Obwohl es viele Natursportler gibt, für die das Arbergebiet zu ihren Lieblingsausflugszielen zählt, gibt es hier immer noch einige Ecken, die selbst diesen Kennern eher unbekannt sind. Zu diesen naturkundlichen Besonderheiten zählt auch der Hochfall-Wasserfall bei Bodenmais, der zweithöchste Wasserfall des Bayerischen Waldes. Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald lud daher kürzlich alle Einheimischen und Gäste zu einer herbstlichen „Wasserfall-Wanderung“ vom Rißloch zum Hochfall ein. Trotz des anfänglich eher regnerischen Wetters fanden sich rund 60 Wanderer, diesmal größtenteils Einheimische, am Ausgangspunkt der Wanderung, dem Rißlochparkplatz ein. Bereits zu Beginn der Wanderung hob die Gebietsbetreuerin die Unterschiede der beiden Wasserfälle hervor: Während das Naturschutzgebiet „Rißloch“, oberflächlich gesehen, vor allem dadurch bekannt ist, dass sich hier die höchsten Wasserfälle des Bayerischen Waldes befinden, besticht die Schlucht darüber hinaus durch ihren urwaldartigen Charakter: Abgestorbene Bäume werden hier nicht gefällt, sondern verrotten stehend. Ihre Höhlen, aber auch kleinste Spalten und Risse, dienen vielen Tierarten, beispielweise auch baumbewohnenden Fledermäusen, als Unterschlupf. Da jede Baumart nur von einer bestimmten Borkenkäferart befallen werden kann, führen einzelne „Käfernester“ hier – im natürlichen Mischwald – nicht zum Absterben des gesamten Waldes. Der Forst greift im Naturwaldreservat nur sehr schonend ein, wenn natürlich gefallene Bäume den Weg blockieren. So wird zum einen verhindert, dass neue Trampelpfade entstehen, wertvolle Biotopbäume bleiben so erhalten, außerdem behält das Gebiet auch für den Wanderer seinen besonderen „Urwaldcharakter“, den ein Wirtschaftswald in dieser Form nicht bieten kann. Dr. Isabelle Auer: „Hin und wieder erhalten wir vom Naturschutz sogar Anfragen von Kino- und Fernsehproduktionen, die – auf der Suche nach einer „wildnisähnlichen“ Landschaft - in der Rißlochschlucht drehen wollen. Da das nur mit einer Sondergenehmigung der Höheren Naturschutzbehörde möglich ist und um das Gebiet zu schonen, empfehlen wir für solche Zwecke seit einiger Zeit den leichter zugänglichen Hochfall-Wasserfall.“ Dass dieser mit Recht zu den schönsten Naturdenkmälern gerechnet werden kann, erlebten die Teilnehmer am Ziel der fünfstündigen Führung: Anders, als der Rißloch-Wasserfall, stürzt der Hochfall nicht in mehrere Kaskaden und als Sturzbach, sondern als „klassischer“ Wasserfall in seine in Jahrtausenden geformten Gumpen und Wannen, bei deren Anblick viele der Teilnehmer beschlossen, spätestens im Frühjahr, während der Schneeschmelze hierher zurückzukehren, um dann hautnah die faszinierende Kraft des formenden Wassers besonders eindrucksvoll erleben zu können.

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