In ihrem Vortrag „Der Kormoran“ berichtete Karin Hodl vom Landesbund für Vogelschutz über den Vogel des Jahres 2010. Rund zwanzig interessierte Zuhörer – darunter auch einige Fischer - hatten sich dazu in die Umweltstation Viechtach im Alten Rathaus eingefunden. Träger der Umweltstation ist der Naturpark Bayerischer Wald e.V.. In Bayern sind Kormorane meist nur im Winter zu sehen. In der restlichen Jahreszeit sind diese Zugvögel v.a. in küstennahen Gebieten zu finden. In der Luft wirkt der Kormoran wie ein fliegendes schwarzes Kreuz. Körper und Flügel sind in etwa gleichlang sind. Der gesellige Vogel findet sich abends an gemeinsamen Schlafplätzen – meist ufernahen Bäumen – ein, wo er gut beobachtet werden kann. Der schwarz gefiederte, bis zu einem Meter große Kormoran gehört wie der Pelikan zu den Ruderfüßer - Vögeln, die eine Schwimmhaut an den Füßen haben. An Land eher plump wirkend, können die geschickten Fischjäger im Wasser bis zu dreißig Meter tief tauchen. Grundsätzlich werden alle Fische gejagt, die leicht gefangen werden können. Meist erbeuten sie die zahlreichen, wirtschaftlich eher weniger bedeutenden „Weißfische“ wie Rotaugen oder Brachsen. Edelfische wie Äschen oder Felchen stehen dagegen seltener auf dem Speiseplan. Gerne jagen Kormorane auch gemeinschaftlich nach kleinen Fischen. In Fischzuchtanlagen und Teichwirtschaften können sie dabei gravierende wirtschaftliche Schäden anrichten. Aus diesem Grund werden hier Abwehrmaßnahmen wie das weiträumige Überspannen der Teiche mit Seilen vorgenommen, so dass der Vogel hier nicht landen und starten kann. Eine Broschüre mit Information zum Kormoran kann über das Büro der Umweltstation Viechtach im Alten Rathaus bezogen werden. „Die wichtigste Grundlage für einen gesicherten Fischbestand ist ein reich ausgestatteter, naturnaher Lebensraum“, berichtete die Referentin. Laichplätze, Wandermöglichkeiten und Nahrung sind in naturnahen Gewässern im ausreichenden Maße vorhanden. „In begradigten oder uferverbauten Gewässern fehlen dagegen oft Unterstände als Schutz gegen natürliche Feinde wie dem Kormoran.“ Karin Hodl plädierte für ein Lebensrecht von diesem fischfressenden Zugvogel, der ein Bestandteil der heimischen Tierwelt war und ist. Eine Vertreibung - beispielsweise durch Abschuss - führe meist nur zu einer raschen Wiederbesiedlung und sei keine langfristige Lösung. „Der Landesbund für Vogelschutz setzt sich für eine kooperative Lösung von Konflikten gemeinsam mit dem Fischereiwesen ein.“ In der anschließenden Diskussion schilderten einige Fischer ihre Erfahrungen mit dem Kormoran am Fluss Regen. In sehr strengen Wintern können danach Kormorane den Bestand an seltenen Edelfischen wie der Äsche deutlich reduzieren. Dies ist an den Fangzahlen im darauf folgenden Jahr erkennbar. In den Rückzugsräumen seltener Fischarten am Fluss Regen wurde deshalb in der Vergangenheit eine Vertreibung des Kormorans durch Abschuss einzelner Exemplare durchgeführt. Die Kormorane sind allerdings in den folgenden Jahren wiedergekommen. Auch im diesjährigen strengen Winter sind Kormorane am Fluss Regen gesichtet worden. Inwieweit sich das wieder gravierend auf den Fischbestand auswirkt, kann erst im folgenden Frühjahr und Sommer beurteilt werden.

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