Bei der Ortschaft Zinzenzell in der Gemeinde Wiesenfelden fand eine Pilzexkursion des Naturparks Bayerscher Wald zu den umliegenden Hangwäldern statt. Matthias Rohrbacher, Gebietsbetreuer des Naturparks, konnte bei sonnigem Herbstwetter rund siebzig Pilzfreunde aus Nah und Fern begrüßen. Referent Alois Zechmann, Naturpädagoge und Pilzexperte, erzählte zum Einstieg über drei Typen von Pilzen: Pilze als „Pflanzenfreunde“, die mit dem Feinwurzelsystem der Pflanzen verbunden sind, so dass diese leichter an Wasser und Nährsalze kommen. Pilze als „Zersetzer“, die den Abfall der Natur wie Blätter und Totholz aufarbeiten und damit den Kreislauf der Nährstoffe in Gang halten. Eine weitere Gruppe von Pilzen - wie die Rotfäule an Fichten - befallen lebende Bäume und zersetzen deren Holz. Der an der Oberfläche sichtbare Teil der Pilze ist nur der Fruchtkörper, ein Großteil des Pilzes ist unterirdisch verzweigt. Den Fruchtköper gilt es beim Sammeln knapp über dem Boden abzuschneiden, da sich wichtige Bestimmungsmerkmale am unteren Ende des Stiels befinden. Die Pilzfreunde schwärmten nach der kurzen theoretischen Einführung zum Sammeln aus und wurden trotz trockener Witterung bald fündig. Die Pilze wurden im Anschluss gemeinsam bestimmt. Referent Alois Zechmann erzählte über Besonderheiten der waldbewohnenden Pilze: Die Milchlinge werden an der austretenden Milch im Pilzhut erkannt. Täublinge lassen sich z.B. an den absplitterbaren Lamellen unter dem Pilzhut erkennen. In der großen Gruppe der Röhrlinge finden sich viele sehr gute Speisepilze wie Steinpilze, Birken- oder Butter-Röhrlinge. Nur wenige in dieser Gruppe sind ungenießbar oder sogar giftig wie z.B. Gallen- oder Satans-Röhrlinge. Die bei uns häufig vorkommenden Maronen sind nach wie vor stellenweise stark mit verstrahltem Cäsium aus der Tschernobyl – Atomkatastrophe belastet. Ein Großteil des Cäsiums befindet sich in der Huthaut. „Zieht man diese ab, ist ein Großteil der Belastung weg“, berichtete Pilzexperte Alois Zechmann von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Als einfache Möglichkeit Pilze zuzubereiten, empfahl er das Braten in der Pfanne mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft, Gartenkräutern und Weißbrot. Damit kann der Eigengeschmack des Pilzes gut erkannt werden. Bei der Wanderung zeigte Alois Zechmann den sogenannten Zunderschwamm, der beispielsweise auf alten Buchen wächst. Dieser im Bayerwald als „Hodersau“ bezeichnete Holzpilz wurde bereits in der Jungsteinzeit zum Feuer machen verwendet. Wie das funktioniert, demonstrierte er als steinzeitlicher Ötzi verkleidet mit Feuersteinen und Pulver aus Zunderschwamm. Zum Schluss wurden noch einmal die Körbe der Teilnehmer, die die Pilze zubereiten wollten, kontrolliert, um unerwünschte Funde zu vermeiden.

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