namen. – Ein Hinweis auf ihr eigentliches Verbreitungsgebiet.“

Was der Naturschutz tut, um diese Pflanzen zu schützen, konnten die Teilnehmer gleich live erleben: Da einige von ihnen – beispielsweise der Ungarische Enzian oder der Alpen-Flachbärlapp“ von Heidelbeeren bedrängt werden, müssen Teile des Gipfelbereichs und der sogenannten „Bodenmaiser Mulde“ regelmäßig gemäht werden. Neben den regelmäßig stattfinden – eher kleinflächigeren - „Landschaftspflegeaktionen“ im Rahmen des Naturparkjahresprogramms – kümmern sich allherbstlich die beiden Botaniker Martin Scheuerer und Wolfgang Diewald im Auftrag der Regierung von Niederbayern um den Erhalt der pflanzlichen Artenvielfalt am Arber. Da es am Exkursionstag wieder mal soweit war, konnten die Teilnehmer die Gelegenheit dazu nutzen, nicht nur das Team rund um die beiden Botaniker zu beobachten, sondern erfuhren von Martin Scheuerer, der bereits seit dem Jahr 1989 die Bestandsentwicklung besonders geschützter Pflanzen im Arbergebiet beobachtet und dokumentiert, dass zwar viele zuvor im Arbergebiet heimische Pflanzenarten heute als „verschollen“ gelten, ein paar einst verschollen geglaubte wieder nachgewiesen werden konnte. Dr. Isabelle Auer: „Durch seine Tierwelt und durch die Vielfalt seiner Pflanzenwelt – beispielsweise sind im Arbergebiet 307 Moosarten nachgewiesen, von denen 111 d.h. 36 % davon, heute auf der Roten Liste stehen – ist das Arbergebiet wieder und noch immer ein Naturparadies, das in seiner Reichhaltigkeit und Vielfalt selbst den benachbarten Nationalpark übertrifft. Eine naturwissenschaftliche Tatsache, die leider viele – selbst Naturwissenschaftler – nicht wissen.“

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