Die Ergebnisse eines Gemeinschaftsprojektes von Regierung von Niederbayern und Unterer Naturschutzbehörde im Landratsratsamt Regen präsentierte der Referent Wolfgang Völkl im Naturparkhaus in Zwiesel. Unter den interessierten Besuchern war auch Landrat Michael Adam. Im Rahmen eines Kartierungsprogrammes, das seit 2006 läuft, wurden Vorkommen erhoben und näheren Untersuchungen durchgeführt. Der Bayerische Wald ist dabei bundesweit ein Schwerpunktgebiet für die Kreuzotter. Wolfgang Völkl ging zunächst auch auf andere vorkommende Reptilienarten, dann auf die Kennzeichen, die Verbreitung und anschließend auf die Lebensräume der Kreuzotter ein. Er berichtete auch über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen. Man erkennt die Kreuzotter an der geschlitzten Pupille und am durchgängigen Zick-Zack-Band am Rücken sowie an einem „V“ am Kopf. Im Inneren Bayerischen Wald sind die sogenannten schwarz gefärbten „Höllen-Ottern“ weit verbreitet. Die Schwarzfärbung erfolgt aber erst im Lauf des ersten Lebensjahres. Völkl präsentierte eine ganze Reihe fundierter Informationen und räumte mit alten Geschichten auf, die teilweise überhaupt nicht stimmen. Mit großem Interesse wurden die Informationen zum Gift der Kreuzotter aufgenommen. Kreuzottern fressen Eidechsen, Frösche und Mäuse, hauptsächlich Feld- und Rötelmäuse. Das Gift der Kreuzotter kann eine Maus innerhalb von fünf Minuten töten. Der Körper einer Maus wiegt etwa 20 Gramm. Ein ausgewachsener Mensch mit seinem vielfachen an Körpergewicht, hat kein Problem mit dem Gift. Bekannt sind die Schwellungen des gebissenen Körperteiles. Das Gift hat mehrere Funktionen, es entstammt einer Art umgebauter Speicheldrüse, soll die Beute töten, die Verdauung vorbereiten aber auch Angreifer abwehren. Viel gefährlicher als das Gift, ist die Schockwirkung, das „zu Tode erschrecken“. Das „sich hysterisch machen“ ist meist wesentlich gefährlicher für den Kreislauf, als das Gift selbst. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor ist allerdings die sekundäre Infektion durch Verunreinigung der Wunde. Diese tritt in 3-5% der Fälle auf. Die alten Beschreibungen, dass eine Person nach 6-8 Tagen an Siechtum gestorben ist, stammen nicht vom Gift der Kreuzotter, sondern von sekundären Infektionen und Blutvergiftungen. Dies war ein Problem zu den Zeiten, etwa bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts, als es noch keine Antibiotika gab. Vorbeugen kann man in jedem Fall durch festes Schuhwerk, lange Hosen und entsprechende Vorsicht beim Pilze- oder Beeren sammeln. Denn die lichten Waldstrukturen, an denen z. B. Rotkappen stehen, taugen auch der Kreuzotter. Trotzdem soll man einen Kreuzotter-Biss nicht verharmlosen und sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Schwellung des betroffenen Körperteiles, vor allem wenn beim Biss eine Vene erwischt wird, kann dazu führen, das Nerven abgedrückt werden und Taubheitsgefühl auftritt. Für solche Fälle ist die Verabreichung von Serum angesagt, das heute im Gegensatz zu früher, unbedenklich ist. Die Gefährdungen der Kreuzotter sind heut zu Tage vielfältig. Zum einen ist es die Verfolgung durch die Menschen, die Aufforstung geeigneter Lebensräume, die Verbuschung oder die Trockenlegung von Feuchtflächen. Auch die Intensivierung von Wiesen, der Verlust von Waldrändern und die Beseitigung von Hecken- und Steinriegeln stellt ein Problem dar. Wichtig hierfür sind entsprechende Schutzmaßnahmen. Selbst wenn eine erwachsene Kreuzotter in einem Maisacker Mäuse fangen kann, so haben doch die Jungtiere, die sofort nach ihrer Geburt auf sich selbst gestellt sind und mit dem bereits ausgebildeten Giftzahn ihre Beute jagen, keine Chance in ausgeräumten Agrarlandschaften. Als gute Winterquartiere haben sich neben natürlichen Gegebenheiten in Erdlöchern und Felsspalten auch kleine verrottende Holzstöße, die vergessen worden sind, erwiesen. Die Akzeptanz-Förderung für diese gesetzlich geschützte Art ist sehr wichtig. Die Kreuzotter zeigt intakte Lebensräume und gilt als eine Leitart auch für andere Arten. Strukturreiche, kleinteilige Landschaften, die für die Kreuzotter als Lebensraum passen, sind die Bereiche, die auch für den Feriengast sehr interessant sind. Die Kreuzotter kann auch hier ein wichtiger Indikator sein. Mehr Informationen gibt es in einer Broschüre des Landesamtes für Umwelt, die im Naturparkhaus erhältlich ist und auf der Naturparkinternetseite www.naturpark-bayer-wald.de.

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