Bayer. Eisenstein. Hoch erfreut über das überwältigende Interesse an dem neuen Buch „Im Lande der Künischen Freibauern“ zeigte sich Harald Steiner am Freitagabend im historischen Wirtshaus des Grenzbahnhofs. Er ist 1. Vorsitzender des Arbeitskreises für den mittleren Böhmerwald „Künische Freibauern“ und Initiator für die mittlerweile fünfte überarbeitete Ausgabe nach der Erstfassung vor 40 Jahren. Auf Steiners „hartnäckige Initiative“ hin erarbeitete der Arbeitskreis, bestehend aus 25 Mitgliedern, die Neufassung von Band 1 und arbeitet auch bereits an Band 2, der im April 2020 erscheinen wird.
„Niemands Herr, niemands Knecht – das ist künisch Bauernrecht.“ Das war der Leitspruch der Künischen Freibauern. „Mit Axt, Säge und Pflug besiegten sie den Wald, bauten sich stattliche Höfe und wirtschafteten dort als freie Bauern. Acht Gerichte hatte das künische Gebiet: St. Katharina, Hammern, Eisenstraß, Seewiesen, Haidl, Kochet, Stadln und Stachau“, erläuterte Harald Steiner bei seiner Begrüßungsrede und forderte: „Dieses Wissen sollte in den Schulen vermittelt werden“.
Er begrüßte eine stattliche Anzahl von Ehrengästen aus Bayern, Böhmen und Österreich namentlich und bedankte sich bei allen Referenten und Mitwirkenden herzlich. Seinen besonderen Dank richtete er an den Morsak Verlag, der dem kleinen Verein nur die Druck- und Vertriebskosten für das Buch in Rechnung stellte.
Auf Anregung des Geologen und AK-Mitglieds Fritz Pfaffl taufte Steiner das gewichtige Werk mit Goldsand aus der Wottava (Otava), den er wenige Tage vor der Buchvorstellung in der Nähe der Goldstadt Bergreichenstein gesucht hatte und übergab die ersten Exemplare an enge Mitarbeiter und Referenten.
Bezirksrat und Hausherr Heinrich Schmidt freute sich, dass die Buchvorstellung „an diesem historischen Ort“ stattfand. Er betonte, dass das Gebäude ein Zeichen für eine erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit sei und dass die Geschichte der Künischen Freibauern, welche die Grenze zwischen Bayern und Böhmen schützten, es unbedingt Wert sei, für die Nachwelt erhalten zu werden.
Stellvertretender Landrat Willi Killinger sagte: „Die Geschichte der Künischen Freibauern lehrt, wie sich die Dinge im Laufe der Zeit entwickelt haben. Die Menschen haben über hunderte von Jahren für ihre Freiheit und ihre Rechte gekämpft. Sie sind füreinander eingestanden und haben auch Widerständen getrotzt“.
Seit Beginn der Besiedelung des Böhmerwaldes seien die Künischen Freibauern ein Teil der Region gewesen. Das habe sich jedoch schlagartig mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geändert, nachdem die meisten von ihnen vertrieben wurden. „Von daher muss uns die Geschichte auch eine eindringliche Mahnung sein“, so Killinger.
Ivo Grüner, Vizepräsident für regionale Entwicklung, EU-Fonds und Informations-Technologie aus Pilsen, sprach im Namen des Pilsner Bezirks: „Wir schätzen die gegenseitige Achtung und Freundschaft. Ich sehe dieses Buch als Teil der Freundschaft zwischen Böhmen und Bayern“.
Bürgermeisterin Lenka Sýkorová aus Dešenice (Deschenitz) erinnerte sich an ihre archivalische Praxis im Staatsarchiv Klattau. Autorin Maria Frank habe seinerzeit im Archiv Klattau für das erste Buch recherchiert. Sie habe immer eine herzliche Beziehung zu ihrem Geburtsland gehabt, sagte sie und fuhr fort: „Es freut mich sehr, dass dieses Interesse am Land Eurer Vorfahren im Böhmerwald weiter fortdauert“.
In seiner geschichtlich fundierten und unterhaltsamen Laudatio erzählte Dr. Gernot Peter, Leiter des Böhmerwaldmuseums in Wien, dass dieses Buch über die Künischen Freibauern und auch weitere Dokumente, wie zum Beispiel die seines Vorfahren Johann Peter, dem „Rosegger des Böhmerwaldes“, ihn vor fast 30 Jahren dazu veranlasst hatten, sich mit seiner Familiengeschichte zu befassen. Das erste Buch „Im Lande der Künischen Freibauern“ habe ihn über Jahre begleitet und sei eine wichtige Quelle für das Böhmerwaldmuseum in Wien geworden.
Peter sagte: „Die Zeiten waren damals andere, aber die Motive ähneln den heutigen. Die Herrscher der damaligen Zeit, heute würde man sagen Politiker, waren auf der Suche nach Einnahmequellen und kamen auf die Idee, auch aus dieser schneereichen, unwirtlichen Gegend Geld herauszuholen, indem sie Siedler mit steuerlichen und sonstigen Vorrechten ausstatteten. ‘Niemands Herr und niemands Knecht, das ist künisch Bauernrecht‘ hieß es damals, heute würde man vielleicht ‘autonome Steueroase’ dazu sagen“.
Den Verlegern Hans Schopf und Steffi Friedl war es ein großes Anliegen, dass die Geschichte der Künischen Freibauern für die Nachwelt erhalten bleibt. „Wir wissen genau, dass wir von diesem Buch nur eine sehr kleine Auflage verkaufen können, aber wir wollten es trotzdem machen, weil es so wichtig ist“, erklärte Schopf und endete mit einem Zitat von Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt: „Und noch in anderer Beziehung zeichnen sich die deutschen Freibauern rühmlich aus, nämlich, dass sie mit ihren böhmischen Nachbarn in Frieden leben wollen.“
Alle Redner dankten den Mitwirkenden „für ihren großartigen Einsatz“. Bezirksrat Heinrich Schmidt überreichte dem Vorsitzenden des Arbeitskreises im Namen des Bezirks Niederbayern für seinen „enormen ehrenamtlichen Einsatz“ zwei Gutscheine für die Therme in Bad Füssing. Harald Steiner bedankte sich bei Miroslav Marek für seine große Unterstützung bei der Buchherstellung mit einer Skulptur der Künstlergruppe „Männerhaut“, auf der das Künische Wappen dargestellt ist. Krönender Abschluss der Feier war eine Powerpoint Präsentation, mit welcher Emil Kintzl zusammen mit Übersetzer Edmund Stern verschwundene Orte im Land der Künischen Freibauern vorstellte.
Hervorragend musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch Philipp Oberparleiter aus München, Preisträger des Sudetendeutschen Kulturpreises. Mit dem in zwei Sprachen gemeinsam gesungenen Lied „Es war im Böhmerwald“ endete die würdige Veranstaltung.

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