Trotz Konkurrenz zum Fußball-Event des Jahres sowie anfänglichem Regen fanden sich am letzten Samstag etwa zehn Wanderer am Großen Arbersee ein, um mit der Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer die naturräumlichen Besonderheiten des Sees zu entdecken. Der Große Arbersee entstand vor etwa 10.000 Jahren nach der Würmeiszeit durch das Abschmelzen eines Kargletschers. Die steil aufragende Arberseewand blieb als Eiszeitrelikt davon erhalten. Sie ist durch ihre Unzugänglichkeit bis heute von der Forstwirtschaft verschont geblieben und bildet daher eines der wenigen tatsächlichen Urwaldgebiete des Bayerischen Waldes. Stelzenkiefern, aufragende Wurzelteller und knorrige Äste im Bergmischwald regen die Fantasie an. Einige Fichten zeugen mit imposanten Stelzwurzeln von ihrer "urwäldlichen" Wuchsweise. Diese Vielfalt auf kleinem Raum zeigt sich auch in der Artenvielfalt. Die Seewand ist ein wichtiges Brutgebiet für etwa 40 Vogelarten. Am See lebt und arbeitet seit 2009 der höchstlebende Biber Deutschlands. "Josef", wie er liebevoll getauft wurde, hat inzwischen ganze Arbeit geleistet: Noch in diesem Sommer muss der Bohlenweg erweitert werden, da der Biber den Geigenbach aufgestaut und damit eine beeindruckende Fläche, darunter auch den Wanderweg, überflutet hat. Zurzeit hält sich Sepp vorwiegend an die Gehölze rund um den Großen Arbersee, was zahlreiche Spuren seiner kräftigen Zähne belegen. Dass die Gebietsbetreuerin den Teilnehmern sogar echte Biberzähne zeigte, war ein besonderes Highlight der Führung. Auf halbem Weg staunten alle Teilnehmer über die schwimmenden Inseln: Obwohl sie bis zu drei Meter mächtig sind und den Eindruck von festem Grund vermitteln, sind sie keinesfalls stabil. Spalten und Löcher machen das Betreten sehr gefährlich, außerdem verstößt dies gegen die Schutzgebietsverordnung. Entstanden sind sie durch den Anstieg des Seespiegels infolge der Holztrift. Bereits verlandete Seeteile lösten sich vom Grund. Hier wachsen streng geschützte Moor- und Sumpfpflanzen, wie der Sonnentau, die Rauschbeere oder das von Weitem sichtbare Wollgras. Der Wanderweg um den Großen Arbersee führt an vielen Stellen sehr nah an Standorte geschützter Pflanzen oder an Tierbaue heran. Um auch nachfolgenden Besuchern und Generationen ein ebenso beeindruckendes Naturerlebnis zu ermöglichen, sollten die Regeln des Naturschutzgebietes unbedingt eingehalten werden. Deutlich sichtbar sind noch Trampelpfade abseits der Wege, auf denen die Vegetation – Dank den in den letzten Jahren errichteten Absperrungen - jedoch langsam zurückkehrt. Bei einer halben Million Besucher pro Jahr ist es am Arbersee besonders wichtig, dass jeder Einzelne dazu beiträgt, dass diese Landschaft auch im nächsten Jahrhundert noch in der "Königsklasse" des Bayerischen Waldes mitspielen kann.

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