Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. begrüßte zur gemeinsamen Botanik - Wanderung an den Trockenhängen bei Winzer den Referenten Gerhard Nagl sowie etwa 25 weitere Teilnehmer. Die Magerrasenstandorte an den Donauhängen sind heutzutage sehr selten geworden. Ein Großteil der Wiesen wird intensiv bewirtschaftet, andere Flächen wurden überbaut oder sind bewaldet. Im Laufe des Rundganges wurden verschiedene Flächen aufgesucht und ihre Artenzusammensetzung etwas näher betrachtet. Bereits die Schotterflure am Parkplatz beherbergen interessante Gräser und Kräuter. Für die Teilnehmer war es verblüffend, dass zum Beispiel das Silberfingerkraut, eine Rote Liste Art zwischen den Pkws am Parkplatz wächst. Vielfach kann es ein Vorteil sein, wenn der Parkplatz geschottert und nicht geteert ist. Das Überfahren macht der Pflanze erstaunlicher Weise nichts aus, schade ist, dass vielfach Straßenböschungen humusiert worden sind, dann zu nährstoffreich sind, um bestimmten Magerrassenpflanzen Lebensraum bieten zukönnen. Entlang einer Siedlungsweges konnten weitere interessante Arten entdeckt werden. Entlang eines Wegrandes begab man sich dann den Hang bergauf. Taubenkropf, Odermennig und Wiesenglockenblumen begleiteten am Wegesrand. Die Ackerwitwenblume ist beispielweise selbst wenig spektakulär und noch relativ häufig. Interessant ist aber, dass sich eine sehr seltene Wildbienenart genau auf diese Blütenpflanze spezialisiert hat. Das Problem ist immer die starke Stickstoff Anreicherung bei Gülledüngung. Sie verdrängt die meisten Magerrasenarten und reduziert die Artenvielfalt in den Wiesen auf einige Futtergräser. Öffentliche Flächen sollten deshalb, so auch die Vorgabe im Bayerischen Naturschutzgesetz, vorbildlich bewirtschaftet werden, um den zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Chancen zu geben. Beispielsweise 130 Tagfalterarten gibt es bei uns und etwa 2.000 Insekten- und Nachtfalterarten. Nach Durchquerung eines kleinen Eichen - Hainbuchenwäldchens konnte man in einer extensiven genutzten Wiese Klappertopf, Wiesensalbei, Ackerhornkraut und das für den Landkreis Deggendorf ausgestorben geglaubte Kleine Mädesüß wiederfinden. Auch der Aufrechte Ziest war vorhanden, er ist eine der seltensten Pflanzen im Landkreis Deggendorf. Bereits schon bei der Vorexkursion konnte Gerhard Nagl eine Krabbenspinne in seine Becherlupe einfangen, die er ebenfalls als seltene Rarität präsentierte und anschließend wieder in die Wiese setzte. Auf den Trockenhängen gibt es auch eine große Zahl verschiedener Armeisenarten. Etwa 80 heimische Arten sind registriert, ein Grossteil ist auf den Roten Listen erfasst. Ganz zum Schluss widmete man sich noch dem „Loher Trockenhang“ der als botanisches „Mekka“ an den Donauhängen gilt. Hier gibt es Arten die erst wieder auf Standorten bei Regensburg zu finden sind. Zahlreiche Rote Liste Arten wie Gelbe Sommerwurz, eine Reihe von Habichtskräutern, die Behaarte Gänsekresse oder die Ungarische Schafgarbe kommen hier vor. Die Hirschwurz hat hier ihr einzigen Standort im Landkreis Deggendorf. Nagl unterstrich die Wichtigkeit der Flächenpflege auf diesen einzigartigen Standorten. Nur durch eine späte Mahd einmal jährlich, nachdem sich die Pflanzen ausgesamt haben und durch das Fernhalten von Nährstoffen kann man diese Lebensräume sichern. Im Anschluss daran bedankte sich Hartwig Löfflmann bei den Teilnehmern und beim Referenten und lud zu den weiteren Veranstaltungen des Naturparks im Rahmen des Bildungsprogramms.

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