Bereits seit mehreren Jahren bieten der Naturpark Bayerischer Wald und Fritz Pfaffl vom Naturkundlichen Kreis Bayerischer Wald eine gemeinsame Exkursion an. Letzten Sonntag stand mit dem Plöckensteiner See der südlichste Karsee auf dem Programm. Nach einer ungefähr 1,5-stündigen Busfahrt erreichten die 35 Exkursionsteilnehmer Nova Pec, dem Ausgangpunkt ihrer zweistündigen Wanderung zum See. Eine erste Zwischenstation legte die Gruppe am Schwarzenberger Schwemmkanal ein. Hier betonte Fritz Pfaffl, dass dieser im Jahr 1791 unter der Leitung vom Forstmann Rosenauer von 3.000 Arbeitern erbaute Triftkanal zur Donau zur damaligen Zeit eine so herausragende technische Leistung war, dass er sogar zu einem der „Weltwunder“ gezählt wurde. Nur mit seiner Hilfe konnte die Kaiserstadt Wien ausreichend mit Holz versorgt werden. Im Blockmeer der Seitenmoränen des einstigen Plöckensteingletschers erklärte der Geologe Pfaffl den Teilnehmern die Besonderheit des Plöckensteiner Sees: Mit einer Ausdehnung von 1,5 km² findet man hier die größte Blockmoräne im Böhmerwald. Auch die Moränenränder sind mit einer Höhe von 40 m höher als bei jedem anderen Böhmerwaldsee. Wie beim Stubenbacher See bestehen die Plöckenstein-Moränen aus großen Granitblöcken. Am See ging Pfaffl auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Böhmerwaldkarseen ein: Mit einer Höhe von 288 Metern ist die Seewand des Plöckensteinsees um einiges niedriger als z.B. die Seewand des Großen Arbersees (416 m), durch die Vielzahl der Zuflüsse sowie durch seine Lage ist er jedoch kälter als andere Seen. Überliefert ist, dass die Wassertemperatur im Juli 1873 nur +4°C betrug. Da die Seewandwälder wegen des Borkenkäferbefalls den See im Sommer nicht mehr beschatten, aber auch wegen der Klimaerwärmung ist die Temperatur heute jedoch um einiges höher. Bekannt ist der Plöckensteiner See auch aus Adalberts Stifters Roman „Der Hochwald“. Fritz Pfaffl schloss die Exkursion zum Moorsee am Fuße des Plöckensteins daher mit einem Stifter-Zitat, in dem der Dichter den See mit einem „schwarzen Teppich“ verglich. Der Geologe zeigte so, dass Dichtung und Naturwissenschaft manchmal eng miteinander zu tun haben.

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