Ein kleine Population lebt auf der Rusel – Langläufer haben ein besonders freches Tier fotografiert

Katrin Schreiber 

Bischofsmais. Es ist der größte flugfähige Waldvogel, es steht auf der roten Liste der gefährdeten Arten und Menschen gegenüber ist es besonders scheu und zurückhaltend. Ein Auerhuhn bekommt man dementsprechend selten zu Gesicht – und wenn doch, soll man es unbedingt in Ruhe lassen.

Aber von alledem hält dieser Auerhahn wohl nicht viel: Aufgeplustert und in Balz-Gebärde zeigt er den Langläufern rund um die Oberbreitenau, wer der Herr der Loipe ist. Peter Trenner aus Neuhausen im Landkreis Deggendorf hat so etwas zum ersten Mal in seiner 50-jährigen Langlauf-Karriere gesehen. Er hat den Auerhahn letzte Woche auf der Höhenloipe mit dem Handy in Szene gesetzt. Ähnliche Bilder hat Willi Obermeier aus Schöllnach geschossen, der sich schon fast angegriffen fühlte von dem Tier.

„Der Hahn ist gerade vollgepumpt mit Testosteron“, erklärt schmunzelnd Johannes Matt vom Naturpark Bayerischer Wald. Matt ist zwar Gebietsbetreuer für die Arberregion, weiß aber sehr wohl, dass auch auf der Rusel eine kleine Population mit vielleicht zehn Tieren lebt. Auch Jürgen Völkl, als Forstbetriebsleiter in Bodenmais für die Ruselwälder zuständig, bestätigt der PNP, dass er mindestens seit Mitte der 90er Jahre von den Tieren dort weiß – wie viele es sind, sei aber schwer zu sagen.

Das Auerhuhn ist das Wappentier des Naturparks, und seit vielen Jahren genießt es große Aufmerksamkeit. Momentan, schätzt Johannes Matt, leben etwa 550 Tiere im Bayerischen Wald und im Böhmerwald – gerade so die Untergrenze, um das Überleben der Art zu sichern. Die Zahl habe sich über die vergangenen Jahre stabilisiert. Zugute kommen den Vögeln zum Beispiel die Windwurfflächen nach dem Orkan Kyrill im Jahr 2007. Weniger dicht bewachsene Flächen mit nachwachsendem Jungholz sind für das Auerhuhn attraktiver als dichterer Wald, erklärt Matt. Auch die milderen Winter der vergangenen Jahre waren für die Tiere gut, so konnten mehr Jungvögel überleben.

Auf die Ergebnisse aus einem Monitoring-Projekt von 2017 warten die Verantwortlichen noch. Für das Projekt hatten sich Naturpark, Nationalpark und die Kollegen auf der tschechischen Seite zusammengetan, um mehr über die Auerhuhn-Population zu erfahren.

Denn zu sehen, sagt Jürgen Völkl, bekommt man die Tiere nicht, schon gar nicht, so lange Schnee liegt. Sie suchen Schutz unter verschneiten Fichtenzweigen, die sie wie ein Iglu umgeben, und sparen Energie, indem sie dort bleiben. Vor Menschen flüchten sie, was sehr viel Kraft kostet. Jürgen Völkls Bitte: Die Tiere unbedingt in Ruhe lassen, das ist der beste Schutz. Das gilt auch für die Zeit zwischen Ende Februar und Anfang März, wenn um die Gunst der Hennen gebalzt wird.

Der Hahn auf der Loipe jedoch ist offensichtlich ein ganz besonders frecher Vogel. Er ist etwas früh dran mit der Balz und lässt sich von Menschen nicht vertreiben – damit ist er Förstern und Arbeitern im Wald auch früher schon aufgefallen. Und in so einem Langläufer sieht er anscheinend nichts anderes als einen Balz-Konkurrenten, der vertrieben werden muss – deswegen gibt er ganz dreist den großen Macker.

Dass Auerhähne Radler angepickt oder Fußgänger-Rücken besprungen haben, soll schon vorgekommen sein, „und das ist dann auch kein Spaß“, weiß Völkl aus Erzählungen. Persönlich kennt er aber niemanden, dem das passiert ist.

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