Der Große und der Kleine Arbersee gehören mit mehreren hunderttausend Besuchern jährlich zu den bekanntesten Ausflugszielen des Bayerischen Waldes. Nur wenige Arberkenner wissen, dass es im Arbergebiet einst einen Dritten Karsee gab, der jedoch wegen seiner auch ursprünglich geringen Tiefe von nur drei Metern längst verschwunden ist. Kürzlich führten Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald und der Geologe Fritz Pfaffl vom Naturkundlichen Kreis rund 50 naturkundlich interessierte Wanderer zum verlandeten Dritten Arbersee in der Nähe von Bodenmais. Bereits zu Beginn des Rundgangs um den einstigen See betonte Fritz Pfaffl, dass die Entdeckung des heute gut im Wald versteckte Hochmoors eigentlich einem Zufall zu verdanken ist: Im Jahr 1926 bewanderte der sächsische Geografielehrer Alfred Ludwig Rathsburg mit seinen Schülern das Arbergebiet. Als er vom Gipfelplateau ins Tal blickte, bemerkte er, dass sich zwischen dem Kleinen Arber und Bodenmais eine Waldlichtung befand, deren Form und vor allem deren begrenzende steile Rückwand ihn deutlich an die Form des Kleinen und des Großen Arbersees erinnerte: Das Bänkel, das in 1270 m Höhe zwischen den Gipfeln des Großen und Kleinen Arbers eine Jochhöhe bildet, war während der letzten Eiszeit Akkumulationsgebiet für zwei Gletscher. Nach Norden erstreckte sich das Kleine Arbersee-Kar, hier findet sich heute der Kleine Arbersee. Genau entgegengesetzt, nach Bodenmais zu, liegt im Talschluss des Schwellbachs ein weiterer deutlich ausgeprägter Karboden mit rechtseitiger steiler Seewand. Da diese Gletscherzunge nach Süden exponiert war, das Eis zusätzlich auf sehr hartes Gestein traf, hatte diese Arbergletscherzunge - anders als etwa auf der böhmischen Seite des Grenzmassivs, wo das Gestein weicher ist - nur geringe Schürfkraft. Auf die geomorphologischen Spuren dieser eiszeitlichen Vergangenheit konnte Pfaffl die Teilnehmer immer wieder während des einstündigen Rundgangs um den verlandeten Arbersee hinweisen, etwa auf die sogenannten „Kritzer“, kleine vom Eis ausgeschürften Ritzen im harten Fels der Seewand. Heute erscheint das Seeareal fast unberührt. Dass jedoch auch der Dritte Arbersee einst wirtschaftlich genutzt wurde, zeigte Fritz Pfaffl am Ende des Rundgangs: Wie im Bayerischen Wald noch bis weit in das 20. Jahrhundert üblich, wurde auch der Schwellbach für die Holztrift angestaut. Ein heute mit Heidelbeeren überdeckter Erdwall am unteren Ende des einstigen Dritten Arbersees zeugt noch heute davon, dass der See im 19. Jahrhundert revitalisiert wurde. Mit Ende der Holztrift wurde der künstliche Damm wieder durchbrochen. Der Dritte Arbersee wurde wieder zu dem, was er auch immer bleiben soll: Ein – vergessenes - Kleinod im Arbergebiet.

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