Aus der Jahreshauptversammlung des Naturparks Bayerischer Wald

Marion Wittenzellner 

Viechtach. 
In der 50. Jahreshauptversammlung des „Naturpark Bayerischer Wald e.V.“ am Donnerstag in Engelsdorf (Gemeinde Rattenberg/Lkr. Straubing-Bogen) hat Vorsitzender Heinrich Schmidt, der an diesem Tag im Amt bestätigt wurde (VBB berichtete), die Wichtigkeit von Naturparken betont. „Naturparke bewahren und entwickeln Natur und Landschaft mit“, erklärte er.

Naturparke seien Vorbildlandschaften für die Entwicklung ländlicher Regionen und böten die Chance, auf 29 Prozent der bayerischen Landesfläche nachhaltige Entwicklung voranzutreiben, sagte er in seinem Bericht. Schon seit den 1950er Jahren werde durch Naturparke die Balance zwischen intakter Natur, wirtschaftlichem Wohlergehen und guter Lebensqualität angestrebt. Mit einer Fläche von rund 278 000 Hektar in vier Landkreisen und seinen 89 Mitgliedsgemeinden nehme der Naturpark Bayerischer Wald dabei eine Sonderstellung ein, weil er in seinem weitläufigen Gebiet zwischen Donau und Böhmerwald den ersten deutschen Nationalpark umschließe, in Nachbarschaft zu vier Großschutzgebieten stehe und eine bis dato einzigartig breite, schützenswerte Arten- und Naturausstattung besitze.

Auch heuer könne der Naturpark in Bezug auf die Zahl und die Qualität seiner Projekte in den Kernbereichen Landschaftspflege, Umweltbildung, Naturschutz und Erholungsvorsorge wieder ein ausgeglichenes Jahresergebnis vorweisen. So habe man etwa vermehrt Anstrengungen für den Erhalt unserer Kulturlandschaft und für den Arten- und Biotopschutz unternommen.

Mit einer Power-Point-Präsentation zeigte Schmidt die mannigfachen Aktivitäten des Naturparks. Darunter fanden sich diverse Artenschutzprojekte, Infotafeln und Lehrpfade, Landschaftspflegemaßnahmen, die Gebietsbetreuung „Großer Arber“, grenzüberschreitende Förderprogramme, die Feierlichkeiten zu 25 Jahren Grenzöffnung in Bayerisch Eisenstein, kulturelle Veranstaltungen im Grenzbahnhof, die Feier zum Naturpark-Jubiläum, Partnerschaften mit Tschechien 2015-2020, aber auch die Öffentlichkeitsarbeit. Zudem erinnerte er an die Auszeichnung des Bayerischen Pfahls als Nationales Geotop und an die Auszeichnung mit dem „Fahrtziel Natur Award 2016“. Darüber hinaus unterstütze man die Reaktivierung der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell und fordere unter dem Stichwort „Natur-Tourismus“ ferner die Anpassung der Förderrichtlinien in den Bereichen Regionalentwicklung, Tourismus und Wanderwege.

Der Vorsitzende dankte seinen engagierten Mitarbeitern, ohne die solch ein Jahresprogramm nicht zu bewerkstelligen wäre. Es sei die Aufgabe des Naturparks, Projekte vorzubereiten und zu begleiten, damit die Menschen davon profitieren, denn die Natur sei das Kapital für die Regionalentwicklung, bekräftigte er. Weil bei einer besseren finanziellen Grundausstattung noch wesentlich mehr Leistung möglich wäre, wolle man die Wertschätzung hierfür noch weiter vorantreiben. Immerhin musste man 2016 allein für Personal- und Sachkosten zirka 220 000 Euro ohne Förderung ausgleichen, und auch die Sanierung des Grenzbahnhofs in Bayerisch Eisenstein sei eine Herausforderung gewesen. Das laufende Darlehen konnte dank der Unterstützung des Landreis Regen durch eine Sondertilgung stark reduziert werden.

