Unter den Naturschutzgebieten rund um den Großen Arber ist das Riesloch nicht nur das kleinste, sondern auch das unbekannteste. Warum es aber nicht nur in der Bodenmaiser Geschichte eine wichtige Rolle spielte, sondern vor allem auch für Botaniker ein Eldorado darstellt, erfuhren vergangenen Mittwoch die rund 40 Teilnehmer einer Naturpark-Exkursion. Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer zeigte diesen Bedeutungswandel gleich zu Beginn der Führung am Beispiel der ehemaligen Naturskisprungschanze am Rande des Naturschutzgebiets. Erbaut im Jahr 1947, war sie bereits nach wenigen Jahren Austragungsort von internationalen Skisprungwettbewerben. Kann man die Anlaufspur mit dem Schanzentisch sowie die ehemalige Form der Skisprungarena noch heute relativ gut erkennen, so ist es für den Riesloch-Wanderer doch fast unvorstellbar, dass diese Skispringen in den 50er Jahren bis zu 12.000 Zuschauer hatten. Diese sportlichen Großereignisse fanden in unmittelbarer Nähe zu einer fast unberührten Natur, zum im Jahr 1939 errichteten Naturschutzgebiet Riesloch statt. Wissenschaftler vermuten, dass eine sogenannte „geologische Störung“, also Risse in der Erdkruste, bewirkten, dass sich die Wassermassen des Arberbachs, des Wildbachs und des Riesbachs hier auf einer Länge von nur 1,6 km etwa 260 m in die besonders harten Arber - Paragneise quasi einfräsen konnten. Auch glatt geschliffene Steine im Bachbett zeigen neben den Wasserfällen selbst jedem Wanderer eindrucksvoll, welche Kraft dieses Wasser hat. Das Riesloch-Kraftwerk am unteren Wasserfall ist ein Zeichen dafür, wie die Bodenmaiser bereits vor 100 Jahren diese Wasserkraft nutzten, um ihren Energiebedarf zu decken. Noch heute ist das Rieslochkraftwerk in Betrieb. Um die natürliche Fließdynamik möglichst nicht zu beeinträchtigen, ist die Ablaufmenge des E-Werks jedoch genau festgelegt. Die Arbergebietsbetreuerin zeigte den Exkursionsteilnehmern jedoch auch die anderen Schätze des Rieslochs: Bekannt ist das Gebiet nicht nur für seinen Totholzreichtum, was die Lebensgrundlage vieler besonders geschützter Tiere darstellt, sondern vor allem für seine Vielfalt an Moosen. So kann auch der botanische Laie auf seiner Wanderung durchs Riesloch an manchen Stellen auf engstem Raum sieben verschiedene Moosarten unterscheiden. Sogenannte „botanische Eiszeitrelikte“, wie das besonders geschützten Bergglöckchen, sind auch in der Rieslochschlucht Zeugen der einstigen Vergletscherung des Arbergebiets. Und so ist heute die fast unberührte Natur der wahre Schatz des Rieslochs – für Einheimische und Touristen.

Zurück