Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogrammes 2006 fand in der Naturpark-Infostelle Würzingerhaus in Außernzell eine Veranstaltung zum Thema „Rapsöl – Eine Antwort auf unsere Energieprobleme?“ statt. Bildungsreferent Hartwig Löfflmann begrüßte als Referenten Stephan Salinger von der Firma Reconet aus Regen. Auch Bürgermeister Josef Färber, zugleich stellvertretender Landrat, und sein Bürgermeister-Stellvertreter Klampfl waren zur Veranstaltung gekommen. br>
Salinger gab zunächst einen allgemeinen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Raps. Häufig werden Biodiesel und kaltgepresstes Rapsöl von Laien verwechselt. Bei Biodiesel findet eine Veresterung statt. Dies ist sehr energieaufwändig, aus dem „Naturprodukt“ Raps wird wieder ein „Gefahrgut“ hergestellt. Kalt gepresstes Rapsöl hat den Vorteil, dass es auch dezentral in kleinen Ölmühlen bei Landwirten herstellbar ist. Rapsöl - Vollraffinat, die Grundlage für Biodiesel, kann nur in zentralen Anlagen produziert werden.

Es gibt heute viele Verwendungsmöglichkeiten für Raps. Er kann Grundstoff für die chemische Industrie sein, für Heizzwecke verwendet werden, neuerdings auch für Treibstoffe in Flugzeugen. Bekannter ist der Einsatz in speziell dafür umgerüsteten Dieselmotoren zu Fahrzwecken. Breite Verwendung findet der Raps heutzutage auch in Tensiden, die für Seifen, Waschmittel, Cremes und Duschgels und auch in der Kunststofftechnik Verwendung finden. Ganz wichtig ist der Bereich der Kühl- und Schmierstoffe, in Bereichen, in denen schnelle biologische Abbaubarkeit gefragt ist, vor allem im Freilandeinsatz. Raps ist in etwa 20 Tagen wieder abgebaut.

Rapsöl als Kraftstoff für Dieselmotoren wird heute vielfach auf der Grundlage der Weihenstephaner DIN – Norm des Jahres 2000 hergestellt. Der Einsatz von kaltgepresstem Rapsöl in Motoren ohne Umrüstung führt meist nach bereits 500 Betriebsstunden zu Schäden. Ein Hauptproblem ist der Kaltstart von Motoren, wegen des höheren Flammpunktes von Rapsöl. Dabei könnte dieser Effekt im Straßenverkehr Deutschlands ein Pluspunkt sein. Etwa 800 bis 1000 Leute kommen jährlich in Deutschland in brennenden Fahrzeugen ums Leben, Raps hätte den Vorteil, dass er von sich aus nicht weiter brennt.

Auch BtL – Kraftstoffe (Biomass to Liquid) und das sogenannte Sun-Fuel-Oil finden verstärkt Einsatzmöglichkeiten. Der Weg geht Richtung „Designer-Sprit“, der aus nachwachsenden Rohstoffen herstellbar ist, so Salinger. Die Endlichkeit von fossilen Energieträgern ist gerade auch den großen Energiekonzernen bewusst. Motorenhersteller und Gesetzgeber zögern aber teilweise noch zu sehr. Ein leuchtendes Beispiel ist dagegen das Land Schweden, das bis zum Jahr 2020 komplett vom Erdöl weg möchte. Enorme Forschungsmittel werden dafür eingesetzt.

Rapsöl muss auch bei uns über die Bereiche Einsatz als Schmierstoff oder als Hydrauliköl-Ersatz hinaus verstärkt zur Anwendung kommen, so Salinger. Er warnte jedoch vor billigen Umrüstsätzen für Fahrzeuge, die man dann selbst einbaut, das geht in vielen Fällen schief. Auch dem Zumischen von Rapsöl zum Diesel ohne Fahrzeugumrüstung erteilt er eine klare Absage. Das führt meist nach 500 Betriebsstunden zu teueren Motorschäden. Eine Umrüstung muss immer individuell an das Fahrzeug angepasst sein. Nähere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.reconet.de.

Im Anschluss an den Vortrag stand dann ein umgebauter LKW und ein PKW zur Besichtigung zur Verfügung. Beide laufen seit mehreren tausend Betriebsstunden ohne Probleme. Nach einer ausgedehnten Fragerunde wurde die Veranstaltung im „Gasthaus zum Würzinger“ mit einer Abschlussbesprechung beendet.

Zurück