Eine Aufstockung der Grundfinanzierung sei längst überfällig, weil man mit der bisherigen Pauschale von 20 000 Euro die laufenden Geschäfte eines Naturparks solcher Größenordnung nicht finanzieren könne, mahnte Schmidt. Als stellvertretender Vorsitzender des Naturparkverbands Bayern habe er deshalb 2015 eine Initiative gestartet, den Freistaat bei der finanziellen Ausstattung seiner Naturparke besser in die Pflicht zu nehmen. 20 Jahre lang habe er versucht, über das Umweltministerium eine Verbesserung zu erreichen, jetzt sei er über den Umweltausschuss und über Abgeordnete zum Erfolg gekommen: Insgesamt würden die Finanzmittel für alle 18 Bayerischen Naturparks ab 2017 um eine Million Euro aufgestockt. Des Weiteren hoffe er auf eine einvernehmliche Regelung für die finanzielle Unterstützung durch den Bezirk Niederbayern, nachdem er den Bezirken in Bayern nachgewiesen habe, dass Naturschutz und Landschaftspflege auch deren Aufgabe sei. Eines jedoch dürfe nicht noch einmal passieren, dass das Geld, um das man zuerst gekämpft habe, danach wieder abgezogen wird, weil kleinere Naturparke bei der momentan praktizierten Verteilung der Mittel überproportional bevorteilt werden, kritisierte Schmidt.

Zuvor hatten die Anwesenden mit einer Schweigeminute der verstorbenen Mitglieder gedacht, besonders dem Motor der ehrenamtlichen Modelleisenbahnbaugruppe Otto Eichler, der Anfang des Jahres einer schweren Grippe erlegen war. In den nachfolgenden Grußworten dankte Bürgermeister Dieter Schröfl dem Naturpark für die Arbeit, von der auch die Mitgliedsgemeinden profitieren.

Er habe hier einige schöne Slogans gesehen, die aufzeigten, worauf wir stolz sein dürfen, befand Straubings Landrat Josef Laumer. Der Naturpark Bayerischer Wald sei mehrfach ausgezeichnet und habe in den 50 Jahren wahrlich Erfolgsgeschichte geschrieben. Heinrich Schmidt und seine Mitarbeiter seien Kämpfer für diesen Naturpark.

MdB Alois Rainer lobte das Jahresprogramm. Wenn man dann noch dazu unter so vielen Naturparks in Bayern zwischen 50 und 60 Prozent der Fördermittel abschöpfe, dann habe man alles richtig gemacht, konstatierte er. Diese Fördermittel kämen den Kommunen wie auch den Menschen zugute. Denn Tourismus sei zwar richtig und wichtig, aber „wir leben hier, also machen wir es in erster Linie für uns und für unsere Heimat“.

Geschäftsführer Hartwig Löfflmann warf in seinem Bericht einen Blick auf die Aktivitäten in den vier klassischen Naturpark-Aufgabenfeldern während des abgelaufenen Vereinsjahres. So habe man im Bereich „Naturschutz und Landschaftspflege“ den Schwerpunkt des botanischen Artenschutzes auf das Holunderknabenkraut und auf den Böhmischen Enzian gelegt. Außerdem sei man verstärkt in der Pflege der Naturschutz- und FFH-Gebiete, beim Artenschutz (vor allem Fledermäuse) und beim Netzwerk Streuobst tätig geworden.

Im Bereich „Erholung und Besucherlenkung“ habe man Lehrpfade erneuert, Schutzhütten mit dreisprachigen Infotafeln versehen, den Rinchnacher Info-Pavillon neu gemacht, die gemeindebezogenen A3-Karten im Internet gepflegt und einige Wanderkarten ersetzt. Problematisch sei es aber laut Löfflmann, wenn die Markierungshoheit des Naturparks beim Wanderwegekonzept mit neuen Ideen der Gemeinden kollidiere. Er machte unmissverständlich klar, dass der Naturpark seine Beschilderung nicht aufgebe.

