Viele Wanderer – Einheimische wie Gäste – kennen den Großen Arbersee als eines der beliebtesten Ausflugsziele des Bayerischen Waldes. Mit rund 500.000 Besuchern im Jahr ist es jedoch leider nur früh morgens oder abends möglich, die Schönheit des Sees, den „Hauch von Urzeit“, wie der Filmemacher Jürgen Eichinger diese besondere Stimmung einst umschrieben hat, in Ruhe zu genießen. Fast 60 Teilnehmer einer Naturpark-Führung mit Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer konnten kürzlich nicht nur diese fast mystische Ausstrahlung des abendlichen Arbersees erleben, sondern erfuhren auch viel Interessantes über die Tier- und Pflanzenwelt des Naturschutzgebiets und Naturwaldreservats, über die Sagen und Anekdoten, die sich um das Gebiet ranken, aber auch über die abwechslungsreiche Naturschutzarbeit im Arbergebiet. Dass in der Natur alles in irgendeiner Weise miteinander zusammenhängt, verdeutlichte die Arbergebietsbetreuerin gleich zu Beginn der Führung: Heidelbeeren, die für viele „einfach zum Wald dazugehören“, gibt es nur dort, wo das Gestein, wie z.B. bei den Gneisen und Graniten des Bayerischen Waldes, sauer ist. Dort, wo das Gestein basisch ist, wie etwa die Kalke auf der Schwäbisch-Fränkischen Alb, gibt es nur in Ausnahmefällen Heidelbeeren. Während Heidelbeeren also „Säureanzeiger“ sind, sind andere Pflanzen, wie die Sumpfdotterblume oder das Wollgras, Feuchtigkeitsanzeiger. Einige Pflanzen im Arbergebiet, wie z.B. der Alpenlattich oder der Alpenmilchlattich, sind – wie der Name schon sagt – an ein besonders raues Klima angepasst und neben dem Bayerischen Wald hauptsächlich in den Alpen verbreitet. Damit alle diese Kostbarkeiten nicht zerstört werden, wurde in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit den Azubis des Forstbetriebs Bodenmais an den besonders belasteten Bereichen des Seerundwegs Balkenabsperrungen errichtet. Mit den Balkenabsperrungen im See, die teilweise bereits vor vielen Jahren vom Forstbetrieb Bodenmais erstellt wurden, konnte man sicherstellen, dass die besonders gefährdeten Gelbe Teichrosen aber auch die naturkundliche Besonderheit im hinteren Teil des Großen Arbersees, die Schwimmenden Inseln, nicht unter dem Besucherdruck leiden. Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer: „Naturschutz und besonders Bergschutz kann bloß dann erfolgreich funktionieren, wenn alle, die sich für die Natur begeistern, zusammenarbeiten und das beitragen, was sie können. Bergschutz geschieht jedoch nie zum Selbstzweck: Für viele Menschen hat besonders die Bergnatur etwas geradezu Mystisches an sich, etwas, was sie in unseren heutigen – manchmal sehr hektischen Welt mit ihren Reizüberflutungen – dringend brauchen. Wer die Bergnatur schützt, schützt auch den Menschen.“

Zurück