Auszeichnung „Bahnhof des Jahres 2017“ wurde mit Festakt am Sonntag gefeiert

Christina Hackl 

Bayer. Eisenstein. Mit einer Anzeige in der Süddeutschen Zeitung fing 2006 alles an: Naturpark-Vorsitzender Heinrich Schmidt erfuhr beim Lesen der Annonce, dass der Grenzbahnhof in Bayerisch Eisenstein verkauft werden soll. Gemeinsam mit Geschäftsführer Hartwig Löfflmann setzte er sich dafür ein, dass der Naturpark das historische Gebäude kaufte. 7,3 Millionen Euro sind seither in den Umbau zu einem modernen Umweltbildungs- und Informationszentrum geflossen. Im Sommer hat die „Allianz pro Schiene“ dem Grenzbahnhof den Titel „Bahnhof des Jahres 2017“ verliehen. Am Sonntag wurde diese Auszeichnung im Rahmen eines Festaktes gefeiert.

Im Restaurant des Bahnhofs, einst der Wartesaal für die Reisenden der 1. Klasse, konnte Heinrich Schmidt eine ganze Reihe von Ehrengästen begrüßen, darunter Staatsminister Helmut Brunner, MdL Max Gibis, Landrat Michael Adam sowie Vertreter der „Allianz pro Schiene“ und der Deutschen Bahn. „Unser Ziel war es, dass der Grenzbahnhof in öffentlicher Hand bleibt und einen Beitrag zur Regionalentwicklung leistet“, sagte Schmidt im Rückblick auf die vergangenen Jahre.

Er dankte allen, die am Kauf und am Umbau des Gebäudes beteiligt waren. „Es war ein Gewaltakt, aber wir haben es geschafft und wir haben diesen Schritt auch nie bereut“, betonte der Naturpark-Vorsitzende. Die Auszeichnung zum schönsten Tourismus-Bahnhof des Jahres sei eine große Freude für ihn und sein Team – verbunden mit der Hoffnung, dass bald noch mehr Besucher als bisher den Grenzbahnhof ansteuern werden.

„Die Auszeichnung ‘Bahnhof des Jahres’ ist ein Ritterschlag für alle, die sich seit Jahren für die Sanierung des Grenzbahnhofes eingesetzt haben und ein Impuls für die Bemühungen, Bayern und Tschechien über die Schiene noch stärker zu verbinden“, betonte Staatsminister Helmut Brunner bei seiner Festrede.

Bayern sei Bahnland, so Brunner. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft bestelle und finanziere Verkehrsleistungen auf 6 000 Streckenkilometern, das entspreche der Strecke von Paris bis New York. Alleine die bayerischen Regionalzüge und S-Bahnen würden täglich mehr als 330 000 Kilometer zurücklegen und damit theoretisch achtmal am Tag die Erde umrunden. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn sei man auf einem guten Weg, die fast 1100 Bahnhöfe und Haltepunkte in Bayern zu modernisieren und barrierefrei auszubauen.

„Die Sanierung des Grenzbahnhofs Eisenstein ist dem Naturpark Bayerischer Wald mit seinem Vorsitzenden Heinrich Schmidt und Geschäftsführer Hartwig Löfflmann zu verdanken“, betonte Brunner und fügte hinzu: „Das war eine kluge und auch eine sehr mutige Entscheidung, die dazu geführt hat, dass der Grenzbahnhof heute ein Leuchtturm für die ganze Region ist“. Die Auszeichnung „Bahnhof des Jahres“ sei ein guter Anlass, allen, die diese Gemeinschaftsleistung ermöglicht haben, zu danken.

„Der Grenzbahnhof ist mehr als ein historisches Gebäude. Mitten durch diesen Bahnhof verlief im Kalten Krieg die Grenze zwischen Ost und West. Hier feierten am 2. Juni 1991 tausende Menschen mit Bundeskanzler Helmut Kohl den Fall des Eisernen Vorhangs und die Wiedereröffnung des grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehrs. Heute ist der Grenzbahnhof ein Symbol für das Zusammenwachsen Europas“, stellte Brunner fest. Der Bayerische Wald biete viele attraktive Reiseziele und Brunner appellierte an Einheimische und Touristen: „Nutzen Sie die Möglichkeiten der Wald bahn!“

Der Bahnhof sei nicht nur ein Sprungbrett für Ausflügler, er sei selbst zum lohnenden Ausflugsziel geworden, ergänzte Karl-Peter Naumann, Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender und Jury-Mitglied bei der Auszeichnung „Bahnhof des Jahres“. Diverse Musen im Bahnhof, eine spannende Bahnhofsallee, Gastronomie auf deutscher und tschechischer Seite – „mehr Bahnhof geht eigentlich nicht“, meinte Naumann.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Finken-Preisträger Anderl Schmid. Einige Naturpark-Mitarbeiter und Bahnfreunde waren zudem in historischen Kostümen dabei, um an das Jubiläumsjahr der Bayerischen Waldbahn zu erinnern, denn vor genau 140 Jahren wurde der Bahnbetrieb zwischen Plattling und Eisenstein aufgenommen.

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