Der Luchs ist zurück in den Bayerisch-Böhmischen Waldgebieten. Zwischen Passau und Bayreuth leben 20-30 erwachsene Tiere. Schon seit Ende der achtziger Jahre sind vereinzelt Luchse von Tschechien nach Bayern eingewandert. Inzwischen gibt es flächendeckend Hinweise darauf, dass der Luchs im Fichtelgebirge, im Oberpfälzer und Bayerischen Wald neuen Lebensraum gefunden hat. Dies ist ein Ergebnis des Luchsprojekts des Naturparks Bayerischer Wald e.V.. Seit 10 Jahren werden hier systematisch Daten zur Verbreitung dieser Tierart im ostbayerischen Raum erhoben.

Doch die Rückkehr des Luchses sehen nicht alle mit Wohlwollen. Nutztierhalter fürchten um ihre Schafe und manche Jäger begreifen den Luchs als Konkurrenten um das Rehwild. Denn Rehe sind die Hauptbeute der etwa schäferhundgroßen Katzenart. „Dass da Konflikte nicht ausbleiben, ist klar.“ meint Manfred Wölfl, der das Projekt seit Beginn an leitet. Deshalb nahm er die Sorgen und Nöte der Betroffenen ernst und stieß 1997 die Einrichtung eines so genannten Luchsfonds an.
Landesjagdverband, Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz stellten zusammen mit dem Naturpark eine Summe von ca. 6.000 Euro zur Verfügung. Daraus werden Schäden an Nutztieren, die nachweislich vom Luchs verursacht wurden, ausgeglichen. Ein Konfliktmanagement, das funktioniert. Etwa ein Viertel der gemeldeten Todesfälle bei Nutztieren sind tatsächlich auf den Luchs zurückzuführen. Für alle anderen Fälle sind Hund, Fuchs oder Krankheiten verantwortlich.
Nachzuweisen, wer jeweils der Verursacher ist, ist nicht ganz einfach. Deshalb hat Manfred Wölfl gemeinsam mit dem Jagdverband so genannte Luchsberater ausgebildet. Sie begutachten Risse an Nutz- oder Wildtieren und leiten bei Luchsverdacht weitere Schritte ein. Für vom Luchs gerissene Tiere (Reh, Hirsch, Muffelwild) zahlt der Bayerische Jagdverband eine Meldeprämie von 51 bzw. 102 Euro. „Wir verfolgen damit zwei Ziele“, sagt Eric Imm von der Wildland Stiftung, „ Wir möchten damit fördern, dass uns möglichst viele Risse gemeldet werden. So können wir uns ein besseres Bild von der Verbreitung des Luchses machen. Außerdem entschädigt die Meldeprämie den Jäger für das entgangene Wildbret, nicht aber für die entgangene Jagdgelegenheit. Schließlich ist das Reh für unsere Jäger ebenso wie für den Luchs die wichtigste Wildart.“
Neben dem Sammeln von Luchshinweisen durch ansässige Jäger und Artenschützer war auch die radiotelemetrische Forschung des Luchsprojekts ganz wesentlich daran beteiligt, Daten zu Lebensweise und Nahrungswahl zu gewinnen. Am 29. Dezember 2000 wurde zum ersten Mal in Deutschland einem Luchs ein Senderhalsband umgelegt. Bei Drachselsried im Zellertal ging die Luchsin Andra den Mitarbeitern des Luchsprojekts in die Falle. Seitdem wurden drei weitere Luchse gefangen und besendert: Beran, Chica und Don. Sie zeigten, welch enormen Raumbedarf ein einzelner Luchs hat. Im Schnitt sind das 100 Quadratkilometer, aber es können auch einmal 300 km2 sein, vor allem wenn man ein Luchsmännchen ist und Kontakt zu möglichst vielen Weibchen sucht. „Die Telemetrie ist kein Selbstzweck, sie unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort und viele Jäger staunen über so große Territorien“, erklärt Manfred Wölfl. „Viele können sich schwer vorstellen, dass ein Luchs in einer Nacht 20-30 km zurücklegen kann, und dass der Luchs, der heute hier und morgen dort ist, wirklich ein und derselbe Luchs ist.“ Im Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald werden derzeit die Beziehungen von Luchs, Reh und Rotwild genauer untersucht, um der Diskussion weitere fachliche Grundlagen zu geben. Die oft geäußerte Befürchtung, dass Luchse in Massen auftreten, kann durch die radiotelemetrischen Ergebnisse entkräftet werden.
Dennoch gibt es nach wie vor Vorbehalte, die ernst genommen werden müssen. Das langfristige Überleben der Luchspopulation ist längst nicht gesichert“, weiß Sybille Wölfl, Mitarbeiterin des Luchsprojekts. „Es reichen wenige Ausfälle pro Jahr bei den erwachsenen Tieren, und die Population stirbt erneut aus, wie vor 150 Jahren.“
Ein wesentlicher Schwerpunkt der zukünftigen Arbeiten im Luchsprojekt des Naturparks Bayerischer Wald e.V. liegt deshalb darin, die Akzeptanz für diese Tierart zu fördern, die Interessensgruppen zu einem Miteinander zu bewegen, um einen Ausgleich aller Interessen – auch denen des Luchses – zu erreichen. Lesen Sie mehr zum Luchsprojekt unter Luchsprojekt.de

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