Das Rebhuhn - ein heimlicher Feldbewohner ist Vogel des Jahres 2026

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Naturpark und LBV informierten im Naturparkhaus

Ruth Waas vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz LBV zeigte ein fesselndes Porträt im Naturparkhaus Zwiesel. Deutschland hat einen neuen Vogel des Jahres: 2026 trägt das Rebhuhn (Perdix perdix) den Titel und löste damit den Hausrotschwanz ab. Die Menschen haben eine europaweit stark gefährdete Vogelart gewählt und ihr so die dringend nötige Aufmerksamkeit verschafft. Das Rebhuhn ist ein echter Charaktervogel der Feldflur, der einst häufig zu beobachten war. Sein Bestand ist seit den 1970er Jahren und noch deutlicher um 1990 dramatisch zurückgegangen. In Bayern leben Schätzungen zufolge nur noch um die 5000 Brutpaare. Die Gründe: Feldraine und Hecken verschwinden und die Insektennahrung ist spärlich geworden. Aber auch Fressfeinde und hohe Winterverluste setzen den kleinen Restbeständen zu. In Bayern darf das Rebhuhn im September und Oktober sogar noch gejagt werden. Auch im Landkreis Regen ist der ehemals gute Bestand dieser Vogelart drastisch eingebrochen. In den letzten Jahren konnten keine Bruten mehr festgestellt werden.
Nach der Begrüßung durch den Hausherrn Hartwig Löfflmann und die Vorsitzende der LBV Kreisgruppe Regen Dorothea Haas stellte die Biologin Ruth Waas den Jahresvogel mit vielen ansprechenden Bildern vor. Er hat die Wahl unter seinem Motto „Für Felder voller Leben“ als Stellvertreter aller Feldvögel mit großem Abstand vor Amsel, Waldohreule, Schleiereule und Zwergtaucher gewonnen.
Ruth Waas bezeichnete das Rebhuhn als „Fieberthermometer“ für die Arten der Agrarlandschaft. Als Bodenbrüter benötigt der Hühnervogel unbearbeitete Altgrasstreifen, Brachen und Feldraine. Auf Stoppelfeldern findet es Körner und Samen als Nahrung und die eiweißreichen Insekten für die Jungenaufzucht. Diese schlüpfen gleichzeitig aus den bis zu 15 Eiern und sind als Nestflüchter sofort mobil. Die Rebhuhnfamilie aus Eltern und diesjährigen Jungvögeln bildet eine sogenannte „Kette“, die die Felder zu Fuß durchstreift. Geflogen wird eher ungern.
In Deutschland gibt es zahlreiche Rebhuhnprojekte, eines davon auch in Niederbayern bei Straubing. Unter dem Motto „Rebhuhn retten-Vielfalt fördern“ werden in Zusammenarbeit von Naturschutz, Landwirten und Jägern mehrjährige Blühflächen angelegt, die aber mindestens 20 m breit sein müssen (gute Infos gibt es unter www.rebhuhn-retten.de). Die gute Botschaft ist, dass solche Maßnahmen spürbare Zuwächse des Bestandes bringen und daher der Rückgang auch wieder umkehrbar wäre. Leider ist dies seit 1991, wo das Rebhuhn schon einmal Vogel des Jahres war, nur punktuell in Projektgebieten und nicht flächendeckend gelungen.
Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 2021 wird er durch eine öffentliche Wahl bestimmt. 1996 startete die LBV Kreisgruppe ihre gemeinsame Vortragsreihe zusammen mit dem Naturpark Bayerischer Wald, die seitdem ohne Unterbrechung durchgeführt wird.
Text: Rosi Wagenstaller

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