Im Bereich „Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit“ habe man unter anderem diverse Fortbildungen, Vorträge und Exkursionen durchgeführt und wöchentliche Führungen an Ilz, Pfahl und Arber sowie im gesamten Naturparkgebiet angeboten sowie die geführte Zugfahrt „Trans Bayerwald Express“ von Plattling nach Bayerisch Eisenstein konzipiert.

Im vierten Schwerpunktbereich „Regionalentwicklung“ könne der Naturpark laut Löfflmann mangels Fördermöglichkeiten nur ideelle Unterstützung etwa durch Beratung, Auslage von Faltblättern oder die Vorstellung regionaler Produkte und Vermarkter auf der Internetseite leisten. Soweit möglich, nehme man auch mit Infoständen auf Bauern- und Regionalmärkten teil.

Des Weiteren habe der Naturpark eine Stelle im Bundesfreiwilligendienst, eine FÖJ-Stelle sowie für zweimal drei Monate einen Praktikantenplatz besetzt; vier weitere Bufdi-Stellen müssten allerdings aufgrund der Finanzmittelknappheit beim Bund leider frei bleiben. Die Erhebung des Sonderbeitrags werde ab 2017 wieder eingestellt. Der Haushaltsnachweis 2016 belege deutlich den eisernen Sparkurs, auf dem man sich befinde. Nichtsdestotrotz hatte man ein Defizit von 44 918,42 Euro zu verzeichnen. Der Kontostand und das Barvermögen betrugen zum Jahreswechsel 58 634,27 Euro.

Die beiden nicht persönlich anwesenden Kassenprüfer Anton Bernreiter und Oskar Heindl erklärten in einer schriftlichen Stellungnahme, dass die Kasse am 24. Januar geprüft und in Ordnung befunden wurde. Die Versammlung folgte daraufhin ihrem Vorschlag und erteilte der Schatzmeisterin und dem Vorstand einstimmig die Entlastung.

Der Geschäftsführer stellte auch den Haushaltsplan 2017 vor. Dieser lasse ein Minus von 41 560,89 Euro und einen Kontenstand von 17 073,38 Euro erwarten. Insgesamt betrachtet sei der Kassenstand des Naturparks auf einem neuen Tiefststand, aber der Vermögensstand inklusive der Immobilien auf einem Rekordhoch. Entscheidend für den Jahresendstand werde die Entwicklung der zahlenden Gäste im Grenzbahnhof sein, betonte der Geschäftsführer. Der Haushaltsplan wurde von der Versammlung einstimmig angenommen.

Es sei immer ein Problem, so eine Vielzahl von Projekten abzuwickeln und vorzufinanzieren, merkte Heinrich Schmidt zu diesen Zahlenwerken an. Als kleinen Erfolg habe man jetzt zumindest in Teilbereichen Abschläge für die Personalkosten erreicht. Das Thema werde man noch angehen.

Vertreter des Bund Naturschutz aus Passau mahnten am Ende noch einen sorgsameren Umgang beim Flächenverbrauch an. Sie baten den Naturpark, in den Gemeinden darauf hinzuwirken, dass nicht überall Gewerbegebiete entstehen. Damit lösten sie eine kurze intensive Diskussionsrunde aus. Schmidt fand den Appell zwar berechtigt, weil Bayern den höchsten Flächenverbrauch aller Bundesländer aufweise, erinnerte aber daran, dass die Entwicklung einer Region auch mit der Schaffung von Arbeitsplätzen zusammenhänge. Der Geiersthaler Bürgermeister Anton Seidl gab zu bedenken, dass der größte Flächenverbrauch an den Großstadträndern herrsche; die hiesigen Bürgermeister dagegen seien gefordert, Arbeitsplätze zu schaffen, weil sie die Leute auch für ein intaktes Gemeindeleben brauchen.

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