Im Bayerisch-Böhmischen Informationszentrum für Natur- und Nationalparke, kurz dem Grenzbahnhof Eisenstein hatte der Naturpark Bayerischer Wald e.V. zu einer Veranstaltung über Nationalparke in Kroatien eingeladen. Das Informationszentrum in Bayerisch Eisenstein hat den Themenschwerpunkt Grosschutzgebiete und stellt die Natur- und Nationalparke entlang des Bayerisch-Böhmischen Grenzkammes im Rahmen seiner Dauerausstellung vor. Der Natur- und Landschaftsführer Georg Schröder informierte mit sehr vielen Details und sehr kurzweilig über die beiden Nationalparke Plitwitzer Seen und Krka in Kroatien. Der Nationalpark Plitwitzer Seen liegt etwa 670 km vom Bayerischen Wald entfernt. Alte Mühlen, restauriert in landschaftsbezogener Architektur zieren das Nationalparkvorfeld. Die Geologie des Gebietes ist gekennzeichnet von Massekalken der Kreidezeit. Regenwasser löst den Kalkstein, aber durch die Übersättigung fällt Kalk im Wasser wieder aus. Durch diese Rauhwacke - Bildung hat in den letzten 8500 Jahren nach der Eiszeit ein Gesteinswachstum begonnen. Diese Gewässerbarrieren wachsen langsam nach oben, es entstehen Seen und Wasserfälle. Die Wasserfälle sind bekannt durch die Karl May-Filme „Winnetou“ oder „Der Schatz im Silbersee“. Das Ansteigen der Wasserspiegel führt beispielsweise dazu, dass heute Einfahrten in Höhlen nicht mehr möglich sind, die noch vor einigen Jahren gang und gäbe waren. Verantwortlich für diese Rauhwackebildung sind teilweise Moose, in denen Kieselalgen leben. Diese Kieselalgen begünstigen die Kalkausfällung und damit die wachsenden Steine. Ein prominentes Beispiel für Gesteinswachstum gibt es auch in Niederbayern. Bei Usterling in der Nähe von Landau gibt es einen wachsenden Stein. Im Gebiet des Nationalparks Plitwitzer Seen kommen meist Tierarten vor, wie es sie bei uns auch gibt, bis hin zum Luchs. Das Artenspektrum ist dort allerdings bereichert durch Wolf und Bär. In den Gewässern herrscht ein großer Fischreichtum, der Fischotter ist ebenfalls heimisch, daneben gibt es noch Wasserschildkröten. Als Besonderheit gilt eine endemische Art, sozusagen ein lebendiges Fossil aus der Trias-Zeit, der Grottenolm. In früher Zeit wurde dieser bei Hochwässern oft auf die Wiesen geschwemmt und die Bauern meinten, es handelte sich um einen Drachen. Das Tier hat keine Farbpigmente, kann je nach Wassertemperatur bei über 16 °C mit Lungen atmen und lebende Junge zur Welt bringen, bei Wassertemperaturen unter 16°C mit Kiemen atmen und Eier legen. Gehölzteile die in die Bachbette und Flüsse fallen werden ebenfalls von dieser Kalkausfällung und Kalkanlagerung versteinert. Damit wachsen Barrieren in den Gewässern weiter. Der größte und bekannteste See ist der Kosiaksee. In den Bergmischwäldern spielt die Fichte nur eine untergeordnete Rolle, es dominieren Steineichen, Buchen und Spitzahorn mit einzelnen Weißtannen. Ein strenges Besucherlenkungskonzept mit nur zwei Zugängen, an denen man Eintritt zahlen muss, hilft diese Naturschönheiten zu sichern. Dort kann man noch stundenlang durch primäre Urwälder wandern, die ohne menschliche Eingriffe sind. Im Einzugsgebiet wird strikt darauf geachtet, dass keine Abwässer in die Flüsse gelangen, es gibt dort auch keine Landwirtschaft. Denn durch Gewässerverschmutzung wird die Ausfällung von Kalk beeinträchtigt. Der Bürgerkrieg in Bosnien hat gezeigt, dass dort bei Beeinträchtigungen der Kalk porös wird und alte „Kalk - Barrieren einstürzen“ und damit Seen und Wasserfälle verloren gehen. Der zweite Nationalpark Krka liegt etwa 900 km vom Bayerischen Wald entfernt. Dieser mit 73 km kürzester Fluss ist auf einer Länge von 46 km seit 1985 als Nationalpark geschützt. Von Skradin aus kann man mit Schiffsausflügen den Nationalpark erkunden. Die Wasserqualität dort ist beispielgebend für ganz Europa, es dient als Referenzgewässer mit der Güteklasse 0. Das heißt man kann aus dem Fluss schöpfen und trinken. Bereits im Jahr 1897 entstand durch Nikola Tesla, einen Kroaten, dass älteste Wechselstromkraftwerk der Welt, noch einen Monat vor dem an den Niagarafällen in USA eröffnet. In dem Flusstal gibt es eine üppige Pflanzenvegetation, anders auf den Hochflächen des Karstgesteins, dort ist die Vegetation vielfach von der Sonne verbrannt. Das Gebiet ist reich an kulturellen Schätzen. Bezeichnend ist auch, wie sich das ehemalige Bürgerkriegsgebiet innerhalb kurzer Zeit wieder voll in Richtung Tourismus entwickelt hat. Es gibt auch sehr positive Beispiele für ein friedliches Nebeneinander von Serben und Kroaten bereits im Mittelalter, beispielsweise durch die Schenkung eines Klosters. Mit Bildern von einer der schönsten Buchten, der Konstantinopel - Bucht, beendete Georg Schröder seinen Vortrag, Schröder lieferte sehr viele auch kulturhistorische Details, nachdem er sich selbst seit über 15 Jahren für dieses Gebiet interessierte und viel fotografierte.

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