Viechtach. Seit Anfang September ist in Viechtach ein neuer Kindergarten in Betrieb: der Naturpark- und Waldkindergarten Stadt Viechtach. 13 Kinder werden dort von Leiterin Isabella Klingseisen und ihren Kolleginnen Katharina Johns und Ilona Sinanaj nach waldpädagogischen Gesichtspunkten betreut. Am Donnerstag wurde der Kindergarten nun offiziell seiner Bestimmung übergeben.
Bürgermeister Franz Wittmann konnte zu dieser zweiten Kindergartenfeierstunde binnen einer Woche – nach dem Abschluss der Sanierung des Blossersberger Kindergartens „Sonnen-Blume“ – neben dem Naturpark-Vorsitzenden Heinrich Schmidt und Stadtpfarrer Dr. Werner Konrad auch Martin Hackl vom Kreisjugendamt als Vertreter des Landkreises Regen, seine beiden Stellvertreter und etliche Stadträte, das Kindergartenteam, etliche Eltern, Mitarbeiter des Bauhofs und der beteiligten Firmen sowie Christina Tetek begrüßen, die in der Stadtverwaltung für die Kindergärten zuständig ist. Wittmann steht voll hinter dem Projekt des Waldkindergartens, das rund um die neue Schutzhütte, zu der die Alte Schmiede am großen Pfahl umgebaut wurde, entstanden ist. Er zeigte sich sehr zufrieden mit der Leistung, dass ohne Architekt und ohne Förderung parallel zur Sanierung eines anderen Kindergartens eine weitere Einrichtung für Kinder „aus dem Boden gestampft“ werden konnte.
Naturpark-Vorsitzender Heinrich Schmidt sprach von einem Alleinstellungsmerkmal des Kindergartens, der der erst dritte Naturpark-Kindergarten im Freistaat sei. Nur aufgrund der offiziellen Zertifizierung durch den Verband Deutscher Naturparke (VDN) könne der Naturpark Bayerischer Wald das Projekt finanziell und personell unterstützen, wie dies durch Naturpark-Mitarbeiter Matthias Rohrbacher geschehen solle. Zwar sei er anfangs etwas skeptisch gewesen, doch seien seine Bedenken wegen des Geländes am Großen Pfahl, das seit 1990 im Besitz des Naturparks sei, sehr schnell zerstreut worden.
Er freue sich sehr über das „fundierte Konzept“, das Kindergartenleiterin Isabella Klingseisen für die Einrichtung geschaffen habe. Die Kinder, denen dieser Tag in erster Linie gelte, würden durch das hervorragende Umfeld in der Natur „für ihr ganzes künftiges Leben im Sinne des Umweltgedankens geprägt“, unterstrich Heinrich Schmidt.
Dass dies gerade für Eltern auch zweischneidig sein könne, ließ Jugendamtsleiter Martin Hackl in seinem Grußwort als Vertreter des Landkreises durchblicken. Er habe selbst seine beiden Kinder in einen Waldkindergarten geschickt und da müsse man sich als Elternteil schon einmal damit abfinden, dass die Kinder nicht mehr zu erkennen seien, wenn sie vom Spielen in Wasser und Lehm zurückkämen. „Ich wollte meine beiden einmal abholen“, schilderte er augenzwinkernd eine Begebenheit. „Und ich konnte sie auf dem ersten Blick nicht in der Gruppe entdecken, die da aus dem Wald kam“.
Zu verhindern, dass derlei die Regel wird, gehört mit zu den Aufgaben von Isabella Klingseisen und ihrem Team. Vor allem aber wollen sie den Kindern, die ihnen anvertraut sind, die Natur nach waldpädagogischen Grundsätzen nahebringen. Diese orientieren sich an dem Motto: „Nur was ich kenne, kann ich lieben. Nur was ich liebe, kann ich schützen.“
Zu den pädagogischen Prinzipien im Waldkindergarten gehört etwa, dass alles ein wenig langsamer und einfacher sei, dass die Kinder keiner so großen Reizüberflutung ausgesetzt würden, dass größerer Wert auf handwerkliches und motorisches Geschick gelegt werde und dass durch den Aufenthalt in der freien Natur beinahe automatisch das Immunsystem der Kinder gestärkt werde. Ansonsten jedoch müssen die gleichen Anforderungen erfüllt werden, die das Bayerische Kindergartengesetz (BayKiBiG) auch für „normale“ Kindergärten in einem Gebäude vorsieht.
Nachdem die Kinder das Gelände mit einem indianisch anmutenden Danklied samt Trommeln und Geheul in Besitz genommen hatten, spendete Stadtpfarrer Dr. Werner Konrad noch den Segen Gottes für die neue Bildungseinrichtung.

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