• Naturpark Bayerischer Wald : 
  • Naturschutz einmal anders: Fast 100 Teilnehmer der 5. Bayerwaldfilmnacht erlebten die Natur mit den Augen eines Natur- und Tierfilmers


Gute Natur- und Tierfilme zeigen nicht nur schöne Landschaftsaufnahmen. Sie geben Einblicke in eine Welt, die selbst begeisterte Naturschützer nur mit äußerst viel Geduld bekommen können. Sie zeigen Dinge, die selbst der erfahrenste Exkursionsleiter auf keiner Führung zeigen kann. Gute Natur- und Tierfilme wollen aber auch wachrütteln, etwas bewirken: Mal spektakulär, mal leise. In jedem Fall aber bewegend. Einer, der mit seinen Natur- und Tierfilmen schon viel bewegen konnte und seine Zuschauer auch gerne hinter die Kulissen der Natur- und Tierfilmerei blicken lässt, ist der niederbayerische Filmemacher Jürgen Eichinger. Kürzlich luden daher der Verein ProNationalpark zur Förderung des Zwieseler Winkels und der Naturpark Bayerischer Wald zur 5. Bayerwaldfilmnacht mit Jürgen Eichinger ein. Anders als bei den bisherigen Filmnächten, hatten die Macher – neben Jürgen Eichinger Beate Gebhardt von ProNationalpark und Dr. Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald – sich diesmal für Filme entschieden, die außerhalb des Bayerischen Waldes gedreht wurden: „Im Tal der Echsen und Schlangen“ und „Im Land der Höhlen, Felsen und Falken – Die Fränkische Schweiz“. Eichingers Filme faszinieren nicht nur die Zuschauer durch ihre Dramaturgie, sie konnten schon öfters dazu beitragen, dass bisher auch bei hauptamtlichen Naturschützern weniger bekannte Naturschätze in der Öffentlichkeit mehr Beachtung fanden. Dass es sich beim im „Im Tal der Echsen und Schlangen“ vorgestellten Naturschutzgebiet „Donauleiten von Passau bis Jochenstein" um ein wahres Naturparadies handelt, war vor der Erstausstrahlung des Films im Jahr 2000 nur wenigen Fachleuten bewusst: Das heute in der Region bekannte „Haus am Strom“ in Untergrießbach, das zugleich Dienstsitz des zuständigen Gebietsbetreuers und Ausgangspunkt vieler naturkundlicher Exkursionen in das Schutzgebiet ist, wurde erst zwei Jahre später eröffnet. Wegen den vielfältigen Lebensbedingungen in den Donauleiten mit ihren steilen Seitentälchen, offenen Felsabbrüchen, aber auch wegen den von Menschen künstlich geschaffenen Biotopen – z.B. dem Bahndamm nach Untergrießbach - konnten hier auf engstem Raum bisher rund 450 Pflanzenarten und über 1500 Tierarten nachgewiesen werden, darunter Pflanzen, wie die Soldanelle, die ihren eigentlichen Verbreitungsschwerpunkt im Bayerischen Wald und im Isarwinkel hat und Botaniker wegen ihren Ansprüchen an Boden und Klima zur „präalpinen/montanen Gruppe“ zählen, und der Russische Bär, ein Nachtfalter aus der „kontinentalen Gruppe“. Eine besonders auffällige Art der „submediterranen Gruppe“ ist die bis zu zwei Meter lange Äskulapnatter, die ihren Verbreitungsschwerpunkt eigentlich in Südeuropa und Kleinasien hat und – ebenso wie die aus Südosteuropa eingewanderte Smaragdeidechse - in Deutschland nur in den Donauleiten oberhalb des Jochenstein zu finden ist. Eine eher unscheinbare und für Menschen und größere Säugetiere völlig harmlose Reptilienart, die ihre Beute durch Umschlingen mit ihrem Körper erwürgt, ist die Schlingnatter. Leider wird sie durch ihre Farbzeichnung öfters mit einer Kreuzotter verwechselt und verbotenerweise erschlagen. Wie bei anderen Tierarten, erzählt Jürgen Eichinger auch in „Im Tal der Echsen und Schlangen“ Tierfamiliengeschichten, beispielsweise die der jungen Äskulapnattern-Geschwister, die sich, während sie selbst aus ihrem Ei schlüpfen, gegenseitig beobachten. Einblicke in einen völlig anderen Naturraum – in ein Land, das von Höhlen und Felsen geprägt ist – erhielten die Zuschauer im zweiten Teil des Filmabends: in die Fränkische Schweiz. Neben den pflanzlichen und vor allem tierischen Bewohnern – Wanderfalken, Uhus, Fledermäuse und Höhlenspinnen – zeigte der im Jahr 2008 gedrehte Film auch, wie es gelingen kann, Naturschutz und Natursport, beispielsweise durch Kletterkonzeptionen, in Einklang zu bringen. Neben dieser Fähigkeit, Kompromisse zwischen Naturschutz und Naturnutz zu finden, ist allen Naturschützern eine gewisse Abenteuer- und Entdeckerlust gemeinsam, eine fast kindliche Neugierde. Je mehr man sich für die Natur begeistern kann, desto mehr kann man die Menschen für sie begeistern. Jürgen Eichinger ist, das wird nicht nur durch seine Filme, sondern selbst durch die Art, wie er von den Dreharbeiten erzählt, ein engagierter Naturschützer: Ein Naturschützer, der mit seiner Begeisterung andere anstecken kann.

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