Bereits seit einigen Jahren bilden die naturverträglichen Schneeschuhwanderungen vom Großen Arbersee zum Arbergipfel den sportlichen Auftakt des Arberjahresprogramms des Naturparks Bayerischer Wald. Dass sie auch zu den beliebtesten Führungen zählen, zeigen regelmäßig hohen Teilnehmerzahlen. Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer lud daher kürzlich alle schneeschuhbegeisterte Arberfans dazu ein, den Winter am Arber einmal anders, abseits der Pisten und geräumten Wanderwegen, naturverträglich zu genießen. Schien es bis zum Vortag der geplanten Schneeschuhwanderung wegen den sehr geringen Schneehöhen noch so, als müsste die Schneeschuhwanderung in eine naturkundliche Nordic Walking Tour umdisponiert werden, empfing die 17 Teilnehmer am Exkursionstag bereits am Großen Arbersee mehrere Zentimeter Neuschnee, die bereits nach wenigen Höhenmetern das ermöglichen, was begeisterte Schneeschuh- und Skitourengeher besonders mögen: das Stapfen durch eine relativ unberührt erscheinende Winterlandschaft. Warum man sich jedoch auch bei Altschnee an die markierten Winterwanderwege halten sollte, erklärte die Gebietsbetreuerin während des knapp dreistündigen Aufstiegs zum Gipfel: Für die meisten Tiere – im Arbergebiet und den höheren Lagen des Bayerischen Waldes vor allem für das Auerhuhn – ist der Winter wegen des Nahrungsmangels eine besonders harte Zeit. Die wenige Nahrung – beim Auerhuhn sind dies Baumnadeln – liefert nur wenig Energie. Bewegen sich Wintersportler innerhalb des Auerwildlebensraumes abseits der Wege, besteht die Gefahr, dass sie unabsichtlich Auerhühner aufschrecken. „Naturverträglich“, so die Gebietsbetreuerin, „sind daher vor allem Routen, die sich außerhalb des Auerhuhnlebensraumes befinden, wie beispielsweise der Aufstieg vom Großen Arbersee über den Goldsteig zum Gipfel.“ Dass eine naturverträgliche Schneeschuhwanderung gelegentlich sogar mehr „Tiefschneegefühl“ hervorrufen kann, als weniger auerhuhnfreundliche Routen, wurde den Teilnehmern im obersten Drittel der Wanderung deutlich: Oberhalb der sogenannten „Brennesfichte“ verlassen viele Tourengeher öfters den Goldsteig, um der bequemeren Route in Richtung Bodenmaiser Mulde zu folgen. Leider vergessen sie dabei, dass sie sich hier bereits im Auerwildlebensraum befinden. Der naturverträgliche und auch interessantere Aufstieg über den Goldsteig ist daher leider weniger begangen. Dr. Isabelle Auer: „Das Interessante an naturverträglichen Touren ist, dass man sich hier einlässt auf die Natur. Man nützt sie nicht aus, sondern man nimmt Rücksicht auf sie. Häufig empfindet man die Natur auf solchen Touren intensiver. Und was das Wichtigste ist: Man weiß, dass man dazu beigetragen hat, die Natur rund um den Großen Arber – ihre Pflanzen und vor allem natürlich ihre Tierwelt - zu schützen und auch für unsere Mitmenschen zu erhalten.“ Und so waren sich die Schneeschuhwanderer bei ihrer Rückkehr an den Großen Arbersee einig, dass ein winterlicher Gipfelsieg, verbunden mit dem Wissen, dass man zum Schutz der Natur am „König des Bayerischen Waldes“ beigetragen hat, nicht nur sportlich, sondern vor allem auch emotional etwas Besonderes ist, etwas, was uns für den Alltag Kraft gibt und Lust darauf macht, manchmal scheinbar Altbekanntes mit „neuen Augen“ zu sehen.

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