Die spannendste Art, etwas über die Menschen einer Region zu erfahren, über ihr Verhältnis zur Natur, über ihre Ängste, aber auch über ihre Probleme, ist, in ihre Sagenwelt einzutauchen. Im Bayerischen Wald sind es besonders die Berge, besondere Felsformationen, aber auch die dunklen Karseen, die schon vor vielen hundert Jahren die Phantasie der Menschen beflügelten. Obwohl viele Sagen tragisch enden, faszinieren sie noch heute jung und alt. Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald lud daher kürzlich Jung und Alt zu einer Sagenwanderung rund um den Großen Arbersee ein, da er – heute Ausflugsziel für eine halbe Million Besucher im Jahr – Schauplatz der meisten Arbersagen ist. Dass diese „sagenhafte Stimmung“ zu manchen Zeiten auch heute lebendig werden kann, wurde gleich zu Beginn der Führung, zu der die Gebietsbetreuerin trotz widrigen Wetters 15 Teilnehmer begrüßen konnte, deutlich: Jeder, der schon mal an den Arberseen unterwegs war, weiß, dass hier ein striktes Wegegebot und Badeverbot gilt: Aus Sicht des Naturschutzes, um die bedrohte Pflanzenwelt im und am See zu schützen und um Trampelpfade, die das Naturschutzgebiet verunstalten, zu verhindern. Eine „sagenhafte“ Begründung fand die Gebietsbetreuerin jedoch in der Geschichte vom Liebespaar, das beim Schwimmen im Großen Arbersee in den Tiefen gezogen wird. Welche Verfehlung das Paar jedoch aus Sicht derjenigen begangen hatten, die die Sage zuerst erzählten, kann man heute nur vermuten. Allen Arbersagen gemeinsam ist, dass der Große Arbersee nicht nur als Wohnort von Nixen oder „weißen Frauen“ gilt, sondern auch als Ort, wo allzu gierige Menschen, die dem See seinen „Schatz“ – goldene Fische – entreißen wollen, bestraft werden. Glaubt man der Sage, so lebt noch heute am Grunde des Sees der Arberriese, der hier, um die Menschen zu schützen, von den Arbernixen festgehalten wird. Nur wer sich nicht davor scheut, auch bei stürmischem Wetter einen Spaziergang um den Großen Arbersee zu machen, kann erleben, wie er noch heute hin und wieder am Seegrund tobt. Die Gebietsbetreuerin: „Wer sich auf den „König des Bayerischen Waldes“ einlässt, merkt, dass der Arber ein besonderer Berg ist. Er ist ein Ort, wo durch die Natur Mythologie und Moderne so unmittelbar aufeinander treffen, wie nirgendwo sonst im Bayerischen Wald.“

Zurück