Das Mittagsplatzl gilt unter Arberkennern als einer der schönsten Flecken rund um den „König des Bayerischen Waldes“: Da Wanderer von hier aus einen spektakulären Blick über den am Fuße der über 400 Meter hohen Arberseewand gelegenen Großen Arbersee bis ins Eisensteiner Tal genießen können, erscheint ihnen der besonders in der Hochsaison täglich von weit über tausend Ausflüglern besuchte See so, als wäre er Teil einer Modelleisenbahnlandschaft. Das Mittagsplatzl gilt wegen seiner Einsamkeit jedoch unter Naturliebhabern noch immer als Geheimtipp, Natur- und Artenschützer schätzen es vor allem als wichtigen Teil des Auerwildlebensraumes am Arber.

Kürzlich luden daher Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald und Gerlinde Wurm von der Touristinfo Drachselsried alle Interessierten – vor allem Familien mit Kindern – dazu ein, auf einer Naturerlebniswanderung vom Bretterschachten zum Mittagsplatzl spielerisch in den Lebensraum des bedrohten Wappenvogels des Naturparks Bayerischer Wald einzutauchen. Dass für dieses intensive Eintauchen, das „Sich-Einlassen“ auf die Natur, immer eine „Erweiterung des Blickwinkels“ Grundvoraussetzung ist, konnte jeder Wanderer mit Hilfe eines auf die Nase gelegten Taschenspiegels entdecken, der Groß und Klein selbst während des Gehens „neue Perspektiven“ eröffnete.

„Trotz eines geschulten Blicks“, so die Gebietsbetreuerin, „ist eine „echte Sichtung“ jedoch eher weniger wahrscheinlich“. Daher erklärte die Gebietsbetreuerin mit Hilfe eines Auerhahnpräparats, dass man bereits anhand der Schnabelform gut die Nahrungsgewohnheiten des Auerhuhn erkennen kann: Der gebogene Schnabel ist ein ideales Werkzeug zum Zupfen von Heidelbeeren und – im Winter - von Baumnadeln. Da diese Nadeln jedoch sehr wenig Energie liefern, kann jedes Aufgeschreckt-Werden im Winter beim Auerhuhn zum Tod führen. „Wichtig ist daher, dass sich alle Wintersportler – Skitouren- und Schneeschuhgeher – an die „naturverträglichen Routen“ halten, die die Touristinfo Bodenmais im letzten Winter in Zusammenarbeit mit dem behördlichen Naturschutz, dem Naturpark und dem Staatsforst erstellt hat: Einige der Routen befinden sich außerhalb des Auerhuhnlebensraumes und sind daher besonders naturverträglich. Andere Wege werden so häufig begangen, dass das Auerhuhn hier relativ an den Menschen gewöhnt ist. Doch auch hier müssen Natursportler in jedem Fall im Winter sowie während der Balz, Brut und Jungenaufzucht die markierten öffentlichen Wege und Loipen benutzen, um dem – neben dem Luchs - wichtigsten Werbeträger des Bayerischen Waldes nicht zu schaden.“

Gestärkt von vielen weiteren spannenden Hintergrundinformationen über die Arbeit des hauptamtlichen Naturschutzes im Arbergebiet, erreichten die rund 60 Teilnehmer das Mittagsplatzl, einen heute noch gelegentlich beweideten Schachten oberhalb des Großen Arbersees, wo vor allem die jüngeren Teilnehmer die Zeit nutzten, um sich die Wanderung mit Heidelbeeren zu versüßen und die älteren viel über das Naturschutzgebiet und Naturwaldreservat „Großer Arbersee mit Seewand“ erfuhren.

Und so konnten alle nach der wohl verdienten „Mittagsrast am Mittagsplatzl“ auf dem Rückweg zum Parkplatz Bretterschachten viele neue Eindrücke und Einblicke in die spannende Arbernatur verarbeiten. – Einblicke, die zeigen, wie schützenswert die Arberwelt und seine natürlichen Bewohner – beispielsweise Auerhuhn, Luchs, Fledermäuse – sind und wie sehr jeder einzelne von uns – nicht nur der Naturschutz und der Tourismus – von ihnen profitiert.

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