Es ist 10 Uhr Früh und einige Schweine-Familien nutzen die Frische des beginnenden Herbstes für einen Ausflug ins Grüne. Große und kleine Ferkel tollen herum, während sich die Älteren der Rotte fressen oder ein Nickerchen machen.
Noch sind nur diese „Großfamilien“ zu sehen, die häufig mit bis zu elf Kindern gesegnet sind und daher viel Platz benötigen. Doch kurze Zeit später führt Bauer Ludwig Scherm eine bunt gemischte Gruppe aller Altersklassen zum Schnupperkurs auf die Wiese. Es war ein geeigneter Tag für einen Rundgang mit dem Thema „ökologische Schweinehaltung“ auf seinem Biohof „Beim Schuster“ war. Die Hofführung fand im Rahmen des Naturparkjahresprogramms statt und wurde von Scherm als Landwirt sowie geprüftem Natur- und Landschaftspfleger spannend und fachkundig geleitet.
Seit dem Kauf des Hofes durch Vater Max Scherm im Jahr 1993, widmen sich beide neben eigener Schusterei und Ferienbetrieb der Zucht von Schwäbisch-Hällischen Landschweinen, die gut an ihrer charakteristischen schwarz-weiß Färbung zu erkennen sind. Zurzeit leben 86 Schweine mehrerer Generationen, sowohl männliche als auch weibliche, in ganzjähriger Freilandhaltung auf dem Biohof. Solange es für die einzelnen Tiere ausreichend Platz und Futter gibt, ist dieses natürliche Miteinander in der Rotte kein Problem. Die ausgelassen herumtobenden, drei Monate alten Ferkel, die neugierig näher kommende Sauen und der Zuchteber Rudi, der sich mit geschlossenen Augen zufrieden zum Streicheln niederlegt, wobei seine gefährlichen Eckzähne - seine Hauer - gut sichtbar werden, sprechen für sich. Schweine sind – ähnlich wie wir Menschen – entspannter, wenn sie viel Zeit draußen im Grünen verbringen dürfen. Aggressives Verhalten lässt bei ihnen auf mangelnde Bewegung schließen.

Bei seiner ökologischen Bewirtschaftung orientiert sich Scherm am natürlichen Kreislaufsystem: Er gewinnt einen Großteil des Viehfutters aus eigenem biologischen Anbau. Mittlerweile liegt der Anteil an Eigenproduktion sogar weit über dem für eine Bio-Zertifizierung nach EU Öko-Verordnung benötigten Maß. Auf synthetische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel wird auf dem Hof komplett verzichtet. Schweine, Hühner, Gänse, Ziegen und Esel produzieren Mist, den Ludwig Scherm als ökologischen Dünger auf die Felder ausbringt. Regelmäßig bekommen die Schweine altes Brot vom nahen Bio-Bäcker oder Molke aus der Käserei, um das Futter sinnvoll zu ergänzen. Da die Tiere letzten Endes geschlachtet werden, um als Bio-Fleisch auf dem Teller der Endverbraucher zu landen, ist es Scherm wichtig, „alles sinnvoll zu verwerten“ und das Tier „wertzuschätzen“.

Für ihn ist diese Art des Wirtschaftens eine Herzensangelegenheit, denn auch die Bio-Bauern haben sich, wie die konventionellen Landwirte, an viele Auflagen zu halten, um das Fleisch verkaufen zu dürfen. In Anbetracht der geringeren Zahl an Schweinen ist der Aufwand beträchtlich.

Dass der Aufwand auf einem Bio-Schweinehof zwar erheblich, auf jeden Fall jedoch lohnend für Mensch, Tier und Umwelt und daher jede Unterstützung Wert ist, wurde den Besuchern sehr deutlich – nicht nur durch die Ausführungen Scherms, sondern vor allem beim Anblick der „glücklichen Schweine-Großfamilie“, die besonders die jüngeren Teilnehmer der Hofführung faszinierte.

Mit Gedanken an das Konzept der „Solidarischen Landwirtschaft“, das lokale Landwirte vor Verlusten schützt und gleichzeitig Verbrauchern Zweifel an gesunder Produktion der Lebensmittel im Supermarkt erspart, endete die informative Hofführung.

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