Die „Acht-Tausender-Tour“, die Wanderung über den Höhenkamm zwischen dem Eck und dem Großen Arber, gilt unter Bayerwaldkennern als eine der schönsten, aber auch eine der anspruchsvolleren Wanderungen im Bayerischen Wald: Zum einen, da die Route an wenigen Stellen, wie etwa am Schwarzeck, schon fast einen alpinen Charakter aufweist, zum anderen, da das häufige Bergauf und Bergab mehr Kondition erfordert, als bei den meisten Touren im Bayerischen Wald. Kürzlich folgten rund 50 berg- und naturbegeisterte Wanderer – sowohl Einheimische als auch Gäste aus ganz Deutschland - der Einladung der Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald und Sepp Altmann von der Gemeinde Eschlkam, gemeinsam die naturkundlichen Besonderheiten dieses abwechslungs- und „aussichtsreichen“ Gebietes, eines Auerwildschutzgebiets, kennenzulernen. Ist das Gebiet zwischen dem Eck und dem Mühlriegel noch an vielen Stellen dicht bewaldet, so boten erste lichtere Stellen am Ödriegel den Wanderern herrliche Ausblicke auf den verhältnismäßig flacheren Lamer Winkel mit seinem weit über das Tal gespannten Hohe Bogen. In der Nähe des Reischflecksattels erhielten die Wanderer – unterstützt durch die Erklärungen von Sepp Altmann - jedoch Einblicke in das Zellertal und Fernblicke bis in die Donauebene. Dabei wurde deutlich, dass die – besonders für Einheimische – manchmal bedrückend wirkenden, vom Borkenkäfer verursachten - Totholzstämme nicht nur aus naturschutzfachlicher Sicht durchaus nützlich sind, sondern dass sie auch den Wanderern neue überraschende Ausblicke ermöglichen: „Diese nun freien Flächen,“ so Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer, „ sind Ausdruck des „Kreislaufs der Natur“. Was wir jetzt sehen, ist nur eine Momentaufnahme. In nur wenigen Jahren wird alles wieder zugewachsen sein.“ Besonders zwischen Heugstatt, Enzian und Kleinem Arber sind diese ehemaligen Windwurfflächen ausgedehnter, was Dr. Isabelle Auer zum Anlass nahm, den Teilnehmern etwas über den bedrohten Wappenvogel des Bayerischen Waldes, das Auerhuhn, zu erzählen: „Die nach dem Orkan Kyrill im Jahr 2007 entstandenen winterlichen Tiefschneehänge könnten zwar den einen oder anderen Skitourengeher dazu verleiten, die Hauptroute zu verlassen. Da sich die Acht-Tausender-Route jedoch im Auerwildschutzgebiet befindet, sollte jeder naturbewusste Wanderer und Wintersportler vor allem im Winter und im Frühjahr die Wege nicht verlassen. Nur so kann man vermeiden, dass die Auerhühner, die sich im Winter von energiearmen Baumnadeln ernähren, beim Aufgeschreckt-Werden im Tiefschnee zu viel Energie verlieren und daran schlimmstenfalls sterben müssen oder dass durch eine Störung im Frühjahr eine Brut aufgegeben wird.“ Nach sieben Gipfeln und einer - mit vielen neuen interessanten Hintergrundinformationen gespickten – achtstündigen Wanderung erreichte die Gruppe die Chamer Hütte, wo sie übernachtete, um am darauffolgenden Tag noch zwei weitere Highlights des Arbergebiets, den Höhepunkt der Acht-Tausender – Tour, den Gipfel des Großen Arbers, und den Kleinen Arbersee zu erwandern. Beim nachmittäglichen Ausklang in einem Gasthof am Fuße des Ödriegels waren sich die Wanderer einig, dass man während der Zweitagestour nicht nur viel über das Arbergebiet, sondern durch das teils etwas anstrengende, teils fast meditativ wirkende Bergauf und Bergab auch viel über sich selbst gelernt hatte.

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