Der Bayerische Pfahl mit seinen weißen Quarzriffen und dunklen Schieferfelsen ist seit jeher eines der bekanntesten Naturdenkmäler Ostbayerns. Der Pfahl erhielt in jüngerer Vergangen-heit einige Preise und Auszeichnungen. Im Jahr 2001 wurde das Quarzriff Großer Pfahl bei Viechtach als erstes bayerisches Geotop mit dem Gütesiegel „Bayerns schönste Geotope“ ausgezeichnet. Geotope sind beispielsweise bizarre Felsen, geheimnisvolle Höhlen oder Fundstellen seltener Mineralien. Bei diesen Boten der Erdgeschichte kann man gleichsam den Pulsschlag der Erde fühlen. Im Jahr 2003 nahm das Bayerische Umweltministerium die Pfahlschieferfelsen in der Buchberger Leite zwischen Freyung und Ringelai in die Bestenliste der einhundert schönsten Geotope Bayerns auf. In diesem Jahr wurde dem Bayerischen Pfahl in seiner ganzen Länge das Gütesiegel „Nationales Geotop“ verliehen. Die Akademie der Geowissenschaften zu Hannover zeichnet damit die 77 schönsten und interessantesten Geotope Deutschlands aus. Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hat gemeinsam mit den Kommunen in den letzten Jahren viele Projekte in der Pfahlregion durchgeführt: Lehrpfade wurden in Viechtach, Regen und Freyung angelegt, eine Pfahl-Infostelle mit Dauerausstellung konzipiert, Flächen in den Naturschutzgebieten erworben, Felsen freigestellt und die laufende Pflege organisiert. Der Naturpark ist auch für die Betreuung des Gütesiegels „Nationales Geotop“ verantwortlich, dass zeitlich befristet auf fünf Jahre vergeben wurde. Heinrich Schmidt, 1. Vorsitzender des Naturparks, freut sich über diese Auszeichnung: „Damit wird die überregionale Bedeutung des Pfahls gewürdigt. Außerdem ist das auch ein enormer touristischer Werbeeffekt und ein Ansporn weitere Projekte durchzuführen.“

Der Pfahl durchzieht den Bayerischen Wald auf einer Länge von nahezu 150 km vom Naabtal in der Oberpfalz bis nach Neureichenau nahe der österreichischen Grenze. Lichte Geländewälle, wilde Bachtobel oder bizarre Felsformationen prägen seinen Verlauf. Die Felsentürme sind nicht nur landschaftlich sehr reizvoll, sondern beflügeln schon lange die Phantasie der Menschen. Nach alten Sagen sind die Felsenzüge der oberirdische Kamm eines tief im Erdinnern ruhenden Drachens. Tatsächlich ist der Pfahl ein uralter Riss im Grundgebirge des Bayerischen Waldes. Entlang dieser Bruchlinie wurde der gesamte Vordere Bayerische Wald um mehrere hundert Meter gegenüber dem Inneren Bayerischen Wald angehoben. Die Urgesteine veränderten sich dabei unter enormem Druck und hoher Temperatur und wandelten sich in eine neue Gesteinsart um. Die Bayerwaldgesteine wurden gleichsam wie zwischen Mühlsteinen in feinste Mineralkörner zerrieben. Aus grobkörnigen, hellen Gneisen und Graniten entstanden so die feinkörnigen, dunklen Pfahlschiefer. Die Pfahlschiefer-Felsen sind besonders massiv und reizvoll in der Wildbachklamm „Buchberger Leite“ zwischen Freyung und Ringelai sowie am Pfahlfelsen am Michelbach in Neureichenau ausgeprägt. Gegen Ende des Erdaltertums drangen heiße wässrige Quarzlösungen in die Spalten und Hohlräume der Bruchlinie ein und erstarrten in einer Tiefe von bis zu fünf Kilometern zum weißen Quarzgestein. Im Laufe der Jahrmillionen wurde das umliegende weichere Gestein verwittert und abgetragen. Der sehr harte Pfahlquarz widerstand bis heute dem Zahn der Zeit. Besonders eindrucksvoll zeigt er sich in den weißen Felsenriffen am Großen Pfahl bei Viechtach und in Weißenstein bei Regen.

Der Pfahl ist ein wichtiger Lebensraum für seltene, wärme- und trocken liebende Tier- und Pflanzenarten. Die freien, gut besonnten Felsgratbereiche und die südseitigen, lichten Heiden und Wälder sind Wärmeinseln im ansonsten recht rauen Klima des Bayerischen Waldes. An den Pfahl-Felsen finden sich beispielsweise einundzwanzig verschiedene Ameisenarten, wovon einige normalerweise in trockenwarmen Weinbaugebieten beheimatet. sind. Wie Bonsaibäumchen wachsen die bis zu 200 Jahre alten „Pfahlkiefern“ fast auf dem nackten Fels. Die nachtaktiven Fledermäuse übertagen in den Felsenspalten. In „Wochenstuben“ bringen sie hier ihre Jungen zur Welt. Am wenig bewachsenen Felsenfuß wartet der Ameisenlöwe in einem Fangtrichter auf seine Beute: In seine kleine Erdhöhle verirren sich meist Ameisen und Spinnen. Auf der Südseite des Pfahlrückens wachsen von Natur aus lichte und zwergstrauchreiche Eichen-, Birken- und Kiefernwälder. Jahrhunderte lang wurden viele dieser steinreichen, mageren Haine als gemeinschaftliche Weideflächen genutzt. Der von Weidetieren nicht verbissene Wacholder zeugt noch von dieser alten Nutzungsform. Auf den felsigen Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden wachsen neben dem rosa blühenden Heidekraut, die gelb blühende Blutwurz oder auch die seltene Heide- und Pechnelke. Sonnenhungrige Reptilien wie die prächtig schimmernde Zauneidechse oder die schlanke, völlig ungiftige Schlingnatter finden hier einen geeigneten Lebensraum.

