Am vorletzten Oktober – Sonntag fanden sich die Natur- und Landschaftsführer am Großen Arber ein, um naturkundliche Besonderheiten und die Natur- und Pflanzenwelt des „Höchsten“ näher unter die Lupe zu nehmen. Dank des schönen sonnigen Herbstwetters versammelte sich eine große Gruppe der Naturliebhaber, darunter auch tschechische Natur- und Landschaftsführer, an der Abergondelstation. Begrüßt wurden Sie vom Bildungsreferenten des Naturpark Bayerischer Wald e.V., Hartwig Löfflmann. Im Anschluss machte sich die Gruppe zusammen mit den beiden Gebietsbetreuern Arnold Multerer (Naturpark Bayerischer Wald e.V.) und Caroline Stautner (Naturpark Oberer Bayerischer Wald e.V.) auf den Weg zum Arbergipfel.

Der Gipfelbereich zeichnet sich durch eine langanhaltende Schneebedeckung von ca. 250 Tagen im Jahr, strenge Winter und kurze Vegetationsperioden aus. Deshalb finden sich hier einige Überlebenskünstler wie zahlreiche Eiszeitreliktpflanzen, die am Großen Arber ein Rückzugsgebiet haben. Arnold Multerer zeigte den Teilnehmern in diesem Zusammenhang einige besondere Pflanzen, die typische für den Arbergipfel sind, wie zum Beispiel die Dreispaltige Binse, den Ungarischen Enzian oder das Borstgras. Auch erfuhr die Exkursionsgruppe von ihm, dass sich eines der wenigen und sogar das deutschlandweit größte Verbreitungsgebiete des Krausen Rollfarns am Arbergipfel befindet. Dieser Farn ähnelt einer Petersilie und wächst versteckt in den Ritzen dreier Felsriegel am Gipfelplateau.
Interessiert zeigten sich die Teilnehmer nicht nur an naturkundlichen Informationen, sondern auch an geschichtlichen Ereignissen, wie dem Bau und dem Betrieb der Nato-Radarstation. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung wurde und wird die Radarstation am Arber lediglich zur deutschen Luftraumüberwachung in einem Radius von etwa 450 km genutzt, wussten die Gebietsbetreuer zu berichten. Im Gegensatz dazu diente die Radarstation am Hohen Bogen als „Horchposten“ zum benachbarten Land.
Da sich der Nebel während des Rundweges lüftete, konnten die Teilnehmer einen Blick auf den Kleinen Arbersee mit den „Schwimmenden Inseln“ werfen. An Hand von älteren Aufnahmen verglich die Exkursionsgruppe die Lage der Inseln, die sich je nach Wind und Wetter ändert. Caroline Stautner berichtete, dass durch den heftigen Wind der vergangenen drei Wochen, eine der Inseln fast täglich ihre Position änderte.

Das Gipfelkreuz war gleichzeitig Rastpunkt der Wanderung. Im Anschluss führte Arnold Multerer die Gruppe weiter Richtung Urwald der Arberseewand. Bei diesem Abstieg waren die vier großräumigen Vegetationszonen, welche die Gruppe durchschritt, sehr deutlich erkennbar. Als erstes der baumfreie Gipfelbereich mit Heiden und Borstgrasvegetation, anschließend die Latschenregion und der daran angrenzende natürliche Hochlagenfichtenwald, der auf etwa 1200 m über dem Meeresspiegel in die Bergmischwaldzone übergeht. Diesen Übergang konnte die Gruppe vor allem vom Großen Arbersee mit Blick auf die Seewand gut nachvollziehen. Der Bergmischwald mit seinem bereits herbstlich bunt gefärbten Laubbäumen, allem voran der Buche, setzt sich hier sehr gut vom dunklen Hochlagenfichtenwald ab, der an der Sichtkante der Seewand beginnt.
Im Naturschutzgebiet der Seewand zeigte Arnold Multerer die Besonderheiten des Urwaldcharakters an einigen Exemplaren. So bildet sich z.B. der natürlichen Jungfichtenaufwuchs auf abgestorbenen, am Boden liegenden Bäumen. Der Ranger verwies hier auf die Standortvorteile des Jungwuchses, die eine erhöhte Lage einnehmen. Dadurch haben sie eine wesentlich längere Zeit im Jahre zur Verfügung, um aufwachsen zu können, als die am Boden keimenden Jungbäume.
In diesem Zusammenhang konnte er der Gruppe erklären, warum viele Bäume Stelzwurzeln ausbilden: „Nachdem die Jungfichten auf dem liegenden Totholz gekeimt haben, und nach vielen Jahren bzw. Jahrzehnten stark an Höhe zugewachsen sind, verrottet der alte Baumstamm. Bis dahin hat der Jungfichtenaufwuchs bereits ein so massives Wurzelwerk um das Altholz gebildet, dass durch das verrottende Altholz regelrecht eine Höhle zwischen den Wurzeln übrig bleibt. Somit sehen diese Bäume aus, als würden sie auf Stelzen stehen.“
Abschließend drehten die Natur- und Landschaftsführer noch eine Runde um den Großen Arbersee und erfuhren von Multerer näheres über die Entstehungsgeschichte dieses Eiszeitsees. Nachdem noch einige standorttypische Vögel und Pflanzen besprochen wurden, kehrte die gesamte Truppe in der angrenzenden Seegaststätte ein. Hier bekamen die Teilnehmer vom Naturpark noch etliche Broschüren an die Hand, um ihr Wissen über das Arbermassiv und den gesamten Naturpark Bayerischen Wald vertiefen zu können.

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