„1000 Jahre Goldener Steig“ – Dieses Jubiläum nahm Naturparkmitarbeiterin Isabelle Auer kürzlich zum Anlass, im Rahmen des Jahresprogramms der Ilz-Infostelle Schloss Fürsteneck den 20 Zuhörern einige Ergebnisse ihrer Geografie-Magisterarbeit zur historischen Flussschifffahrt auf Salzach und Inn vorzustellen. Da diese Arbeit, obwohl sie bereits vor einigen Jahren verfasst wurde, die Leser bzw. Zuhörer anregen soll, selbst mit offenen Augen durch die Städte an diesem ehemals so bedeutenden Fernhandelsweges zu gehen, um nach Spuren der Flussschifffahrt zu suchen, ist sie gerade im Jubiläumsjahr aktueller denn je. Deutlich wurde bereits zu Beginn des eineinhalbstündigen Vortrags, dass die Flussschifffahrt ein komplexes System war: Nicht nur die in der Schifffahrt Beschäftigten – Verwalter, Reiter und die Schifferer – waren so streng hierarchisch organisiert, dass z.B. die sogenannten Laufener Erbausfergen, das waren die Schiffsbesitzer, sogar den Stadtadel bildeten. Dagegen konnten die unehelich geborene Schiffererbuben, die sogenannten Strohbankert, nur bis zum rudernden Schifferer, nie aber etwa zum sogenannten Sessthaler, also zum Schiffskommandant, aufsteigen konnten. Auch jede Schiff hatte innerhalb des Schiffzugs eine bestimmte Funktion: Die einen waren z.B. reine Lastschiffe, andere waren für den Transport des Futters für die Zugpferde, wieder andere für die korrekte Führung des Zugseils zuständig. Ebenso komplex wie die Organisation der Flussschifffahrt an Salzach und Inn war ihre Geschichte. Obwohl mit der Raffelstetter Zollordnung bereits zu Beginn des 10. Jahrhunderts die Zolltarife für die ganze Zolllandschaft Salzach-Inn festgelegt wurden, gab es im Laufe der Jahrhunderte ständig Konflikte zwischen den „Anliegerstaaten“, dem Erzbistum Salzburg, dem Herzogtum Bayern, dem Habsburgerreich und dem Fürstbistum Passau. Welche Bedeutung die historische Flussschifffahrt, bei der nicht nur Salz, sondern auch Getreide, Personen, Stoffe, Wein und Steine transportiert wurden, für den Raum zwischen Hallein, Innsbruck und Passau hatte, wird auch heute noch an den Stadtgrundrissen und Häusern des Inn-Salzach-Gebiets deutlich. Hier betonte Isabelle Auer jedoch, dass die für viele Betrachter italienisch anmutende Inn-Salzachbauweise mit ihren typischen Grabendächern keineswegs aus Italien übernommen sei, sondern sich selbstständig aus alpenländischen Vorformen entwickelt habe. Am Schluss ihres Vortrags zeigte die Referentin, welche Spuren der Flussschifffahrt man noch heute im Gelände entdecken kann: Reste der ehemaligen Lände, Hohlwege und Salzstadl. Obwohl Wandmalereien, die Szenen aus der Flussschifffahrt darstellen, nicht immer schon zu Seiten der Flussschifffahrt bestanden, sind sie doch ein Hinweis auf das Geschichts- und Traditionsbewusstsein der heutigen Bewohner der Inn-Salzach-Städte. Isabelle Auer: „Geht man mit offenen Augen durch die Städte des Inn-Salzach-Gebiets, so wird man noch heute viele Spuren der Flussschifffahrt finden. Leider wird diese spannende Geschichte touristisch noch zu wenig ausgewertet, obwohl z.B. ein Kulturerlebnisradweg – ähnlich der Naturerlebnispfade des Naturparks Bayerischer Wald – mit relativ wenigen Mitteln ein neues Tourismusangebot für die Region darstellen könnte.“

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