Die markanten Felsentürme des Pfahls üben auf den Menschen bereits seit langem eine besondere Anziehung und Faszination aus. Kapellen, Kreuzwege oder Kalvarienberge sind eng mit vielen Pfahlbereichen verbunden. In Moosbach, ca. 10 km westlich von Viechtach, lädt ein Kreuzweg mit auf einem Felsvorsprung versteckten Heiligenfiguren zum beschaulichen Wandern ein und ist ein anschauliches Beispiele sakraler Volkskunst. Der neu freigestellte Kalvarienberg gewährt einen beeindruckenden Rundblick. Manche der höchsten Erhebungen des Pfahls dienen als erhabene Warten für Burgen und Schlösser. Die mittelalterlichen Landesherrn konnten auf den schwer einnehmbaren Felsenburgen die Handelswege weit überblicken. Noch heute sind im Schloss Thierlstein bei Cham die Zimmerwände bis in den zweiten Stock teilweise in den blanken Fels gehauen. Seinen höchsten Punkt erreicht der Pfahl mit mehr als 750 m bei den Burgmauern in Weißenstein bei Regen. Hier bietet sich dem Besucher ein einmaliger Rundblick auf die Gebirgszüge des Bayer- und Böhmerwaldes. Ein überregionaler Pfahl-Wanderweg führt vom Schloss Thierlstein zur Burgruine Weissenstein. Das Schloss Wolfstein in Freyung errichtete der Passauer Fürstbischof Anfang des 13.Jahrhunderts auf einem Pfahlfelsen. Damit konnten die Säumerzüge, die das wertvolle Salz auf den Goldenen Steigen nach Böhmen transportierten, beschützt werden.

Ende des 19.Jahrunderts begann für den Pfahl eine unruhige Zeit. Der harte, sehr tragfähige Quarz war als Straßenschotter in den Zeiten der Motorisierung und Industrialisierung hochbegehrt. Viele malerische Felspartien fielen dem Abbau zum Opfer und sind unter manchen Bayerwaldstrassen begraben. Weitsichtige Persönlichkeiten wie der Viechtacher Altbürgermeister Karl Gareis oder der Weißensteiner Dichter Siegfried von Vegesack erkannten, dass der Pfahl nicht nur als Schotter, sondern auch als landschaftliches Wahrzeichen der Heimat eine wichtige Bedeutung hat. Der Widerstand gegen den Abbau führte letztendlich dazu, dass seit Mitte des 20.Jahrhunderts die wichtigsten Pfahlpartien in Moosbach, Viechtach und Weißenstein in Naturschutzgebieten bewahrt werden. Heute sind diese in das Natura 2000 Netz der Europäischen Union aufgenommen. Die Quarzriffe am „Großen Pfahl“ wurden bereits 1939 unter Naturschutz gestellt. Im angrenzenden Quarzbruch fanden die „Schudderschloger“ - so wurden die Steinbrucharbeiter genannt - ein ganzes Jahrhundert lang Brot und Arbeit. Restaurierte Betriebsgebäude wie „Alte Schmiede“ oder „Verladestation“ lassen die 100 jährige Abbaugeschichte des Pfahls erkennen. Nachdem im Jahr 1992 der Betrieb im Quarzbruch eingestellt wurde, eroberte sich die Natur dieses Gebiet zurück. In heute noch aktiven Steinbrüchen am nahezu 150 km langen Pfahl wird der Quarz vorwiegend als Rohstoff für die Siliziumherstellung abgebaut.

Nähere Informationen zum Pfahl erhalten Sie bei den örtlichen Tournist-Informationen oder in der Pfahl-Infostelle des Naturparks im „Alten Rathaus“ am Viechtacher Stadtplatz. Hier können Sie sich in einer erlebnisreichen Dauerausstellung mit dem Thema „Der Pfahl im Bayerischen Wald“ beschäftigen: Landschaft und Lebensräume, Tiere und Pflanzen, Entstehungs- und Nutzungsgeschichte, Pfahl-Sage, Gesteine und Mineralien oder eine Steinbruch-Inszenierung sind hier dargestellt. Große und kleine Naturfreunde können an der Experimentierwand „Pfahlgeheimnisse“ oder „den Mikrokosmos des Pfahl“ erforschen. Gesteine und Mineralien warten bei der Suche nach dem „Stein der Weisen“ auf ihre Entdeckung.

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