Manche Einheimische und Touristen bringen den Arbergipfel vor allem mit „Massentourismus“ in Verbindung. Dass aber nicht nur die Arberseen mit ihren Seewänden und das weniger bekannte Naturschutzgebiet Riesloch, sondern auch der Gipfel selbst viele botanische und geologische Eiszeitrelikte beherbergen, zeigte Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald letzten Mittwoch den 29 Teilnehmern einer Führung rund um das Gipfelplateau. Während das wohl markanteste botanische Eiszeitrelikt, der Ungarische Enzian, sich Dank des Wegegebots inzwischen sogar ausbreitet, ist manchen Besuchern leider nicht bewusst, dass auch an vielen Stellen der Felsriegel besonders geschützte Pflanzen wie etwa der Krause Rollfarn oder die Gamsbartbinse eine Nische gefunden haben. Andere Regeln, wie die Leinenpflicht im Gipfelbereich, schützen seltene bodenbrütende Vögel. Es sind dies z.B. die Alpenbraunelle oder der Bergpiper, die außerhalb der Alpen nur am Arber vorkommen. Isabelle Auer ging neben diesen naturkundlichen Themen auch auf die kulturelle Bedeutung des „König des Bayerischen Waldes“ ein. Wichtige Zeugnisse geben hierfür die vielen Sagen, die sich um den Berg ranken. Manche dieser Sagen, wie etwa die der Arberhexe, die Liebeskranken hilft, haben auch einen real – wissenschaftlich belegten - Hintergrund: So fanden etwa Soziologiestudenten der Universität Regensburg in einer Studie zum „Leben an der Grenze“ im Jahr 2007 heraus, dass die Einwohner am Fuße des Arbers besonders dann zum Gipfel wandern, wenn sie persönliche Probleme haben. Doch auch geologische Erscheinungen werden in diesen Sagen mystisch gedeutet: So erklärt eine andere Geschichte die Entstehung der Arberseen damit, dass sie die „Tränen“ des Berges seien, der immer mitleidet, wenn es irgendeinem Menschen, der an seinem Fuße lebt, schlecht geht. „Folglich“, so schloss die Arbergebietsbetreuerin, „werden wir nicht mehr erleben, dass die Seen zu unseren Lebzeiten verlanden werden. Es sei den, alle Menschen werden plötzlich glücklich.“ „Doch auch aus wissenschaftlicher Sicht“, so die Geografin, „müsse man sich wohl keine Sorgen machen, dass wir die endgültige Verlandung der Seen noch sehen werden.“

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