Wasserbüffelbeweidung: vom Pilotprojekt zum Erfolgsmodell 

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4. Büffelfest am Erlauzwieseler See

Waldkirchen (FRG). Wasserbüffel können Landschaftspflege. Dass dies nicht nur auf dem Papier funk-tioniert, sondern direkt vor Ort zu beobachten ist, davon konnten sich am Sonntag zahlreiche Besucher, über 400 geschätzt, beim 4. Naturpark-Wasserbüffelfest am Erlauzwieseler See überzeugen. Bei gutem Spätsommerwetter wurde nicht nur gefeiert, sondern auch auf die Entwicklung eines besonderen Natur-schutzprojektes zurückgeblickt. Organisiert wurde das Fest vom Naturpark Bayerischer Wald gemein-sam mit dem Trachtenverein Grenzlerbuam Ratzing. Die Grenzlerbuam übernahmen Bewirtung und mu-sikalische Gestaltung und sorgten mit ihrem engagierten Helferteam für Feststimmung. Besonders beliebt und am Nachmittag ausverkauft, waren die Wasserbüffel-Grillwürste vom Biohof Schmutzer. Vereinsvorstand Manfred Bichlmeier betonte: „Wir unterstützen das Büffelfest und -projekt jedes Jahr sehr gerne.“

Seit 2022 grasen die Wasserbüffel auf den feuchten Wiesen am Erlauzwieseler See. Was zunächst als Pilotprojekt des Naturparks Bayerischer Wald begann, hat sich inzwischen zu einem erfolgreichen Bei-spiel für praktische Landschaftspflege entwickelt. Dass sich auf den Flächen etwas verändert hat, ist inzwischen deutlich zu erkennen. Die Wasserbüffel halten die Wiesen offen, schaffen durch ihr unter-schiedliches Weideverhalten vielfältige Strukturen und kommen auch mit besonders nassen Bereichen gut zurecht. Wo zuvor eher gleichförmige Wiesen- und Hochstaudenbereiche dominierten, finden heute unterschiedlichste Pflanzen und Tiere geeignete Lebensräume. Feuchte Senken, offene Bodenstellen und unterschiedlich dicht bewachsene Bereiche schaffen ein Mosaik, von dem insbesondere Insekten, Am-phibien und Vögel profitieren. Gleichzeitig trägt die Beweidung dazu bei, Wasser in der Landschaft zu-rückzuhalten.

Naturschutz braucht viele Partner
Für Naturpark-Landschaftspfleger und Projektinitiator Marco Müller ist die Entwicklung ein gutes Beispiel dafür, was möglich wird, wenn Naturschutz und Landwirtschaft zusammenarbeiten. Eine entscheidende Rolle spielt dabei Landwirt und Wasserbüffelhalter Helmut Schmutzer. Gemeinsam gaben Sie beim Fest Einblicke in die Haltung der robusten Tiere und erklärten, warum gerade Wasserbüffel für solche Flächen geeignet sind.

Dass ein solches Projekt nicht von einer einzelnen Person umgesetzt werden kann, wurde auch beim Grußwort des Naturpark-Vorsitzenden Georg Bauer deutlich. Sein Dank galt unter anderem dem Wald-kirchner Stadtrat Franz Brunner, der sich frühzeitig für das Vorhaben eingesetzt hatte, dem Projektbe-treuer Marco Müller und insbesondere Landwirt Helmut Schmutzer. Bauer brachte die Bedeutung der Zusammenarbeit mit einem kurzen Satz auf den Punkt: „Ohne Wasserbüffel – kein Projekt, ohne Land-wirt – keine Büffel.“

Auch Stefan Radlmair, Leiter des Sachgebiets Naturschutz an der Regierung von Niederbayern, würdigte das Engagement der beteiligten Landwirte und Projektpartner. Am Beispiel der Büffelweiden werde deut-lich, wie Landwirtschaft, Landschaftspflege und Naturschutz erfolgreich miteinander verbunden werden können. „Sie sind die Gesichter der Landschaft und sie geben unserer Landschaft ein unverwechselbares Gesicht“, betonte Radlmair mit Blick auf die Landwirte und verwies damit auf ihre besondere Verantwor-tung für den Erhalt der Kulturlandschaft. Zugleich stellte Radlmair die Bedeutung verlässlicher Förder-möglichkeiten für den Naturschutz heraus. Sein Dank galt allen, die sich mit Kompetenz, Leidenschaft und Ausdauer für die Pflege wertvoller Lebensräume einsetzen. Im Rahmen der Kampagne „Gesichter der Landschaft“ macht die Regierung von Niederbayern dieses Engagement sichtbar.

Weitere wichtige Partner sind die Stadt Waldkirchen, beim Fest vertreten durch 3. Bürgermeister Hans Kapfer, sowie der Landkreis Freyung-Grafenau. Der notwendige Eigenanteil wird gemeinsam von Stadt, Landkreis und Naturpark Bayerischer Wald getragen. Unterstützt wird das Projekt darüber hinaus durch Fördermittel des Freistaats Bayern, des Bundes und der Europäischen Union.

Mit Fernglas, Schubkarren und viel Freude
Während die Erwachsenen bei Führungen und Gesprächen mehr über die Entwicklung der Weideflächen erfuhren, konnten die jungen Besucher spielerisch die Bedeutung der Wasserbüffelbeweidung entde-cken. Die Naturpark-Umweltstation Waldkirchen mit Johannes Matt und mit Naturpark-Ranger Markus Grünzinger wurden mehrere Wasserbüffel-Stationen vorbereitet. Mit Ferngläsern wurden die Tiere beo-bachtet, Nahrungskarten verrieten mehr über den Speiseplan der Büffel und verschiedene Mitmachstati-onen machten deutlich, wie die Tiere zur Artenvielfalt beitragen.

Gemeinsam für eine lebendige Kulturlandschaft
Besonders erfreulich ist für die Verantwortlichen, dass die Idee inzwischen über die Weiden am Er-lauzwieseler See hinaus Wirkung zeigt. Mittlerweile gibt es weitere entsprechende Beweidungsprojekte im Landkreis. Damit steht die Wasserbüffelweide am Erlauzwieseler See beispielhaft für einen Ansatz, bei dem Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen. Die Wiederherstellung eines attraktiven Landschaftsbildes und artenreicher Lebensräume werden hier auf ehemaligen Brachen oder Grenzer-tragsstandorten optimal mit einer artgerechten Tierhaltung und der Wertschöpfung für bäuerliche Fami-lienbetriebe durch die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel in Kombination mit finanzieller Unterstüt-zung durch die öffentliche Hand in Einklang gebracht.

Foto: Vier Jahre nach dem Start des Pilotprojektes ziehen die Verantwortlichen eine positive Bilanz. Beim Wasserbüffelfest kamen zahlreiche Projektpartner zusammen, darunter Vertreter von Naturpark, Stadt und Naturschutzbehörden sowie die Wasserbüffelhalter.
(Foto: S. Ewald, Naturpark)

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