Bodenmais ist reich an Naturschätzen. Manche – wie beispielsweise der „Urwald“ im Naturschutzgebiet und Naturwaldreservat „Rißloch“ - lassen sich jedoch nur erkennen, wenn man sich etwas Zeit für sie lässt, wenn man eintaucht in die Natur und ihre Zusammenhänge. Andere sind eher historischer Natur. Besonders anschaulich erschließen sie sich durch einen Zeitzeugen oder jemanden, der das Wissen von seinen Eltern und Großeltern „ererbt“ hat.

Kürzlich luden daher Joachim Haller, Erster Bürgermeister von Bodenmais, und Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald alle Einheimischen und Gäste dazu ein, auf einer Wanderung vom Rißloch zum Silberberg die Vielfalt der Bodenmaiser Naturschätzen kennenzulernen.

Bereits auf dem Weg vom Rathaus zum Rißloch zeigte Bürgermeister Haller den rund 20 Teilnehmern der Wanderung zwei Hinweise auf Bodenmaiser Naturschätze: Im Rißlochweg findet man – für den Außenstehenden leicht übersehbar – die „Talstation“ des Rißloch-Wasserkraftwerks, dessen anfangs des 20. Jahrhunderts errichteten „Kraftwerksbauten“ an der unteren Kaskade des Rißlochs heute unwissende Wanderer häufig für eine kleine Schutzhütte halten. Gestapelte Buchenbretter im hinteren Bereich des Rißlochwegs erinnern an andere Bodenmaiser „Erwerbszweige“: beispielsweise an die Herstellung von Stiften für Fernschreiber u.a. aus Buchenholz. Dass diese wirtschaftliche Nutzung des Waldes auch der Natur rund um Bodenmais nützen kann, verdeutlichte Dr. Isabelle Auer am Beispiel der Borkenkäferverbreitung: Anders als in manchen Teilen des Bayerischen Waldes dominiert in Teilen der Hochzellhänge heute nicht der Fichten-, sondern der Buchenwald. Da der Waldboden besonders im Frühjahr lichtdurchfluteter ist, ist die Artenvielfalt hier größer, als in einer reinen Fichtenmonokultur. Auch für Wanderer erscheint dieser Wald interessanter und abwechslungsreicher. Am vielfältigsten ist der Wald jedoch, wenn man ihn weitestgehend sich selbst überlässt, wie im Naturwaldreservat Rißloch: Hier werden Bäume nur gefällt, wenn sie drohen, auf den Wanderweg zu fallen und so Menschen gefährden. Ansonsten lässt man selbst vom Borkenkäfer befallene Bäume – Totholz – stehen. Sie bilden in der warmen Jahreszeit die „Übertagungsmöglichkeiten“ für einen anderen „Bodenmaiser Schatz“: die Fledermäuse.

Der Silberberg – Ziel der fünfstündigen Wanderung – ist in den Augen des Naturschutzes ein weiterer „Bodenmaiser Schatz“, da sein 35 Kilometer langes Stollensystem zu den bedeutendsten Fledermauswinterquartieren Deutschlands zählt. Dass er diese naturschutzfachliche Bedeutung erlangen konnte, war quasi ein „Nebenprodukt“ der wirtschaftenden Bodenmaiser. Geschichtlich gesehen, ist er wichtigstes Glied in der Entstehung- und Entwicklungsgeschichte von Bodenmais.

Und so wurde nach der Wanderung deutlich: Naturschutz und Wirtschaft sind keineswegs Gegensätze. Wenn der wirtschaftende Mensch – beispielsweise die Touristiker – eng mit dem Naturschutz zusammenarbeiten, profitieren beide Seiten davon: In unserer hektischen Welt wird eine intakte Natur immer wichtiger. „Natur- und Artenschutz“, so die Gebietsbetreuerin, „dient also damit vor allem auch dem Menschen. Nur dort, wo die Natur noch heil ist, fühlen sich auch die Menschen wohl.“    

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