Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. begrüßte die Teilnehmer, die sich im Rahmen der Woche der regenerativen Energien zur ersten Veranstaltung mit dem Thema Biogas im Naturparkhaus eingefunden hatten. Dr. Paul Kestel von der Arbeitsgruppe Energie und Verkehr des Landkreises Regen sprach in seiner Einführung die Stoffströme an. Aus Kohlendioxid und Wasser entsehen mit Sonnenlicht Milliarden Tonnen organischer Stoffe auf der Erde, die in Kreisläufen umlaufen. Hiervon wird auch der Energiebedarf der Lebewesen gedeckt. Als Referenten begrüßte Dr. Kestel Dipl.-Ing. Michael Buchheit, der über den Betrieb gewerblicher Biogasanlagen berichtete. Als Vorzeigeanlage gilt die in Passau. Vor 2 Jahren eröffnet wird sie heute bereits weltweit bis hin nach Paris und nach Japan kopiert. In der Anlage wird zunächst alles was größer als 60 mm ist an holzigem Material ausgeschieden. Der Rest geht in die Vergärung. Man kann dort etwas 3 grobe Schritte nachvollziehen. Im ersten Schritt wird aus Bioabfall mit bestimmten Bakterienstämmen Zucker erzeugt, im zweiten Schritt aus Zucker Essigsäure mit anderen Bakterien und im dritten Schritt aus der Essigsäure Methangas. Ein richtiges Zusammenwirken der Bakterienstämme in der vorgegebenen Zeit ist entscheidend für die Energieausbeute. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) liefert hier auch 20 Jahre Planungssicherheit. Derartige Anlagen wären sonst in Deutschland nicht entstanden. Mit dem EEG ist hier ein Boom in Gang gekommen. In Regen - Poschetsried soll nun eine weitere Anlage für etwa 4000 Tonnen Material pro Jahr für eine Grüngutvergärung entstehen. Diese geschlossenen Anlagen riechen nicht. Wenn alles planmäßig verläuft soll die Anlage zum Jahresende 2007 fertiggestellt sein. Es werden noch Landwirte gesucht, die Grüngut mit festen Vertragsregelungen anliefern wollen. Ziel ist dabei Material aus drei Schnitten zu erhalten. Für Material aus der Landschaftspflege ist die Anlage zunächst weniger geeignet. Hier müsste man auf spezielle Enzyme greifen, was grundsätzlich möglich ist. Die Logistik soll einen Umkreis von 10 km bis max. 25 km umfassen. Es wird auch an ein Zwischen - Silieren im nicht benötigten Fahrsilos gedacht. Mit größeren Lkws lässt sich dann kostengünstiger antransportieren.

Im zweiten Referat ging Alois Sebald auf die kleineren, bäuerlichen Biogasanlagen ein. Er stellte im speziellen die Trockenfermentation vor. Die Anlagen im Bayerischen Wald sind bisher wenig, wohl deswegen weil die Viehdichte geringer ist. Die Landkreise Cham und Schwandorf sind dagegen „Biogashochburgen“. Für die Rahmenbedingungen ist interessant zu wissen, dass die großen Maisexporte beispielsweise vom amerikanischen Kontinent ausbleiben werden, weil dieser Nachwachsende Rohstoff dort in die Bioethanolproduktion geht. Die Flächen in Ostasien sind nicht vermehrbar, der Bedarf dort ist groß. Etwas mit Unsicherheit sind die GUS Staaten einzuschätzen.

Anhand verschiedener Modelle erläuterte Sebald die Wirtschaftlichkeit von Anlagen. Gerade bei kleineren Biogasanlagen unter 150 kWh Leistung ist die Wirtschaftlichkeit eine „Gradwanderung“. Wer hier zu kleine Fermenter baut und auf diese Art und Weise sparen möchte, schafft möglicherweise eine Anlage die nie rentabel arbeitet und nur Aufwand verursacht. Davon muss mit gewarnt werden. Die Trockenfermentierung zählt zu den diskontinuierlichen Verfahren, d. h. bei Entnahme und Befüllung der Fermenter fällt keine Gasproduktion an. Deswegen werden oft mehrer Fermenter hintereinandergebaut um eine stetige Gasproduktion mit Strom- und Wärmeerzeugung sicherzustellen. Wichtig ist auch immer die Nutzung der Abwärme. Damit wird die Wirtschaftlichkeit erst hergestellt. Sebald ging auch auf andere, kleinere Anlagen wie beispielsweise die „Chiemgauer Biogasanlage“ ein. Auch ein neues System aus Niedersachsen wurde vorgestellt.

Derzeit arbeitet eine Firma auch an einem Gasverdichter, der künftig zur Betankung von Fahrzeugen geeignet sein kann.

In einem dritten Referat informierte Johann Schneider, der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, Kreisverband Regen über die Steuerlichen Aspekte von Biogasanlagen. Betroffen sind hier alle 3 Steuerarten, Umsatzsteuer, Einkommensteuer und Gewerbesteuer. Näheres dazu wurde in einem Merkblatt, das im Naturparkhaus ausliegt vorgestellt. Wichtig ist aber hier grundsätzlich die Bewertung des Einzelfalls. Fragerunde und Diskussion zogen sich bis in den späten Abend hinein. Dr. Kestel bescheinigte dem Publikum in seinen Dankworten großes Interesse und hohe Motivation für diese zukunftsführende Sache.

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