Bereits seit mehreren Jahren sind sie fester Bestandteil des Naturpark-Jahresprogramms: Die Kooperationsveranstaltungen mit dem Naturkundlichen Kreis Bayerischer Wald. Ziel dieser Exkursionen sind geologische Höhepunkte, wie z.B. die Karseen des Böhmerwaldes. Im Rahmen der diesjährigen Gemeinschaftsveranstaltung luden der Geologe Fritz Pfaffl vom Naturkundlichen Kreis, Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald und der zuständige Förster Harald Schäfer kürzlich zu einer naturkundlichen Führung am Dreisessel ein. Dass der 1312 m hohe Berg in der Nähe des Dreiländerecks für Naturliebhaber und Naturwissenschaftler aller Disziplinen etwas Besonderes darstellt, zeigte sich daran, dass sich trotz strömenden Regens 24 Teilnehmer am Dreisesselparkplatz einfanden. Auf halber Höhe zum Gipfel ging Dr. Isabelle Auer zuerst auf die Gemeinsamkeiten des Dreisessels mit den anderen Bergen des bayerisch-böhmischen Grenzmassivs ein. Ist der Luchs, was Wanderer betrifft, relativ störungsunempfindlich, so ist das Auerhuhn am Dreisessel – ebenso wie z.B. im Arbergebiet – besonders von querfeldeingehenden Skitouren- und Schneeschuhgehern bedroht. Wird es im Winter aufgeschreckt, so verliert es im Tiefschnee mit einem Schlag zu viel Energie. Das Wappentier des Bayerischen Waldes kann auch in Zukunft nur überleben, wenn sich Natursportler an die festgelegten naturverträglichen Schneeschuhrouten hält. Ein besonders auffallendes Bild bietet sich dem Wanderer am Grenzsteig. Dreisessel-Förster Harald Schäfer: „Während im deutschen Naturschutzgebiet das Borkenkäferholz nach dem Orkan Kyrill aufgearbeitet wurde, wurde in der angrenzenden Kernzone des Nationalparks Sumava der Borkenkäfer nicht bekämpft. Der Nationalpark Bayerischer Wald schützt den angrenzenden Wirtschaftswald durch eine mindestens 500 Meter breite Pufferzone. Hier am Dreisessel grenzt ein Gebiet, in dem Natur sich selbst überlassen wird, aber direkt an einen Wirtschaftswald.“ Ist die belebte Natur also in einem ständigen – mit bloßem Auge gut erkennbaren – Wandel begriffen, so vollziehen sich geologische Prozesse z.T. über Millionen von Jahren, z.T. aber auch in einem kurzen Augenblick. Die „Wollsäcke“ oder „Matratzen“ am Dreisessel entstanden dadurch, dass vor 240 Millionen Jahren eine heiße Gesteinsmasse an die obere Erdkruste gelangte und dort erkaltete. Bereits in dieser Zeit bildeten sich im Granit Risse, an denen weitere Verwitterungsprozesse ansetzen konnten. Auch heute wirken verschiedene Verwitterungsarten auf die Gestalt des Berges ein: Neben der Frostsprengung, bei der in Spalten und Klüfte gefrorenes Wasser das Gestein sprengt, verändern auch Wind und Regen, aber auch die Wurzelsprengkraft der auf den Felsen wachsenden Pflanzen die Felsen. Auch die scheinbar unbelebte Natur ist belebt. Fritz Pfaffl: „Man muss sich bewusst werden, dass es in der Natur zwei Kreisläufe gibt. Den Kreislauf des Lebens, also der belebten Natur, aber auch den Kreislauf der Gesteine, von der Entstehung bis zur Verwitterung. Letztere liefert wieder Ausgangsmaterial für Neues. Der Kreislauf der unbelebten Natur ist geschlossen.“

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