Der Bayerische Pfahl    

Vor über 300 Millionen Jahren erstreckte sich quer durch Europa ein Gebirge, das noch um einiges breiter war als die heutigen Alpen und sich durch das Aufeinandertreffen der Europäischen und der Afrikanischen Platte gebildet hatte. In den nachfolgenden Jahrmillionen wurde es tiefreichend abgetragen, so daß man heute an den Orten, an denen es an der Erdoberfläche aufgeschlossen ist, in sein Inneres blicken kann. Eine der Strukturen, die dabei zum Vorschein kommen, ist der Bayerische Pfahl, der wie eine bloßgelegte Wirbelsäule aus dem Boden ragt.
Der Bayerische Pfahl bei ViechtachDer Pfahl ist eines der auffälligsten geologischen Objekte Bayerns. Er ist ein geradliniger Quarzgang-Zug, der sich über 150 km von Nabburg im Nordwesten bis Passau im Südosten durch das nordostbayerische Grundgebirge erstreckt. Das fast ausschließlich aus Quarz bestehende Pfahlgestein bildete sich in mehreren Phasen. Die Linie, der der Pfahl folgt, ist eine knapp 300 Millionen Jahre alte Störungszone, entlang derer sich zwei Bereiche der Erdkruste aneinander vorbei bewegten und die angrenzenden Gesteinspartien wie zwischen zwei Mühlsteinen in feinste Mineralkörner zerrieben. Diese bilden heute das weiche Gestein der "Pfahlschiefer". Im komplizierten Spannungssystem entstanden auch Fiederspalten, in die aus dem Untergrund Quarzlösungen eindrangen. Aus ihnen kristallisierte der eigentliche Pfahl-Quarz aus.
Dieses harte Gestein ist gegen Verwitterung und Abtragung wesentlich widerstandsfähiger als die weichen Pfahlschiefer, so daß es als Härtling in der Landschaft stehen bleibt. Die Pfahlquarz-Körper bilden linsenförmige Gebilde mit einer Länge von bis zu 1000 m und einer Breite von maximal 100 m. Ihre Längsachse liegt in einen spitzen Winkel zur Längserstreckung der gesamten Pfahlschiefer-Störungszone.

nach einer Abbildung der Flurbereinigungsdirektion Landau a.d. IsarIm Bereich einer Störungszone wird das Gestein wie zwischen zwei Mühlsteinen zu feinkörnigen "Pfahlschiefern" zerrieben.Aus dem Untergrund dringen Quarzlösungen in die Störungszone ein und bilden den Pfahlquarz.Die spätere Verwitterung und Abtragung präpariert den harten Pfahlquarz aus seinem Nebensgestein heraus

Ausflugstips:

Entlang fast der gesamten Länge des Bayerischen Pfahls existiert ein Wanderweg. Besonders eindrucksvoll sind die Quarzfelsen bei Viechtach, wo es auch einige Informationen zu einem ehemaligen Steinbruchbetrieb im Pfahlquarz gibt.
Wesentlich abgelegener, aber nicht minder schön, präsentiert sich der Pfahl zwischen Thierlstein und Radling, entlang eines ehemaligen geologischen Wanderweges, der in den 70er Jahren angelegt worden ist.


  © Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie